Bankrecht und Kapitalanlagerecht
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Stefan Triebe Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Wer kontrolliert eigentlich die Emission von Staatsanleihen?
Hallo in die Runde,
viele Kollegen aus der Anlage- und Bankenwelt kennen das Problem, sich mit seitenweisen Risikohinweisen herumschlagen zu müssen. Selbst bei breit aufgestellten geschlossenen Portfoliofonds muss auf einen Totalverlust hingewiesen werden. Wer sich schon einmal mit der Portfoliotheorie auseinandergesetzt hat, weiß wie (un)wahrscheinleich dieses Risiko ist.
Es vergeht indes kaum eine Werbesequenz in der nicht Herr Schild für Bundesanleihen wirbt. Da weiß man wenigstenz, wohin ein Teil der wieder neu aufgenommenen Schulden hinfließt! :-)
Es findet sich in diesen Spots keinerlei Hinweis darauf, dass natürlich auch diese Papiere Risiken birgen. Zum einen haben wir eine immense Staatsverschuldung und das Beispiel "Island" hat gezeigt, dass auch westliche Demokratien an den Rande eines Staatsboykotts kommen können. Nun möchte ich kein großer Crash-Prosphet sein (zumal ich ein sehr optimistischer Mensch bin), aber ich sehe ein anderes Szenario als sehr wahrscheinlich an: Wir haben zwar derzeit Deflationstendenzen, die auf Dauer zu einer noch höheren Verschuldung des Staatshaushaltes führen würden (nicht nur in Deutschland). Um dem entgegen zu wirken, wäre eine moderate Inflation durchaus willkommen. Diese kann sehr schnell aus dem Ruder geraten und zu einer Hyperinflation werden. Aber selbst bei einer dauerhaften moderaten Inflationsrate von 6-7% p.a. würden letztendlich die Schuldner des Staates (die Zeichner der Staatsanleihen von Herr Schild die Zeche zahlen). Darüberhinaus besteht natürlich auch ein Kursrisiko bei steigenden Zinsen und Inföltionsraten oder durch eine Abstufung der Bonität bei den langlaufenden Bundesanleihen. Sind Anleger hier eigentlich informiert?
Nun meine Frage: Wer kontrolliert hier eigenlich die Deutsche Finanzagentur (früher: Bundesschuldenverwaltung)? Klärt diese eigentlich über die in meinen Aussagen wirklich sehr realen Risiken auf? Gibt es zu den Staatsanleihen eigentlich einen Verkaufsprospekt? (Habe ich beim Googlen nicht gefunden)
Viele Grüße
This post was modified on 09 Dec 2008 at 04:04 pm.- 09 Dec 2008, 3:52 pm
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Herbert Fuchs(not a XING member)Re: Wer kontrolliert eigentlich die Emission von Staatsanleihen?
Stefan Triebe schrieb:
Es findet sich in diesen Spots keinerlei Hinweis darauf, dass natürlich auch diese Papiere Risiken birgen. Zum einen haben wir eine immense Staatsverschuldung und das Beispiel "Island" hat gezeigt,
Die allermeisten Staatsanleihen werden von Geschäftsbanken gekauft,
und zwar nicht der Rendite wegen, sondern zur Giralgeldschöpfung.
Wenn eine GB Staatsanleihen kauft, dann braucht sie dafür kein echtes Geld -
sie bezahlt einfach mit ihrem eigenen Girogeld, das im Moment des Kaufs
erst aus dem Nichts geschaffen wird. Man kann dann horente Zinsen kassen,
dafür daß man eigentlich nichts weiter tut, als einen Buchungssatz einzufügen.
Außerdem erhöht sich so das Eigenkapital, auf das dann ein Vielfaches
(bis zu 20x !) an Giralgeld geschöpft werden kann. Und wenn die Bank mal
echtes Geld brauchen sollte, können die Staatsanleihen unmittelbar über die
Monopolbank monetarisiert werden.
