Bauherren
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Andreas Colléte Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Konflikt Visualisierung und Qualität von Materialien - am Beispiel von Holzböden
Für aussenstehend Involvierte verstärkt sich der Eindruck, als würde in der Innenarchitektur gegenwärtig eher Wert auf die korrekte optische Umsetzung von Visualisierungen gelegt, als auf die Qualität der verwendeten Materialien.
Solange die Optik stimmt und das Material die Gewährleistungszeit überdauert wird es verwendet.
Die Qualität von Materialien, welche noch vor nicht allzu langer Zeit von Baumeistern für die Erstellung eines Bauwerks wesentlich war, spielt scheinbar nur noch eine untergeordnete Rolle.
Dem Erwerber wird dann eine Wertigkeit verkauft die es nicht gibt. Der erste Anschein muss reichen, Dauerhaftigkeit steht einer hohen Wertschöpfung entgegen.
Wertige Materialien verlieren selbst bei besonders hochpreisigen Bauvorhaben gegen eine Gewinnmaximierung der Projektierer. So soll der Erwerber beispielsweise 10 T€ pro m2 bezahlen, dafür erhält er dann neben vielem Anderem auch einen tollen Mehrschicht-Parkettboden im Wert von 15 € pro m2. Oberflächlich sieht der ja auch aus wie echtes Parkett. Alles ganz legal, jedoch wenig moralisch.
Der Schummel mit Parkettböden die eigentlich keine sind, weil Mehrschichtböden zwar oberflächlich aussehen wie echte Parkettböden und sich auch so anfühlen, jedoch durch ihren Aufbau nur eine recht beschränkte Lebensdauer haben, wird gern mit technischen Argumenten unterlegt. Das Ganze nennt sich auch gern "Echtholzböden" oder Real Wood, das darf man, wenn es eine mindestens 2,5 mm dicke Deckschicht gibt. Mit dem gespeichertem Gedanken der Nutzer einen wertigen, dauerhaften Bodenbelag zu erhalten, der viele Jahrzehnte überdauert, haben diese Beläge jedoch nichts zu tun.
Die Renovierbarkeit von Mehrschichtern ist auf ein Minimum beschränkt. Es gibt aber durchaus Einsatzgebiete für solche Mehrschichter: in temporären Bauten, Gewerbe mit stets wechselnder Inneneinrichtung, etc..
Betrachtet man die gegenwärtigen Trends bei den Parkett- und Dielenböden so fallen insbesondere die verstärkte Nachfrage nach rustikalen Sortierungen und oberflächengefärbten, "antiken" Hölzern bei möglichst breiten Dielenböden auf. Hier steht vor allem die Optik im Vordergrund. Über Pflegeprobleme wird nicht diskutiert.
Die Ursache für dieser Nachfrage sind kaum erklärbar, da die nachgefragten Hölzer allesamt nachrangige Sortierungen sind, deren Wert im allgemeinen Holzhandel sehr gering eingestuft werden.
Eine Wertigkeit der einzelnen Hölzer bestimmt sich durch deren Eigenschaften (z.B. Härte, Quell- und Schwundverhalten), dem optischen Erscheinungsbild (Wuchs, Schnitttechnik, Farbe und Selektion), sowie der allgemeinen Verfügbarkeit. Auch ist die Stammeinteilung und die Einschnittart von entscheidender Bedeutung für das spätere Verhalten der Hölzer: Einfache Brettschnitte (Tangentialschnitt, Flader, womöglich mit grossen Ästen) führen im Gegensatz zu den Riftschnitten, bei dem die Ausrichtung der Jahresringe (stehend) beachtet wird und Holzfehler aussortiert werden, zu eher stärker "arbeitenden" Endprodukten.
Durch die negativen Eigenschaften qualitativ minderen Hölzer, sind deren Verwendungsmöglichkeiten in anderen Bereichen der Holzverarbeitung sehr beschränkt, da weder Splintholz noch Holzfehler wie Äste, Drehwuchs, Risse, etc.. hier akzeptiert werden.
Holz ist also nicht gleich Holz! Den nachrangigen Sortierungen sind Risse, starke Quell- und Schwindbewegungen, damit verbunden starke Fugenbildung, Verwerfungen, etc.. eigen.
Diese Faktoren werden jedoch vom Verbraucher beim Kauf von Holzfussböden nicht wahrgenommen und lebhafte Sortierungen lediglich mit einem natürlichen Erscheinungsbild in Verbindung gebracht. Da diese oft (nicht immer) auch zu einem ihrem Wert entsprechendem niedrigen Preis angeboten werden, wurden diese nachrangigen Produkte schnell zum "Trend".
Bei den gefärbten/antiken Böden wird dies dann übertrieben, in dem das natürliche Erscheinungsbild mit Färbungen versehen verdeckt wird oder bei den "Antik" Optiken die Holzfehler eher noch verstärkt und weitere Fehler hinzugefügt werden.
So hat man dann in durchoptimierten Gebäudehüllen eine gegenteilige Übertreibung, der "rustikale" Boden bringt den Natur-Kontrast zu dem klaren Umfeld und verbreitet den Charme einer Bauernstube. Sieht gut aus im Exposé, auch noch beim Einzug, jedoch bald steht die fehlende Funktionalität im Gegensatz zur vorhandenen Funktionalität des Umfeldes:
- Geölte Holzoberflächen haben einen nicht unwesentlichen Pflegeaufwand, zumal bei Rustikböden
durch Verwerfungen und Risse etc der Pflegeaufwand bei normaler Nutzung mittelfristig noch zunimmt,
- aufgebrachte Färbungen sich halt auf Dauer nicht erhalten lassen,
- die Fugen den breiten Dielenböden seit jeher eigen sind und sich schnell zu unangenehmen Dreckdepots entwickeln.
Einem optischen Trend werden also die anerkannten Regeln der Holztechnik geopfert. Ein bereits über Jahrhunderte durchgeführter Feldversuch, der nun erneut ausschliesslich auf dem Rücken der Verbraucher durchgeführt wird, die sich mit den Folgen nach dem Gewährleistungsfall auseinanderzusetzen haben.
Es bleibt auch zu erwarten, das der massenhafte Abverkauf billigen Holzes für "Rüstik - Böden" mittelfristig dem Image der Holzböden eher abträglich ist.
Wünschenswert wäre eine verstärkte Auseinandersetzung mit den Materialeigenschaften durch Planer und Verwender und nicht nur aus kalkulatorischer, sondern vor allen Dingen aus qualitativer Sicht.
In vielen Foreneinträgen in unterschiedlich sich mit Bauen auseindesetzenden Gruppen bei Xing und anderswo wird die Prüfung der Materialien durch den verantwortlichen Architekten jedoch eher verneint.
Desinteresse oder schlicht Überforderung?
- 08 Mar 2011, 1:47 pm
