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Jugendherbergen locken Familien mit Extra-Angeboten

Quelle: Die Welt - 1. März 2012

Die Schülerzahlen gehen zurück. Deshalb umwerben Jugendherbergen inzwischen aktiv Familien als neue Zielgruppe und richten eigens Programme für sie aus.

Jugendherbergen hatten lange das Image, lediglich Schlafplätze für lärmende Schulklassen zu sein: Zimmer mit zehn Betten, Pfefferminztee zum Frühstück, Dusche auf dem Flur. Urlaub hört sich anders an. Aber die Zeiten haben sich geändert. Neue Angebote locken nun auch vermehrt Familien in die Herbergen. "Der Anteil steigt von Jahr zu Jahr“, sagt Knut Dinter, Sprecher des Deutschen Jugendherbergswerkes (DJH). Heute entfallen knapp ein Fünftel aller Übernachtungen auf Familien.

Freilich kommen Jugendherbergen nicht für jede Familie infrage, denn Abstriche beim Komfort sind unausweichlich: "Man hat oft wenig Platz für Koffer und Kleidung, nur einen Spind, in den nicht viel reinpasst“, sagt Torsten Kirstges, Professor an der Jade-Hochschule Wilhelmshaven. "Oft gibt es Doppelstock-, statt Doppelbetten, sodass die Eltern übereinander schlafen müssen.“ Zudem sei nur ein Teil der Zimmer mit WC und Dusche ausgestattet.

DJH-Sprecher Dinter bestätigt das, verweist aber zugleich darauf, dass die Jugendherbergen derzeit viel Geld in die Sanierung steckten. Und das gerade mit Blick auf die Familien, die für die Häuser immer wichtiger würden, seit die Schülerzahlen zurückgingen und Klassenfahrten nicht mehr selbstverständlich seien.

Das kann Kerstin Krause bestätigen. Sie leitet zusammen mit ihrem Mann Ronald seit 27 Jahren die Jugendherberge "Waldkater“ in Thale im Ostharz. "Als wir angefangen haben, kamen vor allem Schüler und Studenten“, erzählt sie. Doch mit der Wende 1990 seien die Schülerzahlen zurückgegangen.

Inzwischen verzeichne das Haus einen ungewöhnlich hohen Familienanteil. Krause: "2011 waren es zum ersten Mal mehr Familien als Schulklassen.“ Und der Trend setze sich fort. Das sei wie ein Schneeballsystem, wenn es einer Familie gefalle, würden es bald zwei weitere im Bekanntenkreis erfahren, die dann auch nach Thale kämen.

Die Jugendherberge mit fast 200 Betten zählt sogar etliche Familien zu ihren Stammgästen. Warum das so ist, begründet Kerstin Krause mit wenigen Worten: "Man kann das Auto hier ruhig stehen lassen und trotzdem viel unternehmen.“ Es gebe ein "Bauspielhaus“ mit Riesenrutsche und Kletterkegel, für Mountainbiker eine Downhillstrecke, und bei schlechtem Wetter gehe es in die nahe gelegene Therme.

Zudem könnten die Familien Pauschalpakete mit kindgerechtem Programm buchen. Kino gehört genauso dazu wie Minigolfspielen, Spieleabende oder eine Sagenwanderung mit einer "Hexe“ als Führerin. Selbst eine Kinderanimateurin ist in der Jugendherberge beschäftigt.

Vollständiger Artikel unter:
http://www.welt.de/reise/nah/article13895569/Jugendherbergen-locken-Familien-mit-Extra-Angeboten.html