Halten wir also fest: die Staatsverschuldung SOLL überhaupt nicht
zurückgezahlt werden. Sie ist hingegen notwendig für das systemimmanente
exponentielle Geldmengenwachstum.
Wir haben zwar derzeit Deflationstendenzen, die auf Dauer zu einer noch höheren Verschuldung des Staatshaushaltes führen würden
Moment! Wieso führen Deflationstendenzen zu mehr Staatsverschuldung ?
hmm... *grübel* ... ahja: der Staat muß mal wieder den "last resort debtor"
spielen muß, damit das Krebsgeschwür nicht kollabiert.
Sind Anleger hier eigentlich informiert?
Noch viel wichtiger: sind die Geldbenutzer hier informiert ?
gruss
- 09 Dec 2008, 9:18 pm
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Stefan Triebe Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^2: Wer kontrolliert eigentlich die Emission von Staatsanleihen?
Hallo Herr Fuchs,
danke für die Antwort. Die Fragen werden aber eigentlich nicht beantwortet. Auch Aktienfonds oder auch offene Immobilienfonds werden zu einem großen Teil von Institututionellen gekauft. Darum ging es mir nicht.
Es geht um den Teil, der von Privaten gekauft wird und hier wird agressiv geworben.
Zur Deflation: Eine Deflation bedeutet sinkende Preise. Sinkende Preise bedeuten das Geld ist mehr wert. Das heißt, die Schulden symbolisieren eine höhere Kaufkraft. Es muss defacto mehr zurückgezahlt werden.
Übrigens auch die Subprime-Krise ist letztendlich wie folgt entstanden: Immobilien wurden auf Pump verkauft an Käufer, die diese Kredite niemals hätten zurückzahlen können. Dann sind die Immobilienpreise nach unten gegangen und wir hatten den Salat (sehr vereinfacht von mir dargestellt).
Und noch eine Frage: Was meinen Sie, wie die Hyperinflation 1922/23 entstanden ist. Wie gesagt ich bin kein Crash-Prophet und es gibt entscheidende Unterschiede zu der damaligen Situation, aber so einfach ist es nicht: Wenn ich Sie richtig verstehe sagen Sie, der Staat kann ja weiter lustig Schulden machen. Klar und wer zahlt die Zeche?
Viele Grüße
- 09 Dec 2008, 9:57 pm
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Herbert Fuchs(not a XING member)Re^3: Wer kontrolliert eigentlich die Emission von Staatsanleihen?
Stefan Triebe schrieb:
'morgähn,
Es geht um den Teil, der von Privaten gekauft wird und hier wird agressiv geworben.
Staatsanleihen sind (IMHO) per Gesetz mündelssicher. Und noch mehr: sie sind
Notenbankfähig, dh. sie können dort unmittelbar in echtes gesetzliches Zahlungsittel
umgewandelt werden. Damit sind sie so sicher wie die Währung selbst.
Das Risiko, daß sie - relativ zum EUR - crashen ist praktisch Null (es sei denn
die Monopolbank verweigert auf einmal die Monetarisierung).
Staatsschulden haben in diesem System sogar noch ein Vielfaches an inflationärem
Effekt als wenn der Staat im gleichen Volumen direkt das Geld emittiert - sie liefern
nämlich die Basis für ein Vielfaches an Geldschöpfung.
Zur Deflation: Eine Deflation bedeutet sinkende Preise. Sinkende Preise bedeuten das Geld ist mehr wert. Das heißt, die Schulden symbolisieren eine höhere Kaufkraft. Es muss defacto mehr zurückgezahlt werden.
In Waren/Realwerten gemessen: ja.
Übrigens auch die Subprime-Krise ist letztendlich wie folgt entstanden: Immobilien wurden auf Pump verkauft an Käufer, die diese Kredite niemals hätten zurückzahlen können. Dann sind die Immobilienpreise nach unten gegangen und wir hatten den Salat (sehr vereinfacht von mir dargestellt).
Zwar richtig, aber nur ein ganz kleiner Teil des Problems.
