Ralf Hilgenstock Ralf Hilgenstock PremiumModerator

NetGen - eine Schimäre?

In allen möglichen Publikationen ist immer wieder von den überragenden Netzkenntnissen der Net-Generation die Rede. Gemeint ist die Generation derjenigen, die mit der Nutzung des Internet groß geworden sei. Dazu heißt es immer wieder: - sie gingen selbstverständlich mit dem Netz als Arbeitsinstrument um, - nutzten alle eigene Blogs, - seien alle in Online-Netzwerken aktiv - .... Ich möchte einfach mal die Frage in die Runde werfen: Ist das wirklich so? Ist die Generation der heute 16-30 jährigen wirklich so mit dem Netz vertraut? Ist das Netz für sie wirklich nicht nur ein Informationsort, sondern auch ein Arbeits- und Kommunikationsort. Unbestritten ist, dass diese Generation intensiver das Netz nutzt als andere Altersgruppen. Andererseits ... meine Erfahrung zeigt, dass man noch lange nicht davon reden kann, dass die NetGen vollständig oder in großer Breite das Netz nutzt. Ein paar Bspe: Berufsschule (also genau die 16-20 jährigen) Was Blogs sind,weiß kaum jemand. Das Einloggen und der Umgang mit einem Passwort muss geübt werden. Flickr und Co sindnicht bekannt. Hochschule (also genau die 18-24 jährigen) Eine Lehrveranstaltung muss nach der zweiten Veranstaltung erst mal unterbrochen werden, da das Einloggen und Herunterladen von Dokumenten vom BSCW Server trotz schriftlicher Anleitung über der Hälfte der Studenten nicht möglich war. Der Hochschulsupport klagt über die studentischen Probleme den Mailaccount der Hochschule zu nutzen. Strassenumfrage: was hältst Du vom Web 2.0? Überwiegende Antwort unter jungen Leuten: Keine Ahnung was das sein soll. Müssen wir also davon reden, NetGen meint nur: diese Generation arbeitet öfter mit dem Netz als andere. Was aber nicht meint, sie sei mit dem Netz 'verheiratet' und die Nutzung der Werkzeuge des Web 2.0 sei selbstverständlich.
Ralf Hilgenstock Ralf Hilgenstock PremiumModerator
Vielen Dank, Ihre Aussagen stimmen mit meinen Beobachtungen überein. Stehen die Ergebnisse Ihrer Befragung irgendwo zur Verfügung? Wenn dem so ist, dann würde das im Gegenzug bedeuten, dass ein guter Teil des Hype, der rund um Web 2.0 Anwendungen gemacht wird, eher technologiegetrieben, als anwenderindiziert ist. Dies wiederum bedeutet für mich nicht, dass Web 2.0 - Konzepte unangebracht sind. Aus der pädagogisch-didaktischen Perpektive ist die Aktivierung der Anwender sehr wichtig und ein zentraler Schritt zu neuen Lernkonzepten. Ralf Hilgenstock
Tobias Hagedorn Tobias Hagedorn
Das ist eine interessante Fragestellung. Aber das ist wohl so ähnlich wie die Generation Golf (zu der ich wohl so eben auch noch gehöre) da hat ja auch nicht jeder einen VW gefahren. Was meiner Meinung diese Generation auszeichnet ist vielmehr, der selbstverständliche umgang mit der digitalen Welt. Früher war es bei Geräten so, dass man einen Knopf für eine Funktion hatte, heutzutage hat man teilweise nur einen Knopf für alle Funktionen. Um heutzutage ein Gerät bedienen zu können muss man in Menüs denken. Wenn man das einmal gelernt hat, ist es leicht jegliche komplexe Systeme schnell zu erschließen. Somit ist einfach der Zugang zum Forum, Blog oder Youtube leichter und daher näherliegend. Haben Sie denn auch nach der Nutzung der "üblichen" Sozialnetzwerke wie StudVZ, Xing, Facebook, myspace, usw. gefragt?
Tobias Hagedorn Tobias Hagedorn
Ich habs direkt mal gelesen... sehr interessant... kann man auch den Fragebogen noch sehen? (rein interessehalber)
Elisabeth Schallhart Elisabeth Schallhart
Ich finde auch, dass der Begriff der Net - Generation äußerst vorsichtig zu gebrauchen ist. Der Umgang mit digitalen Medien wird zwar zu einem festen Bestandteil kindlicher Lebensumwelten, trotzdem ist dadurch nicht garantiert dass die Kompetenzen im Umgang mit Medien soweit ausgereift sind, um die Kinder und Jugendlichen als Net-Kids usw. zu bezeichnen. Auch ich erkenne im Alltag immer wieder, dass Jugendliche das Internet zwar nützen, aber über das Ausmaß der Angebote an Social Software - Produkten und Vernetzungmöglichkeiten wenig bescheid wissen und diese Angebote nicht regelmäßig wahrnehmen. Vielen von ihnen ist nicht bewusst, dass sie durch ihre Partizipation im Netz zu Mitgestaltern und Produzenten werden. Hier muss im Bildungsbereich einiges verändert werden, um dieses Bewusstsein zu stärken und so auch die Teilnahme und Mitwirkung im Netz zu unterstüzen. Herzliche Grüße, Elisabeth