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Guten Tag Alle, noch mir Unbekannte,
ich finde es immer ein wenig schwierig, etwas über mich zu sagen, ohne dass ich weiß, wem ichs sage. Was interessiert Sie? Da ich das nicht weiß, erzähle ich Ihnen, was ich selbst interessant finde.
Nach wie vor - seit mehr als 30 Jahren - interessiert mich, erforsche ich und arbeite praktisch an und mit der Thematik "Widerstandsfähigkeit bei Extrembelastung". Ich finde es ausgesprochen bemerkenswert, wie viele Menschen mit den ärgsten Zumutungen des Lebens klarkommen. Und ich habe mich immer wieder gefragt, was die Bedingungen dafür sind. Denn andere wiederum kommen ja nicht klar. Wie ließe sich die Grundlage für eine bessere Bewältigung widriger Erlebnisse für viel mehr Menschen schaffen?
Seit 1976 habe ich dies aus den verschiedenen Perspektiven - der qualitativen Forschung, der Erwachsenenbildung, der Psychotherapie, der Supervision, des Coaching und der Unternehmensberatung -ergründet.
Im Mittelpunkt meines heutigen Ansatzes steht die Arbeitswelt/Lebenswelt der Menschen, so auch die Pflege. Die Tragfähigkeit der Community bestimmt demnach in starkem Maße die Widerstandsfähigkeit der einzelnen Menschen mit. Diese wiederum stärken vice versa die Tragfähigkeit der Community für die Einzelnen. So können nach meiner Auffassung auch "schwache" Mitglieder einer Organisation oder Gemeinschaft gestützt werden.
In meinem bisherigen Berufsleben habe ich faszinierende Menschen kennengelernt. Ob stark oder schwach, unterstützt durch die Community oder nicht, sie alle haben sich nach ihren Kräften um Widerstandsfähigkeit bemüht. Mir nötigt das großen Respekt ab. Ich arbeite gerne.
Für den 15. Kongress Armut und Gesundheit im Rathaus Schöneberg in Berlin (4. Dezember 2009) habe ich ein Werkstattgespräch zur Widerstandsfähigkeit bei Extrembelastung im Pflegeberuf konzipiert. Eine Einladung mit ausführlicher Information poste ich im Veranstaltungsforum.
Hat Sie interessiert, was ich Ihnen geschrieben habe? Mich würde interessieren, was Sie dazu denken, was Ihre Erfahrungen mit dieser Thematik sind.
Beste Grüße
Annefried Hahn

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Dr. Annefried Hahn Premium Member
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Sehr geehrte Frau Dr. Hahn,
die Motiviation Pflegender - teils bis zur Selbstaufopferung - für andere da zu sein und trotz ungünstiger Arbeitslöhne und -zeiten dies zu leisten, ist sehr schwer zu erklären. Ich kann hier nur für die Altenhilfe sprechen, halte ein Differenzierung zur Krankenpflege aber auch für notwendig:
Das eigene Altersbild, das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit für andere und die Bereitschaft, sich auf sein Gegenüber einzulassen sind von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, in der Altenhilfe seine persönliche Erfüllung zu finden. Auf dieser Liebe und Leidenschaft zum Beruf basiert das Altenhilfesystem, das von den Mitarbeitenden immer mehr in immer weniger Zeit verlangt.
Die zunehmende Komplexität von somatischen und psychiatrischen Krankheitsbildern alter Menschen führt aber meines Erachtens dazu, dass in der Altenhilfe wieder eine Abkehr von der ganzheitlichen Altenpflege hin zu einer Differenzierung zwischen Pflege (biosomatisch) und Betreuung (psychosozial) notwendig wird. Mitarbeitende in der Altenhilfe sollen sich wieder zwischen dem Einen oder Anderen entscheiden dürfen, um den eigenen Ansprüchen besser gerecht zu werden. Und zudem benötigen wir wieder eine Zugangsmöglichkeit und angemessene Entlohnung für Interessierte mit Lebenserfahrung.
Die Mitarbeitenden in der Altenhilfe sind m.E. so faszinierende Menschen, wie es die Altenpflege eben auch ist. Nur diejenigen werden mich verstehen, die selbst ihre Erfahrungen in diesem Arbeitsfeld gemacht haben. Ich wünsche mir für alle Beschäftigten daher mehr Zeit, Anerkennung und Verständnis, wenn sie sich wieder einmal fragen, wie sie den zunehmenden Leistungs- und Kostendruck weiter aushalten können.
Ihnen noch gute Erfahrungen in diesem Forum!
G. Heil
This article was modified on 03 Nov 2009 at 08:30 pm.

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Günther Heil Premium Member
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Sehr geehrter Herr Heil,
herzlichen Dank für Ihre Antwort. Sie schreiben:
"die Motiviation Pflegender - teils bis zur Selbstaufopferung - für andere da zu sein und trotz ungünstiger Arbeitslöhne und -zeiten dies zu leisten, ist sehr schwer zu erklären. ... Das eigene Altersbild, das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit für andere und die Bereitschaft, sich auf sein Gegenüber einzulassen sind von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, in der Altenhilfe seine persönliche Erfüllung zu finden. Auf dieser Liebe und Leidenschaft zum Beruf basiert das Altenhilfesystem, das von den Mitarbeitenden immer mehr in immer weniger Zeit verlangt."
Jetzt scheint eine Grenze erreicht zu sein. Das zumindest zeigt uns doch das derzeit abnehmende Interesse, diesen attraktiven Beruf zu erlernen. Sich einzulassen auf den Anderen, ihm helfen zu wollen, mit Leidenschaft und Liebe seinem Beruf nachzugehen - das alles verträgt sich nicht mit Arbeitsdruck und Zeitvorgaben, die der subjektiven Sorge, für den anderen dazusein und der eigenen Vorstellung, was derjenige braucht, zu wenig Raum lässt.
"Die Mitarbeitenden in der Altenhilfe sind m.E. so faszinierende Menschen, wie es die Altenpflege eben auch ist. Nur diejenigen werden mich verstehen, die selbst ihre Erfahrungen in diesem Arbeitsfeld gemacht haben. Ich wünsche mir für alle Beschäftigten daher mehr Zeit, Anerkennung und Verständnis, wenn sie sich wieder einmal fragen, wie sie den zunehmenden Leistungs- und Kostendruck weiter aushalten können."
Sehr viele Pflegekräfte meinen, dass sie den Druck nicht auf Dauer aushalten können, nicht bis zum Rentenalter. Viele werden krank. Unter Zeit- und Leistungsdruck wird Arbeit selten wirklich gut. Zumindest sind die Pflegekräfte, die ich beraten habe, oft unzufrieden mit ihrer Leistung, weil sie sie an dem messen, was die zu Pflegenden ihrer Meinung nach zwar brauchen, sie ihnen wegen Zeitmangel jedoch nicht geben können. Hier attackiert der Kostendruck die Sinnhaftigkeit eines Berufes.
"Mehr Zeit, Anerkennung und Verständnis" wünsche ich den Pfleger/innen ebensosehr wie Sie. Dies berührt sowohl die Frage nach dem Altenbild dieser Gesellschaft wie auch nach der Fürsorge gegenüber den Pflegekräften. Das wiederum betrifft die Rahmenbedingungen und ethische Fragen.
Ich würde mich freuen, wenn Sie am 4. Dezember am Werkstattgespräch zu diesem Thema (s. mein diesbezügliches Posting) teilnehmen und sich dort einbringen würden.
Beste Grüße aus Berlin
Annefried Hahn

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Dr. Annefried Hahn Premium Member
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