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Nach dem Staatsausstieg - Rosige Zeiten für Commerzbank

Die Commerzbank erwartet für 2011 eine "signifikante" Gewinnsteigerung. Auf der Hauptversammlung stimmen die Aktionäre über die Kapitalmaßnahmen ab, mit deren Hilfe sich die Commerzbank vom Staatstropf befreien will.

Die Commerzbank verspricht ihren Aktionären nach dem unmittelbar bevorstehenden weitgehenden Ausstieg des Staates rosige Zeiten. Schon in diesem Jahr soll der operative Gewinn "signifikant" höher ausfallen als die 1,4 Mrd. Euro von 2010, für das kommende Jahr stellte Finanzvorstand Eric Strutz erneut einen Betriebsgewinn von vier Mrd. Euro in Aussicht. "Wir werden uns aber nicht mit dem Erreichen der 'Roadmap'-Ziele zufrieden geben. Im Gegenteil: Wir wollen unser Ergebnis weiter deutlich steigern", sagte er vor der Hauptversammlung in Frankfurt.

Die Aktionäre sollen über die Kapitalmaßnahmen abstimmen, mit denen die Commerzbank bis Ende Juni 14,3 Mrd. der 16,2 Mrd. Euro an Stillen Einlagen zurückzahlen will, mit denen sie der Staat in der Finanzkrise gerettet hat. Die restlichen 1,9 Mrd. Euro sollen bis 2014 folgen. Auch nach der für Ende Mai geplanten Kapitalerhöhung bleibt der Bankenrettungsfonds SoFFin aber noch bis mindestens Ende des Jahres mit 25 Prozent plus einer Aktie an der Bank beteiligt. Die nötigen Mehrheiten auf der Hauptversammlung hat Vorstandschef Martin Blessing dank der Großaktionäre SoFFin und Allianz praktisch sicher.

Insgesamt will die Bank bis Anfang Juni 8,25 Mrd. Euro bei ihren Aktionären einsammeln, 4,3 Mrd. Euro davon hat sie bereits jetzt in der Tasche. Sie werden schon kurz nach der Hauptversammlung an den SoFFin ausgeschüttet - ebenso wie eine Milliarde Euro Kapital, auf das Strutz wegen des gesunkenen Risikos in der Bilanz nach eigenen Angaben verzichten kann. Die harte Kernkapitalquote nach den künftigen Standards, die Ende März mit Staatshilfe bei 11,0 Prozent lag, wäre auch nach der Rückzahlung mit neun Prozent noch höher als die acht Prozent, die Strutz künftig noch zu brauchen glaubt.

Spanien belastet Eurohypo

Im ersten Quartal schrieb die Commerzbank nur noch in ihrer Sorgen-Sparte, dem Immobilien- und Schiffsfinanzierungsgeschäft, rote Zahlen. Der operative Verlust dort stieg auf 138 Mio. Euro von 85 Mio. im Vorjahreszeitraum, nicht zuletzt wegen der zum Verkauf stehenden Immobilientochter Eurohypo. An den internationalen Immobilienmärkten sei noch immer keine nachhaltige Erholung zu erkennen, hieß es. Vor allem in Spanien hat die Tochter viele faule Kredite für Gewerbeimmobilien in den Büchern.

Im Privatkundengeschäft hat die Commerzbank dagegen mit 116 Mio. Euro schon im ersten Quartal mehr verdient als im gesamten Vorjahr. Über Ostern war die Fusion mit der Dresdner Bank nach fast drei Jahren auch technisch abgeschlossen worden. "Unser Fokus liegt nun darauf, die mit der Integration einhergehenden Synergien zu realisieren und unsere Kosten weiter zu senken", kündigte Strutz an. Bis 2014 soll das wie geplant 2,4 Mrd. Euro bringen.

Im Konzern stand ein Nettogewinn von einer Milliarde Euro zu Buche. Ohne die 358 Mio. Euro, die der Bank im Januar aus dem Tausch von Hybridpapieren in Aktien zugeflossen waren, hätte er jedoch unter den 716 Mio. Euro aus dem Vorjahr gelegen. Die Bank profitierte von einer Halbierung der Risikovorsorge, während das Handelsergebnis deutlich zurückging. Strutz sagte, der positive Trend des ersten Quartals habe im April angehalten.

Quelle: http://www.ntv.de; URL: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Rosige-Zeiten-fuer-Commerzbank-article3266931.html; vom 06.05.2011