„Video.Kunst.Objekte“ - Ralf Kopp (D)
Galerie Blaues Atelier
Schörgelgasse 8 am Dietrichsteinplatz, A-8010 Graz
Vernissage Donnerstag 05.11.09 um 19h
Ausstellungsdauer: 06.11.-28.11.09
Öffnungszeiten: mi, do, fr 14-18h und sa 11-16h und auf tel. Anfrage bei Florinda, Infos/Tel: 0650 8171610
florinda@inode.at
Ein Mann hängt an einem unsichtbaren Kreuz. Im Hintergrund sind Bäume und Himmel erkennbar. Der Videofilm, welcher auf jedem, der einzeln angeordneten Bildschirme lediglich Ausschnitte und eine Zerlegung eines Körpers dokumentiert, zeigt ein verkrampftes Zappeln der Zehen und Finger der gefilmten Figur. Kreuzigungsnägel in Händen und Füßen, wie auch das Blut aus den Wunden, bleiben uns erspart. Auf dem oberen Bildschirm ist ein Teil des Hauptes der Figur und seine in Bewegung befindliche Stirn erkennbar. Insgesamt sechs räumlich voneinander getrennte, aber mit Kabeln verbundene Bildschirme, sind im Leidens-Symbol des Christentums angeordnet und stellen ein postmodernes Kreuz dar, ohne das traditionelle Holzkreuz, den Marterpfahl, das Folterinstrument einer weltweiten Glaubensgemeinschaft zu strapazieren. Vielmehr schwebt der Gekreuzigte auf dem Screenplay, als würde er das Holzkreuz nicht mehr brauchen, weil es als Sinnbild in unsere Vorstellung eingebrannt ist, wie ein heißes Eisen im schwelenden Fleisch. Jeder Bildschirm spiegelt einen lebendigen Körperteil des Gekreuzigten wieder. Der Titel dieser Video-Installation heißt „Die Leiden des jungen J.“, zitiert hiermit Goethes, dem aus unerfüllter Liebe dem Freitod anheim gefallenen „Werther“, und transferiert den Sohn Gottes in die High-Tech-Auferstehung einer ent-spiritualisierten (und lieblosen?) Zeit. Eine von Flachbildschirmen geprägte Ära der Menschheit, mit neu belebten Illusionen, die filmische Endlosschleifen wiederholen. Der moderne Jesus zappelt noch immer und wird es noch lange tun müssen, weil global das „Auge um Auge“ und „das Zahn um Zahn“ noch immer dem „Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch die Linke hin“, nicht gewichen ist. Der Videokünstler Ralf Kopp zeigt uns tiefsinnig die Nichtveränderung auf, welche gleichermaßen subtil und provokant auf uns wirkt. Die Verabsäumung, dem Aufruf nach Vergebung und Verhaltensänderung Folge zu leisten. Könnte man damit aufhören sich gegenseitig zu erschlagen, würden sich die ewig wiederholende Zelebration des Leidens und das Kreuz als Bildnis der Mahnung erübrigen.
Das Thema von „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ wird vielfach ausgelotet. (Unter Bezugnahme auf die stark gekürzte Internet-Fassung des Videofilms ist zu erwähnen, dass die Videofilme in der realen Installation 30 Minuten oder länger dauern können.)
In der Arbeit mit dem Titel „Geburt und Tod eines Arztes“ ist der Hauptdarsteller ein kleines Playmobil-Männlein, mit weißer Kleidung und einem Arztkoffer. In der ersten kurzen Szene liegt es auf dem Rücken. Dann steht es auf, um Minuten später wieder umzufallen. Geburt und Tod – so schnell kann es gehen – eine Lebens-Komprimierung ohne Zeitraffereffekte, eine filmische Entschleunigung der einschneidenden Lebensereignisse ´Anfang und Ende` - für die jeweiligen Darsteller mit tödlichem Ausgang. Andere 30-minütige Tragödien zeigen Geburt und Tod eines Polizisten, oder Geburt und Tod einer Gräfin. Ralf Kopp installiert, fotografiert, objektiviert, animiert, experimentiert und manifestiert. Alles in allem wird das bereits Vorhandene neu konstruiert, in den Kontext der Gegenüberstellung gebracht und in mannigfaltiger Variation zu einem technisch hochgradig ausgefeilten, künstlichen Leben erweckt, das Grundsätzliches spielerisch in Frage stellt und progressiv ventiliert.
Der Künstler wurde 1973 geboren und lebt heute in Darmstadt. Seit 1999 ist er als Videokünstler tätig und seit 2005 als Freelancer in den Bereichen Grafik, Animation, 3D, Online und Flash. Ralf Kopp gewann den Latelounge-Publikumspreis des hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main beim Ed-Ward 2002, einen Nachwuchsfilmpreis der Landesinitiative der Hessen Media. Er blickt auf viele internationale Ausstellungen zurück, die ihn mit seinen Werken aus dem Bereich der Neuen Medien auf Kunstmessen, in Museen, Kunstinstitute und in Galerien nach Frankfurt, München, Berlin, Hamburg, Shanghai, New York, Washington D.C. und viele andere Großstädte führten.
© Text Florinda Ke Sophie, Graz 2009
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