Stefan Bauer Stefan Bauer PremiumModerator

Gerüchte um TYPO3 Versionen 4.7, 5.0, 6.0

auf der soeben zuende gegangenen T3Board12 in Laax gab es neben viel Fun auch eine wirklich wichtige Information zu den bevorstehenden Versionen. So wie es scheint, wird es bald eine Version 6.0 geben. Nähere Details sind auf einem Blogpost von Xavier Perseguers erschienen: http://buzz.typo3.org/people/xavier-perseguers/article/typo3-60-at-the-corner-how-is-it-possible/
Ingo Renner Ingo Renner
Kurz mal ein paar kleine Richtigstellungen... Es ist kein Gerücht, und der Blog ist nicht offiziell. Aber sonst ja, es wird 6.0 geben, die 5.0 wird aus genannten Gründen übersprungen. Viele Grüße Ingo
Thomas Skierlo Thomas Skierlo
Hallo zusammen, als ich Mitte 2009 begann, mich mit TYPO3 näher zu beschäftigen, war ich eigentlich auf der Suche nach einem Content Delivery Framework bzw. einer semantischen DB. Für ein neues Produkt, nennen wir es mal TYPO3 5.0, wurde dieses angekündigt, als integraler Teil eines neuen Frameworks namens FLOW3. Teile davon existierten bereits und erste Tests gefielen mir. Da es noch keinerlei Vorab-Version von TYPO3 V.5 gab – und TYPO3 für mich Neuland war, entschied ich mich für intensive Einarbeitung in die damalige Release (ich denke, es war 4.1). Die Entscheidung für den Einstieg in die „alte“ Version wurde durch das sogenannte „Berliner Manifest“ begünstigt, welches einen komfortablen Migrationspfad von 4.x → 5.0 versprach. Man lernt somit zwar alte Technologien, aber die neuen kommen Zug um Zug dazu, mit erträglicher Lernkurve. Ich denke, unter diesem Aspekt haben viele Integratoren das Berliner Manifest gelesen. Da macht man sich tatsächlich Gedanken, ein in die Jahre gekommenes Altprodukt sanft in ein komplett Neues zu überführen, das ist sehr lobenswert. Als Programmierer hatte ich Zweifel, die während der Zeit meiner Einarbeitung in TYPO3, bedingt durch stetig wachsende Einblicke, wuchsen. Mit meinen (sehr vereinfachten) Worten: TYPO3 V. 4 und V.5 sind zwar grundverschieden, aber migrierbar. Es gibt kein geeignetes PHP Framework, also wird eines entwickelt. Die Templating Engines von TYPO3 V.4 sind nicht zeitgemäß, marktübliche nicht geeignet. Also wird eine neue entwickelt. Ein quelloffenes JS-Framework wird auch noch eingebaut – zum Glück nicht auch noch selbst entwickelt. Mit Verlaub: Das ist ein großer Happen. Hätte ich mich 2009, nach dem Lesen des Berliner Manifests und als PHP Entwickler mit Spaß an Erweiterungsprogrammierung, gefragt, ob ich noch eine Erweiterung für TYPO3 4.x entwickeln sollte, so wäre die Antwort wohl „nein“ gewesen. Besser ein Jahr warten und keine Zeit in tote Technologien investieren. Die gleiche Perspektive mag auch jeder Betreuer existenter Erweiterungen einnehmen. Eine Weiterentwicklung, abgesehen von Bugfixes und Anpassungen für die jeweils neue V. 4.x, scheint unsinnig. Zusätzlich muss zur Release von 5.0 (oder wie auch immer sie heißen mag) auch eine funktional vergleichbare Erweiterung existieren, sonst wäre 5.0 eine Totgeburt (kein CMS ohne News und URL-Management). Jetzt haben wir 2012, weiterhin ohne 5.0, dafür aber vielleicht bald mit 6.0. Und welches Stadium hat mittlerweile 4.x eingenommen? Ohne in die Diskussion um den Artikel von Xavier Perseguers eingreifen zu wollen: Der Artikel und auch seine Botschaft ist stimmig – aber leider auch viele der oft verherenden Kommentare. Ein Interessenschwund an TYPO3 scheint spürbar, inklusive Länderschwund. Ein, zugegebenermaßen nicht sehr tief im Thema steckender Interessent, konterte unlängst meinen Versuch, ihm eine Lösung auf Basis TYPO3 schmackhaft zu machen mit dem Satz. „Ich will keine Dead Cow, alle anderen empfehlen mir Joomla“. Dies mag ich aber nicht erlernen, denn das können schon genug. Ich denke: 1) Eine Aussage zur sanften Migration von TYPO3 4 → 5 war 2009 für das Produkt TYPO3 überlebensnotwendig, denn ohne diese Aussage und angesichts einer zu erwartenden langen Entwicklungsdauer, wären alle (kommerziell denkenden) Integratoren bereits vorher verschwunden. War politisch notwendig. Gut so. 2) Der Versuch, zwei Welten mit komplett unterschiedlichen Paradigmen sanft zu migrieren wird m.E. 10 mal mehr Energie und Ressourcen verbrauchen, als der harte Schnitt. Dies betrifft sowohl die Core Entwickler, die Extension Entwickler und nicht zuletzt die Integratoren, die lieber in 3 Jahren alles neu lernen als täglich mit Nickeligkeiten zu kämpfen. Der Versuch, neue Technologien sanft einzuführen, ohne alte dabei lahm zu legen führt an allen Fronten zu täglichen Katastrophen, denn es klappt einfach nicht – oder es wird nicht dokumentiert. 