Die große Preisfrage ist nämlich, warum überhaupt in diesem exorbitantem Umfang
faule Kredite vergeben wurden, die dann zuguterletzt über die Kartellbank mit Krediten,
dh. neu "gedrucktem" Geld finanziert waren.
Eigentlich hätte genau das die FED schon längst unterbinden müssen - wenn sie ihrer
angeblichen Aufgabe gerecht würde. Tatsächlich hat sie aber genau das Gegenteil
getan: sie hat diese Blase erst möglich gemacht und gefördert.
Wie schon bei der großen Weltwirtschaftskrise.
Und noch eine Frage: Was meinen Sie, wie die Hyperinflation 1922/23 entstanden ist.
Die Kartellbank hat - in einem Klima die Börsen auch für "Normalbürger" interessant wurden -
die Geldmenge zunächst massiv ausgeweitet, damit dann auch massive Spekulation auf
Kredit (margin loan, etc) und entprechende Kurshochs produziert. Danach hat sie die
Geldmenge dramatisch vermindert, sodaß die Kredite massenweise gekündigt wurden
und durch die Wellen von Abverkäufen die Kurse tief eingebrochen. Auf dem Höhepunkt
der Krise hat die FED die Geldmenge dann nochmal dramatisch reduziert, damit es zum
völligen Zusammenbruch kam.
Durch diese deflationären Schocks sind natürlich der Realwirtschaft die Finanzierungen
und der Bevölkerung die Kaufkraft weggebrochen. Der Volkswirtschaft wurde regelrecht
der Boden unter den Füßen weggezogen. Ganze Industrien und sind schlagartig zusammen
gebrochen, damit auch riesige Produktionskapazitäten. So kippt das dann in die Inflation um.
Am Tiefpunkt der Kurse haben die Besitzer der FED dann ihre zuvor auf dem Kurshoch
erworbenen massiven Barreserven in den Markt gepumpt, um ganze Industrien für
sprichwörtlich 'n Appel+'n Ei zu schlucken. Durch die vorherige massive Deflation hatte
dieses wieder in den Markt gepumpte Geld natürlich ein deutlich größeres Gewicht und
die Inflation nochmal richtig angeheizt.
Man sollte noch wissen, daß starke Inflationen - wenn sie erstmal im Bewußtsein der
Menschen angekommen ist - die Umlaufgeschwindigkeit massiv erhöht (man will ja
schließlich noch etwas bekommen, solang das Geld noch Wert hat), was die Inflation
noch weiter verstärkt, dh. dann noch höhere Umlaufgeschwindigkeit.
Das ist ein sich selbst verstärkender Effekt, die klassische ungehinderte Rückkopplung.
Wie gesagt ich bin kein Crash-Prophet und es gibt entscheidende Unterschiede zu der damaligen Situation, aber so einfach ist es nicht:
Aber es gibt auch große Parallelen. Angefangen damit, daß das Geldsystem nach
wie vor von der gleichen Clique kontrolliert wird, die damals die große Krise ausgelöst,
die Nazis finanziert hat, uvm.
Wenn ich Sie richtig verstehe sagen Sie, der Staat kann ja weiter lustig Schulden machen.
Ganz und gar nicht. Der Staat soll überhaupt keine Schulden machen !
Es ist absurd, daß es überhaupt möglich ist, daß sich der Staat in der eigenen Währung
verschulden kann - das geht nur, weil die Geldschöpfung einem privaten Kartell überlassen
wird !
Stattdessen soll der Staat (über die Monetative als vierte Gewalt) für eingelegte Werte
(Edelmetalle, etc) und reell existierende oder gerade gebaute Infrastruktur Geld zinsfrei
emittieren. Beispielsweise so:
http://tinyurl.com/648paq
klar und wer zahlt die Zeche?
Wer zahlt derzeit die Zeche ? Natürlich der Steuerzahler und der EUR-Gläubiger.
Wer streicht den Gewinn ein ? Die Banken, niemand sonst.
gruss
- 10 Dec 2008, 07:49 am
