Altenpflege
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Carmen P. Baake Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^9: Pflegekräfte und Controlling
Hallo Herr Dempwolf,
das ist ja schön, dass wir zwei uns mal wieder gut verstehen.
Das Thema Gängelei von Pflegekräften macht mir besonders in der ambulanten Pflege Sorgen. Wahrscheinlich, weil ich mich auf die Beratung ambulanter Dienste spezialisiert habe. Das Thema spielt bestimmt auch in der stationären Pflege eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Aus der ambulanten Pflege kenne ich Fälle, in denen den Pflegekräften pro Leistung eine feste Zeit vorgegeben wird, also zum Beispiel für die kleine Morgentoilette x-Minuten. Solche festen Zeitvorgaben führen aber aus meiner Sicht nicht zu einer höheren Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung und sind für die Qualität der Leistungserbringung eher kontraproduktiv.
Nehmen wir mal an, die Pflegekraft fährt zu Patient A. Er hat heute einen ausgesprochen guten Tag und die kleine Morgentoilette geht schneller als erwartet. Die Pflegekraft nutzt die verbleibenden 5 Minuten bis zum Erreichen der festen Zeitvorgabe x, um mit dem Patienten ein wenig zu schwatzen und schnell einen Kaffee zu trinken. Ist das wirtschaftlich?
Danach fährt die Pflegekraft zu Patientin B. Sie ist heute etwas aufgeregt, weil ihr Sohn zu Besuch kommt. Die kleine Morgentoilette dauert und dauert. Die Pflegekraft wird nervös, die Zeit läuft ihr davon und sie beginnt, an der Patientin herum zu zerren, damit es schneller geht. Es nutzt nichts, sie schafft es nicht die Zeitvorgabe einzuhalten. Ist das die richtige Pflegequalität?
Aus diesem Grund habe ich auch etwas gegen die Verwendung des Begriffes der Lohn-Stück-Kosten in der Pflege. Das in der Industrie am Fließband produzierte Stück hat eben keine guten und keine schlechten Tage, die haben nur die Arbeiter, die am Fließband stehen (Stichwort: Montagsauto).
Damit will ich aber nicht sagen, dass es für Leistungen in der Pflege keine Zeitvorgaben geben sollte. Die Vorgabe durchschnittlicher Zeiten halte ich für sinnvoll. Die Betonung liegt hier aber auf Durchschnitt. Den Pflegekräften muss bewußt sein, dass sie beim einzelnen Patienten, dem Bedarf entsprechend auch mehr oder weniger Zeit aufwenden können. Ihnen muss dann auch klar sein, dass sie den Patienten dann verlassen, wenn sie die Leistungen qualitätsgerecht erbracht haben. Das heißt, sind sie schneller fertig, verlassen sie den Patienten eher und haben so einen Puffer, falls es bei einem Patienten länger dauert.
Auswerten würde ich die Einhaltung der durchschnittlichen Zeitvorgaben monatlich. Sofern sich bei den Auswertungen herausstellt, dass ein Team oder eine Pflegekraft den Durchschnittswert nicht erreicht obwohl alle anderen bei Einhaltung der Qualitätsstandards das schaffen und vielleicht sogar darunter liegen, würde ich weitere Auswertungen machen und ggf. einen Erfahrungsaustausch zwischen den Teams bzw. Pflegekräften mit dem Tenor "Wie schaffen die anderen das Ziel?" initiieren und eventuell über Praxisanleitung oder Pflegevisiten den erfolgreichen Transfer der neuen Kenntnisse in die praktische Arbeit begleiten.
Das aber nur so am Rande.
In meiner Zeit als Führungskraft hatten wir zum Beispiel das Ziel, eine möglichst geringe Zahl von Beschwerden zu bekommen. Ich habe darum den "Fehler des Monats" initiiert. Dabei ging es nicht darum, den einzelnen Mitarbeiter an den Pranger zu stellen. Auf dem für alle sichtbaren Wandboard war lediglich der Fehler beschrieben, die Reaktion des Kunden und der Aufwand, den es verursacht hat, der Beschwerde abzuhelfen. Die Fehler haben manchmal für haltloses Gelächter auf den Fluren gesorgt. Und, obwohl ich schon viele Dinge erlebt hatte, muss ich sagen, dass man manchmal wirklich nicht so dumm denken kann, wie es in Wirklichkeit kommt. Mein Ziel habe ich aber damit erreicht, vergessen hat diese Fehler niemand und die Fehler waren damit aus unserer Arbeit eliminiert.
Ich wünsche ein schönes Wochenende.
Carmen P. Baake
- 06 Jan 2012, 7:51 pm
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Thomas DempwolfThe company name is only visible to registered members.Re^10: Pflegekräfte und Controlling
Hallo Frau Baake,
Sie wissen, dass ich aus der Ambulanten Pflege kommen. So können Sie sich vorstellen, dass mir ihre Beispiele sehr bekannt sind.
Ich stutzte ein wenig als Sie Zeitvorgaben als kontraproduktiv bezeichneten, aber so wie Sie es später ausgeführt haben, kann ich Sie nur bestätigen. Auch wir betrachten die Arbeitszeit nur Tourbezogen und nicht auf den einzelnen Kunden bezogen. Wobei ich regelmäßig Diskussionen zu einzelnen Kunden führe. Weil die durchschnittliche Leistungszeit bei diesen Kunden eben nicht einzuhalten ist.
Auch ich verweise dann auf den gesamten Arbeitstag und die Mischung von Kunden.
Wobei im Controlling selbstverständlich eine kundenbezogene Kostendeckungsrechnung erfolgen sollte. Wenn sich herausstellt, dass ein Kunde grundsätzlich und bei (fast) allen Mitarbeitern nicht kostendeckend ist, sind weitere Überlegungen zu diesem Kunden notwendig. Aber nicht in Form von Druck auf die Pflegekräfte.
Freundliche Grüße
Thomas Dempwolf
- 07 Jan 2012, 10:38 am
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Carmen P. Baake Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^11: Pflegekräfte und Controlling
Hallo Herr Dempwolf,
ich stimme Ihnen zu. Die Kundendeckungsrechnung bzw. Kundenertragsrechnung ist ein wichtiger Bestandteil des Controlling, der leider noch von vielen ambulanten Pflegediensten vernachlässigt wird.
Viele sind der Auffassung, das jeder Kunde sie in betriebswirtschaftlicher Hinsicht weiterbringt. Das ist aber keineswegs so. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass nicht nur die Einnahmen und Ausgaben bezogen auf den einzelnen Kunden ermittelt werden, sondern zum Beispiel auch eventuelle Potentiale in Bezug auf die künftige Inanspruchnahme weiterer Leistungen, seine Preissensibilität etc.
Ich glaube, die Boston Consulting Group hat hierzu eine Analyse entwickelt, die mit einigen Modifikationen auch Anwendung in der ambulanten Pflege finden kann.
Viele Grüße
Carmen P. Baake
PS: Natürlich heißt die Leistung in dem in meinem vorherigen Beitrag enthalten Beispiel "Kleine Körperpflege". Das hatten Sie als Insider sicher schon gedacht :o)
- 07 Jan 2012, 11:11 am
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