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Beiträge zur Künstlersozialkasse

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Thomas Scharfstädt Thomas Scharfstädt PremiumModerator

Hallo, ich beschäftige mich mit ähnlichen Fragen. Aus meiner Sicht ist es so, dass an der Abgabepflicht auch für die eigene Website, Broschüren etc. kein Weg vorbeiführt, da dies im Gesetz explizit so geregelt ist. Ich habe die dazu angebotenen Unterlagen der KSK angefordert und die sind (leider) eindeutig. Dennoch werfen die Regelungen Fragen auf, auf die ich auch (noch) keine Antworten habe. Für das Geschäft von Selbstständigen gilt daher: Achten Sie auf eine möglichst KSK-neutrale Abwicklung von Projekten. Bin gerne an einem weiteren Austausch zu diesem Thema interessiert.

Christiana Kohn Christiana Kohn PremiumModerator

Moin Moin,

> Achten Sie auf eine möglichst KSK-neutrale Abwicklung von Projekten.

Ich werde als KSK Mitglied, einmal im Jahr gefragt wie viel % von meiner Arbeit Künstlerisch ist und wie viel Programmierarbeit, bzw anderes ist. Wenn ich nun meine Rechnungen neutral schreibe und wirklich mal geprüft werde, dann werfen die mich aus der KSK weil ich falsche Angaben gemacht habe.

Ich schreibe genau auf jede Rechnung was ich genau in Rechnung stelle, ob es nun gestalterische Arbeiten sind, oder anderes, so das jeder Kunde es selber sieht und später auch belegen kann, wo er KSK Abgabe zahlen muss.

Gruß
Christiana Kohn

Dirk Klostermann Dirk Klostermann PremiumModerator

Vorsicht vor der KSK !!!!!!!!!

Allen Unternehmern und Geschäftsführern kann ich nur raten, sich von einem Fachanwalt beraten zu lassen. Die KSK schreckt auch nicht vor Erpressung und Nötigung zurück, wenn es darum geht ihre Interessen durchzusetzen. Darum: Vorsicht !!!! Es könnte Ihr Ruin sein. Als "Opfer" der KSK weiß ich aus eigenem Erleben, wovon ich spreche.

Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber hat die KSK ihre (völlig unbegründete) Beitragsschätzung versucht per Pfändung durchzusetzen: 68.000,-- €. Nach Beauftragung eines Fachanwaltes stellte sich eine tatsäliche Beitragsschuld von 168,00 € heraus.

Mein Tip für einen Spezialisten:

http://www.kunstrecht.de/

Thomas M. Ruthemann Thomas M. Ruthemann PremiumModerator

Ich verstehe so gar nicht, warum immer so ein Theater um die KSK-Abgaben gemacht werden. Die Tatsache, dass die KSK jahrelang eher ein lauer Wind statt eines Sturms beim Eintreiben ihrer Forderungen war, heißt doch noch lange nicht, dass das jetzt alles Teufelswerk ist.

Die Schuld ist doch eher bei den beratenden Berufen zu sehen, die ihre Mandanten in der Hinsicht jahrelang schlicht nicht informiert und damit letztlich diese Abgabe ignoriert haben. Und genau hier setzt auch mein Unverständnis ein: es wird jetzt zunehmend gefordert, Freie sollten auf Ihren Angeboten und Rechnungen gezielt auf die KSK-Abgaben hinweisen.

Was für ein kompletter Blödsinn! Denn das hieße in der Konsequenz, wir müssten unsere Auftraggeber auch auf Einkommenssteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und am Besten noch die Müllabfuhr hinweisen. Und mal so gesagt: Wenn ich Unternehmer bin, muss ich mich halt informieren – oder anders ausgedrückt Unkenntnis schützt nicht vor (Geld-)Strafe. Das geht mir genauso, das gehört zum unternehmerischen Risiko.

Meine zwei Cent...

Schönen Restsonntag noch,

Tom Ruthemann

Dirk Klostermann Dirk Klostermann PremiumModerator

Thomas M. Ruthemann schrieb:
> Ich verstehe so gar nicht, warum immer so ein Theater um die
> KSK-Abgaben gemacht werden. Die Tatsache, dass die KSK jahrelang eher
> ein lauer Wind statt eines Sturms beim Eintreiben ihrer Forderungen
> war, heißt doch noch lange nicht, dass das jetzt alles Teufelswerk
> ist.
>
> Die Schuld ist doch eher bei den beratenden Berufen zu sehen, die
> ihre Mandanten in der Hinsicht jahrelang schlicht nicht informiert
> und damit letztlich diese Abgabe ignoriert haben.
>
Ich gebe Ihnen Recht, wenn Sie Steuerberater meinen. Fragen Sie Steuerberater nach der KSK, dann werden Sie oft mit einem Achselzucken beschieden. Viele Steuerberater sind der Ansicht, dass ein Hinweis im monatlichen Mitteilungsblatt an den Mandanten reicht. Das geht natürlich nicht.

Die Schuld liegt aber in erster Linie bei der KSK selbst - einer Behörde, die jahrelang in stiller Beschaulichkeit vor sich hinträumte. Erst als die Bundespolitik die Abschaffung der KSK diskutiert hat, kam Leben in die verschlafene Bude. Nun wurde die KSK zum Paradebeispiel für den Selbsterhaltungstrieb einer Behörde. Mit neuen Befugnissen ausgstatte dreht die KSK nun so richtig auf. Die Prüfungsbefugnis liegt nun bei der Deutschen Rentenversicherung und 3.500 Prüfern. die wiederum kümmern sich jedoch nicht aktiv um Prüfungsaufträge. Bei Betriebsprüfungen werden nur auf Antrag KSK-Abgaben geprüft.

