Michael Kohl Michael Kohl Moderator

Bewegungsprobleme

Folgender Text hat mich vor wenigen Tagen via Web erreicht:

Zitat:
"hallo ich habe mal eine frage an euch. wenn ich mit meinen border nelly spazieren gehe, nach ca.1,5km und ein wenig spielen dabei. bricht er mit der hüfte zusammen auch mit den vorderpfoten stampft er ganz komisch auf er legt sich dann immer hin macht ne pause und kommt mir dann wieder nachgerannt. aber dann geht das alles wieder von vorn los. würmer hat er nicht. oder ist mit 7monaten die beanspruchung zu groß für nen border? vieleicht können sie mich mal anrufen und wir können mal nen schwatz machen. 0127/............oder sie schicken mir mal ihre tel. nummer. vielen dank erst mal . "
Zitat Ende

Eine sehr bedenkliche Beschreibung eines Zustandes, den ich leider nun schon öfters gehört habe.

Dazu passt ein Anruf, den ich gestern von der erst 13jährigen Besitzerin eines Border Collies erhielt, die von Vereinskollegen zum Agility-Training mit ihrem Hund eingeladen wurde und die wissen wollte,ob das schon richtig sei - die Götter mögen sie belohnen für diese vernünftige Reaktion! Ihr Hund ist grade mal 5 Monate. Und man sagte ihr, das sei ja ein Border Collie, die fangen so früh an...

Fabel Belastbarkeit

In vielen Foren stehen über den Border Collie tatsächlich regelrechte Fabeln. Mehr oder weniger kluge Leute erfuhren durch "wasweissichwoher", ein Border müsse täglich Training haben, müsse tagtäglich stundenlang bewegt werden und ist überhaupt ein Unikum an Kondition, Bewegungsdrang und Ausdauer.

Nun, das mag möglicherweise für manche erwachsene Hunde aus echten, also noch selektiv gezüchteten Arbeitslinien gelten, die auf hohe körperliche und geistige Leistung ausgerichtet sein müssen und dementsprechend speziell verpaart wurden.

Der "Otto-Normalverbraucher" wär mit so einem Hund sowieso überfordert, würde er ihn überhaupt bekommen - den solche Züchter selektieren auch die zukünftigen Besitzer.

Ein Border Collie aus einer unselektiven Zucht wird aber laut Vererbungslehre hinischtlich seiner Leistungsfähigkeit mit einem hohen Prozentsatz auch ein ganz normaler Durchschnittshund sein können.
Und für ihn gelten dann auch die gleichen Belastungsgrenzen, auch was die Stressbarkeit betrifft.

Ungeachtet dessen gelten für junge Hunde sowieso ganz enge Grenzen, ganz gleich, wie belastbar er später sein wird.

Grundsätzlich gilt die einfache Faustregel: in den ersten 18 Monaten werden pro Monat Lebensalter fünf Minuten Spaziergang als Richtwert genommen.
Mit 7 Monaten also 35 Minuten GEHEN. Wenn ein Hund nun bespielt wird, also viel läuft, verringert sich das um mindestens ein Drittel!

Beherzigt man das nicht, kann das in vielen Fällen zu fatalen Folgen führen - einige sieht man gleich, manchmal aber auch erst wenn der Hund schon 2-3 Jahre alt oder älter ist.

Folgen können unter anderem Schädigungen der Hüfte, des Beckenbodens, der Schulter, der Handwurzeln, der Ellenbogen oder generell des Bewegungsapparates mit seine Bändern und Sehnen sein. Bei Tieren, die eine genetische Disposition zu ED haben wird diese durch die Belastung überhaupt erst akut, kann unentdeckt bleiben und mit FCP enden, d.h. dass Absplitterungen eines disponierten Teils im Ellenbogen erfolgen. Wird dies nicht bemerkt und das ist leider häufig der Fall, wird erst durch die endgültige Schädigung des Gelenkes und die damit verbundene auftretende Lahmheit eines oder beider Beine der Besitzer auf diesen Umstand aufmerksam - dass kann sogar erst nach 2 Jahren sein.

Die oben beschriebenen, schon höchst bedenklichen Symptome können durchaus auch auf eine Erkrankung des Bewegungsapparates durch zu frühe und zu starke Belastung hinweisen.
Selbstverständlich können auch andere Faktoren die Ursache sein, dies kann auf Entfernung schwer beurteilt werden.

Mir ist es jedoch ein Anliegen, zumindest dem interessierten Leser dieser Foren und möglicherweise Besitzer eines jungen Tieres dazu anzuregen, sich Gedanken darüber zu machen, inwiefern sein Tier vieleicht auch lieber noch etwas mehr geschont sein sollte.

Mit hundesportlichen Grüßen

Michael

Ute Weiss Ute Weiss Premium

Vor einigen Jahren habe ich in Neuseeland auf einer sheep station gearbeitet.
Die Arbeitshunde (10 an der Zahl), Border Collies, waren mit Leinen an ihren Hundehütten angebunden und kamen nicht jeden Tag zum Arbeitseinsatz.
Ich hatte nicht den Eindruck als seien sie unglücklich (wiewohl ich meine Hunde nie so halten würde!) und wenn sie arbeiteten, dann so perfekt und ausdauernd - unglaublich.
Der Mythos, dass der Border jeden Tag bis zum Abwinken rennen muss, ist weit verbreitet.
Viel wichtiger sind klare Regeln, etwas Training (kleine Suchspielchen sind sehr effektiv und ermüden mehr als 2 Stunden durch den Wald gerenne) und natürlich lieben sie ausgedehnte Wanderungen (doch nicht jeden Tag), Fahrradtouren (doch nicht jeden Tag 50 km), Skilanglauf Touren (doch nicht jeden Tag).
Besonders junge Hunde werden sehr schnell überfordert. Außerdem tut Border Ruhe gut. Ausgeglichenheit. Wenn sie immer nur gepuscht und gepuscht werden, drehen sie völlig durch.
Habe Border gesehen, die stundenlang das Bällchen apportiert haben, stereotyp wie ein Roboter.
Der Besitzer meinte, das wäre immer so, der Hund hätte keine Ruhe. Das fand ich schrecklich. Hätte mein Border Rüde (1 1/2 Jahre alt) immer freien Zugang zu Spielsachen, dann käme er auch nicht zur Ruhe.

Gruß Ute