4.6 erfordert das Caching Framework, aber man googelt sich die Finger blutig für sachdienliche Hinweise dazu. RealUrl macht plötzlich Schmökes, Seiten werden nicht mehr gecached – wohlgemerkt, Seiten die dies jahrelang anstandslos mit sich machen ließen. 3) Die Angst vor einem Update/Upgrade von Produktivsystemen steigt genauso immens wie der Aufwand, diesen auch tatsächlich durchzuführen. Und die Einschläge kommen häufiger als noch vor einem Jahr. Stetig neue Problemchen zu lösen mag vereinzelt Spaß machen, fällt aber umso schwerer, je mehr man vom Produkt auch leben will oder gar muss. 4) Wenn man sich für den harten Schnitt entscheidet, fällt es wesentlich leichter, Tools zur Datenmigration zu schaffen. Die zählt fast so viel wie eine vollautomatische Paradigmenmigration, die es nie geben kann. 5) So wie es derzeit ist, kann es nicht bleiben. Ich denke, derzeit leidet das Gesamtgefüge TYPO3 an Überambitioniertheit. Am Markt hat das Produkt TYPO3 längst Schaden genommen, und ich empfände es als tragisch, wenn sich dieses fortsetzen würde, denn ich glaube an das derzeitige TYPO3 und hoffe auf das neue. Marktanteile gehen i.d.R. aus zwei Gründen verlustig: Funktionen (Extensions) stehen nicht wie vom Markt gefordert zur Verfügung oder Integratoren betrachten den Aufwand, ein Produkt gepflegt zu halten, als zu groß, verlieren darauf hin den Anschluss und gründen eine Joomla Agentur (substituiert Joomla durch den Platzhirsch des Augenblicks). Für TYPO3 gilt leider zunehmend beides. Seit 2009 hat es keine Bewegung in der Top-Extension Liste gegeben, weil einfach keine neue Top-Extension mehr erstellt wurde. Warum auch, man wartet auf 5.0 (oder 6.0). Ich glaube, die Worte von Herrn Benecke beschreiben eine tatsächliche Situation (das was Google zeigt ist auch gefühlt stimmig). Ich denke, das wird auch im Core Team ähnlich wahr genommen werden. Gründe für einen Popularitätsschwund kann ich persönlich nachvollziehen. Mein täglicher Aufwand mit (plötzlichen) Inkompatibilitäten ist eigentlich wirtschaftlich nicht mehr vertretbar. TYPO3 war mal ein Volkswagen, der ein Porsche werden wollte. Der Porsche wird noch gebaut, und der Volkswagen ist weiterhin ein solides Auto – nur keiner mag mehr Reifen dafür herstellen. Oder vorhandene Reifen runderneuern. Über dieses Phänomen eingefrorener Extensions hatte ich bereits vor etwa einem Jahr geschrieben – dies allerdings noch in Ermangelung des aktuellen Big Picture. Mir war zu dem Zeitpunkt auch noch nicht bewusst, durch welche Hölle Extension-Entwickler/Betreuer derzeit gehen müssen, um alte Extensions am Leben zu erhalten. Nicht allen gelingt das, und so verabschiedet sich Funktion um Funktion, und die Spirale des Marktes dreht sich weiter. Vielleicht braucht die weitere Entwicklung auch erst mal eine Pause. Zum Luft holen und Garbage Collecten, und Nachführen der wesentlich (mission critical) Extensions. Ich würde es mir wünschen, denn seit 4.5.9 verweigert RealUrl den korrekten Zugriff auf das chash. Die hochgradig kryptischen Release Notes zur 4.6 lesen sich auch nicht gerade vertrauensbildend. Ich kann Sorge also verstehen, weil ich sie teile. Viele Grüße, Thomas Skierlo
Peter Pröll Peter Pröll PremiumModerator
Hallo Herr Schreiber,
> >Hier >werden viele Leute verprellt, die an eine Extbase basierte Brücke von >4 zu 5 geglaubt und dort Arbeit und Zeit investiert haben. Stehen wir >hier gewissermaßen vor einem reformatorischen Krieg in der TYPO3 >Gemeinde und müssen wir uns irgendwann zwischen katholisch und >evangelisch entscheiden?