Um an Beiträge zu kommen, hat die KSK einen skurilen Katalog von sog. Künstlern entwickelt. Allein die Abgrenzungen im Einzelfall dürften Sozialgerichte auf Jahre hinaus beschäftigen. Ein Beispiel: Die Gerichte beschäftigten sich mit der Frage, ob der Hersteller eines Tatoos ein Künstler ist und somit unter die Künstlersozialabgabe fällt oder nicht. Daraus ergibt sich die Berechtigung des Stechers Mitglied der KSK zu werden.

Die Beispiele füllen Bände. Wer ahnt, dass er KSK-Abgabe auf die Leistungen eines Kamerateams (incl. Fahrtkosten und verbrauchte Kassetten) zahlen muß? - Voraussetzung der Kameramann ist freiberuflich, Einzelkaufmann und hat nicht mehr als einen Mitarbeiter. Ist der Mitarbeiter fest angestellt, dann werden durch die KSK-Beiträge noch einmal Sozialabgaben fällig. (also eine doppelte Belastung). Firmiert der Kameramann jedoch als GmbH, ist seine Rechnung frei von KSK-Abgaben.

Noch interessanter wird es bei der Frage: wer ist Kameramann und wann wird eine künstlerische Leistung erbracht? Ist ein Kameraschwenker bereits ein Kameramann? Wie wird seine (beitragspflichtige) Arbeit z.B eingestuft, wenn er keine gestalterische Leistung erbringt, wie etwa bei der Übertragung eines Vortragsredners auf eine Leinwand oder die Aufnahme eines Operationsfeldes, unter der Voraussetzung er hat exakt den Bildausschnitt zu wählen, den der Regisseur ihm vorgibt.

Ist ein Übersetzer ein Künstler nach der Definition der KSK? Um mit Radio Eriwan zu sprechen: es kommt drauf an.

Der Kunde einer solche Leistung ist hier schlicht überfordert. Es kann nicht sein, dass ein kleiner Edeka Händler mit einer Strafe von 50.000,-- € bedroht wird, wenn er sich noch nicht einmal bewußt ist, dass er u.U. für die Erstellung eines Handzettels KSK-Abgabe bezahlen muß.

Die KSK betreibt Rasterfahndung nach vermeindlichen Beitragszahlern, indem sie über Stichwortsuche in Google "Beitragssünder" sucht und mit ihrer "Kundenkartei" abgleicht. Jeder, der eine Website betreibt, gerät in´s Fadenkreuz.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen die soziale Absicherung von Künstlern. Aber 1. müßten unter diesem Aspekt alle Freiberufler erfasst werden (Architekten, Ingenieure etc.) und 2. benötigt man dazu keine unnütze Behörde wie die KSK.

Thomas M. Ruthemann Thomas M. Ruthemann PremiumModerator

Dirk Klostermann schrieb:
> Thomas M. Ruthemann schrieb:
> > Ich verstehe so gar nicht, warum immer so ein Theater um die
> > KSK-Abgaben gemacht werden. Die Tatsache, dass die KSK jahrelang eher
> > ein lauer Wind statt eines Sturms beim Eintreiben ihrer Forderungen
> > war, heißt doch noch lange nicht, dass das jetzt alles Teufelswerk
> > ist.
> >
> > Die Schuld ist doch eher bei den beratenden Berufen zu sehen, die
> > ihre Mandanten in der Hinsicht jahrelang schlicht nicht informiert
> > und damit letztlich diese Abgabe ignoriert haben.
> >
> Ich gebe Ihnen Recht, wenn Sie Steuerberater meinen. Fragen Sie
> Steuerberater nach der KSK, dann werden Sie oft mit einem
> Achselzucken beschieden. Viele Steuerberater sind der Ansicht, dass
> ein Hinweis im monatlichen Mitteilungsblatt an den Mandanten reicht.
> Das geht natürlich nicht.

Meine These ist, dass wenn die StB hier generell besser gearbeitet hätten wir diese Situation gar nicht hätten. Denn dann wäre die Situation der KSK eine andere und sie müsste überhaupt zu diesen Methoden greifen. Denke, so wird ein Schuh draus.

Dirk Klostermann Dirk Klostermann PremiumModerator

Roland Gänßler schrieb:
> Äh, Ingenieure Künstler?????
>
> Das erscheint mir aber etwas sehr weit hergeholt.
Da haben Sie mich falsch verstanden. Meine Meinung: wenn man freiberufliche Künstler sozialversichert, warum sollte das nicht auch für andere Freiberufler gelten? Die Problemstellung ist die gleiche. Ich verstehe nicht, warum nicht auch Freiberufler anderer (nichtkünstlerischer) Berufsarten sozialversicherungspflichtig sind. Da Versicherungssysteme eine Solidargemeinschaft sind, sollten sie für alle Erwerbstätigen gelten. Die Schweiz ist ein gutes Beispiel.

Tobias Linne Tobias Linne Moderator

Hallo,
bei der KSK geht es nicht nur um die Solidargemeinschaft.
Das Prinzip dahinter ist ja, dass Künstler bzw. künstlerische Arbeit vom Staat unterstützt werden.

Das wird, glaube ich, gerne auch vergessen!

Beste Grüße

TL