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Helmut Muthers Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Der Mann ist heute 65, gesund, topfit, agil. Er war fast sein gesamtes berufliches Leben als Kundenberater seiner Bank sehr erfolgreich. Mit 62 wurde er „für zu alt befunden“ und in den „wohlverdienten“ Ruhestand „geschickt“. Nach einigen Reisen in den ersten Monaten und notwendigen Reparaturen am Haus wurde es ihm zu langweilig und er suchte nach einer Beschäftigung. Mittlerweile lassen sich viele seiner früheren Kunden wieder von ihm in Finanzangelegenheiten beraten. Sie beklagen die dauernden Personalwechsel bei seiner früheren Bank. Anfallende Bank- und Versicherungsgeschäfte schließt er allerdings bei einer anderen Bank ab. Für einen Unternehmer managt er die Finanzierung und den Bau eines Mehrfamilienhauses. Er ist Vorsitzender eines großen Vereins und engagiert sich in der Kommunalpolitik.11 Jan 2011, 12:44 pmBeratermangel - Die Chance für ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Mitarbeiter vorzeitig in den Ruhestand zu schicken ist Schnee von gestern und für die Zukunftsfähigkeit höchst gefährlich. Die Freisetzung von Erfahrung und Sozialkompetenz wird sich keine Bank mehr leisten können. Die Rahmenbedingungen für das Personal-Management ändern sich derzeit schneller als bisher angenommen. Deutschland ist aufgrund der unzureichenden Geburtenzahlen das erste und einzige Land der Welt mit sinkenden Bevölkerungszahlen (seit 2003 rund eine halbe Million). Gleichzeitig altern die Menschen in einem bisher unvorstellbaren Ausmaß. Bis 2040 wird die Zahl der Arbeitnehmer um rund 40 Prozent sinken. Schon 2020 wird es mehr Berufsaustritte als Berufseintritte geben. In Zukunft fehlt also das, was in der Vergangenheit in ausreichendem Maße vorhanden war – arbeitsfähige Menschen unter 65.
„Das Greisenalter beginnt bei Männern zwischen 50 und 60 Jahren, bei Frauen mit 45 Jahren.“ (Meyer´s Conversationslexikon 1893)
Das Bild der Älteren und des Alterns muss korrigiert werden. Es gibt keine empirischen Beweise für die oft vorhandenen Klischees: Ältere sind weniger belastbar, unflexibel, leistungsschwach, krankheitsanfällig, unmotiviert, immobil, starrköpfig usw. Im Gegenteil, im 3. Altenbericht der Bundesregierung (2001) ist nachzulesen: „Es gibt keine bedeutenden Unterschiede in der Arbeitsleistung Jüngerer und Älterer zw. 60 und 70 – egal, ob Verkäufer, Fließbandarbeiter, Büroangestellter oder Anwalt.“
Im 5. Altenbericht (2005) wird festgestellt: „Die Auffassung, dass Menschen mit fortschreitendem Alter rigide werden – also die Fähigkeit verlie-ren, sich wechselnden Bedingungen psychisch anzupassen – und nicht mehr zu kreativen Leistungen fähig sind, ist ebenso weit verbreitet wie unzutreffend. Wer mit 60 rigide ist, war es mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits mit 30. Das Alter spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle.“
In anderen Branchen sichert man sich schon lange das Know-how und die Erfahrung älterer ehemaliger Mitarbeiter: „Die Bosch Management Support GmbH, 1999 mit dem Ziel gegründet, zeitlich befristete Beratungsleistungen durch Bosch-Pensionäre anzubieten, blickt auf eine erfolgreiche erste Dekade zurück. Was mit 30 ehemaligen Bosch-Mitarbeitern begann, zählt heute 880 Senior-Experten. Im vergangenen Jahr absolvierten die Pensionäre im Alter zwischen 60 und 75 Jahren 580 Einsätze mit insgesamt mehr als 20 000 Beratertagen, davon die Hälfte außerhalb Deutschlands. Der Umsatz lag bei knapp 13 Millionen Euro.“ (
http://www.bosch-presse.de / gelesen 10.12.2010).
Im Rahmen einer Studie wurde festgestellt, dass Kunden mit zunehmendem Alter immer weniger von ihrer Hausbank betreut werden. „Da ist sowieso nichts zu holen“, ist ein immer noch oft gehörtes Vorurteil in vielen Banken. Der 58-jährige Kundenberater einer Bank begann vor 3 Jahren gezielt ältere Kundinnen zu Hause zu besuchen und sie in Altersfragen zu beraten. Er bringt seitdem jeden Monat bis zu 1 Million Euro neue Einlagen in seine Bank. Seine Empfehlungsrate bei den älteren Menschen ist weit überdurchschnittlich.
Erfolgreiche Beispiele liefern auch die Baseler Kantonalbank und die bank coop, die mit ihren Seniorenteams überdurchschnittliche Beratungserfolge bei älteren Kunden erzielen. Die IngDiba hat eigene Ausbildungsprogramme für über 50-jährige neue Mitarbeiter.
Fazit
In Zeiten, wo die Menschen im Durchschnitt doppelt so alt werden wie vor hundert Jahren und wo sie bis ins hohe Alter fit sind, muss das Alter auch in den Unternehmen neu definiert werden. Die demografischen Veränderungen mit einer noch unvorstellbaren Dominanz der älteren Generationen werden die Unternehmen vor große Herausforderungen stellen und Änderungen erzwingen. Einerseits werden sich die Arbeitsbedingungen für ältere Arbeitnehmer deutlich verbessern müssen, um sie bis zum Rentenbeginn zu halten. Andererseits wird es Angebote geben müssen, damit ältere Mitarbeiter über den Ruhestand hinaus – als Angestellte, Selbstständige, in Kooperation oder mit anderen Modellen – im Unternehmen weiter arbeiten können.
„Wer die Alten nicht mag, sollte sich jung aufhängen.“ (Harald Schmidt)
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