Ich höre das jetzt zum wiederholten Male als Gerücht und kann mir nicht erklären, woher das abzuleiten ist. Es besteht kein Plan, dass Extbase nicht mehr Brückentechnologie sein soll. Richtig ist: der TYPO3 V4/v6-Zweig wird kontinuierlich weiterentwickelt und mit mehr Elan und Möglichkeiten, als das geplant war. Parallel dazu gibt es die FLOW3/Phoenix-Entwicklung mit einem geplanten 1.0-Release noch dieses Jahr. Extbase ist die Brückentechnologie, um von einer Welt in die nächste zu gelangen, so werden Extensions, die Sie jetzt schreiben, mit minimalem Aufwand fit für Phoenix und die FLOW3-Welt. Für den Übergang bleibt nun mehr Zeit als ursprünglich geplant, das ist sinnvoll, denn ein Phoenix wird nicht von Anfang an den Funktionsumfang bieten können, den v4/v6 aktuell vorzuweisen hat. Es muss nach der "Geburt" erst noch heranwachsen, um mithalten zu können. Wer sollte nun verprellt sein, wo es doch nur Positives zu berichten gibt? ;-) Fröhliche Grüße Peter Pröll
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Es ist doch erstaunlich, wie viel Wirbel um die Benennung einer Technologie gemacht werden kann... als ich den Blog-Beitrag zur "Blockade" der Major revision number durch die Gleichsetzung von Phönix und 5.0 gelesen habe, war meine erste Reaktion ein "yopp, stimmt". Die Entscheidung, für Phönix zunächst mal ein komplett neues Framework mit neuen Konzepten und einer neuen Template-Enginge zu entwickeln, war richtig, führt aber auch zu einem gewaltigen "Vorlauf" in Bezug auf ein "neues" TYPO3 Phönix. Das hier in Jahren gemessen wird und nicht in Monaten war logisch, und die Entscheidung, v4 als "tot" zu erachten, weil es einen vagen Plan gibt, in einigen Jahren ein Refactoring von TYPO3 verfügbar zu haben, lässt sich wohl nur vor dem Hintergrund einer "neuer ist geiler"-Geisteshaltung erklären. Eher unglücklich war es im Rückblick, für ein vom Grundsatz her völlig neues Produkt eine alte Versionsnummern-Politik fortzuführen, nur um zu verdeutlichen, dass das Neue aus dem Älteren hervorgegangen ist und seeeehr langfristig ein Ersatz dafür werden soll. Hier war die Community von ExtJS schlauer, die nach einer grundlegenden Änderung/Erweiterung der Basis dem Kind dann auch gleich den neuen Namen "Sencha" gegeben haben. TYPO3 4.x ist ein ausgereiftes, stabiles und zuverlässiges Produkt, welches ungeachtet Phönix' noch über Jahre weiterentwickelt werden wird und eine riesige Support-Community sowie einen relativ breiten Entwicklerstamm besitzt. Daran ändert auch die Arbeit an Phönix nichts. Das in einem komplexen System mit zahlreichen externen "Projekten" (Extensions) immer wieder Fehler im Zusammenspiel der Komponenten auftauchen können und werden ist eben so, und kein Problem, welches nur TYPO3 im Besonderen beträfe - ich durfte gerade erst einen durch ein Update von GIT entstandenen Fehler zwischen GIT und Samba fixen... Nach meiner Erfahrung ist TYPO3, insbesondere in der "LTS"-Version 4.5, nach wie vor gefragt bei den Kunden und für viele Projekte auch mit die beste Lösung. Einen Umstieg auf Phönix sehe ich da eher im Rahmen eines ohnehin turnusmäßig nach einigen Jahren anstehenden Relaunchs, weniger im Rahmen einer normalen Produktbetreuung über die geplante Lebensdauer einer v4-Seite. Ob die nächste TYPO3-Version dann 4.19.0 heisst oder 6.0 ist eine Frage der Benennung, nicht der Upgrade-Politik. Phönix wird immer ein eigenständiges Produkt sein und nie ein "neue Versionsnummer"-Nachfolger des "alten" TYPO3 - auch wenn es "TYPO3 5.0" heissen würde. Ein neuer Name für Phönix und ein Fortführen der Versionsnummern des "alten" TYPO3-Systems nach normalen Versionierungsstandards ist das ehrlichste, auch für Kunden nachvollziehbarste und somit beste, was man machen kann. Und wenn den Leuten (erst) dadurch klar wird, dass Phönix eine komplette Neu-Inkarnation des TYPO3-Geistes ist und nicht "nur" ein Update, ist das nochmal ein Zusatznutzen.