Amateur- und engagierte Hobbyfotografie

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  • Dr. Franz Messenbaeck
    Dr. Franz Messenbaeck    Premium Member
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    Ausstellung PASSING BY, 23. Jänner bis 19. April 2009, IOS-Galerie KH Schwarzach/Pongau
    Es ist, als würde man jemandem auf der Straße begegnen, für einen Moment Seite an Seite
    mit ihm gehen oder ihm im Entgegenkommen ausweichen, ihn aber sofort wieder aus den
    Augen verlieren, um dem nächsten flüchtigen Eindruck – wenn überhaupt – für den Bruchteil
    einer Sekunde oberflächliche Beachtung zu schenken – unbedeutsame Geschehnisse, in die
    periphersten Bereiche unseres Gesichtsfeldes projiziert, weit entfernt vom Fokus unserer
    tatsächlichen Interessen. Alles erscheint unscharf, verschwommen, schemenhaft. Im besten
    Fall lassen sich schwache Umrisse ausmachen, die Bilder jedoch setzen sich nicht in unserem
    Bewusstsein fest. Kurze Sequenzen tauchen auf und werden noch im Entschwinden aus den
    Augenwinkeln wahrgenommen. Visualisierte Anonymität begleitet den städtischen
    Spaziergänger auf Schritt und Tritt.
    Fotografie widmet sich im Grunde dem bewusst Gesehenen, dem bewusst Erlebten.
    Eindrücke, die nur Randbereiche unserer Aufmerksamkeit tangieren, werden selten als
    bedeutsam genug erachtet, um bildhaft festgehalten zu werden. Einzelne Details und die
    Ästhetik des (rasch) Vergänglichen können zwar durchaus das Interesse des Fotografen
    wecken, führen dann allerdings über die künstlerische Gestaltung zum Bild, während
    Eindrücke ohne Erinnerungswert selten zum Gebrauch der Kamera verleiten.
    Die Bilder dieser Serie entstanden auf der Straße und in Fußgängerzonen – Sammelstellen
    flüchtiger Episoden, Orte, an denen sich mehr Zufälliges als Planbares aufspüren lässt.
    Unerwartete Konstellationen und Ereignisse verbunden mit der der Kamera eigenen Realität
    werden zum Hauptstilisierungsmittel bei der Abstraktion von Nebensächlichem und
    Unbewusstem. Der Blick durch den Sucher, ja sogar das Scharfstellen wird vermieden, die
    Kamera auf eine fixe Entfernung von circa einem Meter ausgerichtet, die Belichtung der
    Automatik überlassen. Der einzige Moment, in dem der Fotograf eingreift, ist der, wenn er
    den Verschluss auslöst. Dient in der „präzisen“ Fotografie die Kamera als Werkzeug, so
    wandelt sie sich hier zum Kollegen, wenn nicht gar zum Komplizen. Alle Gesetze des
    „richtigen“ Fotografierens werden gebrochen, allein der Faktor Zufall bestimmt das Bild:
    Zufall ist die Ausrichtung der Kamera, Zufall die Bewegungsrichtung und -geschwindigkeit
    der Passanten, Zufall die automatische Verschlussgeschwindigkeit. Durch dieses Vorgehen
    entsteht gänzlich Neues: Wo Ruhe herrscht, findet Bewegung statt. Wo Bewegung anzutreffen
    ist, wird sie verstärkt, verändert, beschleunigt. Alle hier gezeigten Aufnahmen geben die
    flüchtige Wirklichkeit selbst und nicht nur Augenblicke flüchtiger Wirklichkeit wieder.
    Seit über zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit konventioneller Schwarz-Weiß-
    Fotografie, nehme Bedacht auf korrekte Grautonabstufungen und Bildschärfe ohne Wenn und
    Aber. Exakte manuelle Belichtungsmessung und die Komposition des Bildes auf der
    Mattscheibe der stativgebundenen Kamera sind für mich nach wie vor der Inbegriff
    fotografischen Handwerks. Die Bilderserie „Passing by“ setzt hingegen einen deutlichen
    Kontrapunkt zu meiner bisherigen Art des Fotografierens und kann als radikale Abkehr von
    allen selbst gestellten Ansprüchen angesehen werden – als Loslösung von der Welt des
    fokussierten Interesses und des Vorherbestimmbaren, als Eintritt in die Parawelt des
    Nebensächlichen und scheinbar Uninteressanten. Schwarz-Weiß wird zu Farbe, Schärfe zu
    Unschärfe, verwischt bis zur Unkenntlichkeit, statische Arbeitsweise zu zufallsbestimmter
    Dynamik.
    Dass die Aufnahmen zustande gekommen sind, erst recht aber die Realisierung dieser
    Ausstellung geht weit über die Grenzen meiner persönlichen Auffassung von Fotografie
    hinaus. Ich sehe darin einen ersten Versuch, mit den mir auferlegten Restriktionen zu brechen
    und neue Möglichkeiten innerhalb der Bandbreite dieser (Extrem-)Bereiche auszuloten.

    F.G.Messenbäck, Jänner 2009

    http://www.fgm-gallery.com/passingby
    This post was modified on 12 Feb 2009 at 10:25 pm.