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    Neuer Bauhaus-Chef!
    Neuer Bauhaus-Chef setzt auf «Bildung»
    Der Architekt und Publizist Philipp Oswalt löst Omar Akbar als Direktor ab
    (VON Christian Eger, 01.12.08, 17:21h, aktualisiert 01.12.08, 19:32h)

    Dessau-Roßlau/MZ. Dass eine Entscheidung zu erwarten war, wusste man seit Monaten. Wie diese Entscheidung ausfallen würde, war völlig offen. Von Ende März bis Ende Mai dieses Jahres war die Stelle des Direktors der Stiftung Bauhaus Dessau ausgeschrieben. Man suche "eine engagierte Persönlichkeit", hieß es in der vom Stiftungsrat verbreiteten Annonce, "die in der Lage ist, das Bauhaus kreativ zu führen, in der Öffentlichkeit überzeugend zu vertreten, die bisher geleistete Arbeit des Bauhauses fortzuführen sowie die internationalen Kontakte auszubauen".

    Wie zu hören war, soll Omar Akbar, seit 1998 Direktor des Bauhauses, sich nicht selbst um eine neue Amtszeit beworben haben. Das muss nicht erstaunen. In der Tatsache, dass die Direktorenstelle neu ausgeschrieben wurde, ist auch eine Reaktion des Stiftungsrates auf die zuletzt doch recht massive, überregional ausstrahlende Kritik an der Tätigkeit der Stiftung Bauhaus zu vermuten, die im Frühjahr 2007 in den Kommentaren des "Blaubuches" ihren schärfsten und streitbarsten Ausdruck fand. Denn rein rechnerisch hätte nichts gegen Akbar gesprochen: Erst vor wenigen Tagen feierte der Professor für Städtebau seinen 60. Geburtstag, der neue Direktoren-Vertrag, der von Januar 2009 an auf fünf Jahre befristet ist, hätte ihm wie maßgeschneidert gepasst. Der Stiftungsrat aber ging einen anderen Weg: Am Monatgnachmittag gab man bekannt, dass auf Akbar der in Berlin lebende und seit 2006 in Kassel als Professor für Architekturtheorie tätige Architekt und Publizist Philipp Oswalt folgen soll.

    Kein völlig Unbekannter in der Region: Der 44-Jährige leitete von 2005 bis 2006 das Initiativprojekt "Schrumpfende Städte/ Shrinking Cities" der Kulturstiftung des Bundes, seinerzeit durchgeführt in Zusammenarbeit unter anderem mit der Stiftung Bauhaus Dessau.

    Ist die neue Stelle ein Wunschposten, Herr Oswalt? "Ja, das kann man wohl sagen", teilte der designierte Direktor am Montagabend telefonisch mit. "Diese Position ist eine große Herausforderung, aufgrund des heroischen Erbes, das sie vertritt." Worin für ihn das Bauhaus-Erbe bestehe? "In allem, was in den Bauhaus-Jahren entstanden ist, eben nicht nur in der Dessauer, sondern auch in der Weimarer und Berliner Phase", sagt Oswalt. "Eine wichtige Fortentwicklung der Stiftungsarbeit wird darin bestehen, sich stärker mit den Bauhaus-Institutionen in Berlin und Weimar zu vernetzen", sagt er.

    Auch wenn nicht mehr viel Zeit sei bis zum 90. Jahrestag der Bauhausgründung im nächsten Jahr, würde er doch mit seinen künftigen Mitarbeitern beraten wollen, wie in Dessau noch ein inhaltlicher Schwerpunkt im Zuge der Erinnerungsfeiern zu setzen sei. "Vor dem Mythos Bauhaus tritt sehr oft die Realgeschichte des Institutes zurück", sagt Oswalt. Ihn persönlich zum Beispiel interessiere die Migrationsgeschichte der Bauhäusler, die aus vielen Weltgegenden als Studenten und Lehrer an die Schule kamen und schließlich von dort wieder in die Welt zogen.

    Das Konzept, mit dem er sich am Bauhaus beworben hat, habe unter dem Stichwort "Bildung" gestanden, sagt Oswalt. So begreife er das Haus auch als "Plattform, die Angebote schaffen kann für lebenslanges Lernen". Zu den Stichworten Internationale Bauausstellung in Sachsen-Anhalt (IBA) 2010 und Dauerstreitpunkt Meisterhaussiedlung sagte Oswalt am Montag zunächst nur so viel: "Ich habe den Auftrag, das IBA-Projekt glücklich zu Ende zu bringen und das Ergebnis gut zu kommunizieren". Das Unternehmen sei bereits gut auf den Weg gebracht, meint er. In Sachen baulicher "Ergänzung" der Meisterhaussiedlung plädiert Oswalt, der zuletzt als scharfer Kritiker des Schlossnachbaus in Berlin auf sich aufmerksam machte, für einen "reflektierten Umgang mit der Rekonstruktion" sowie für eine möglichst präzise Definition der Nutzung der betroffenen Häuser.

    Unter zuletzt fünf Bewerbern von insgesamt 22 (1995, zur Verlängerung des Direktorates von Rolf Kuhn, waren es noch 80 Bewerber!) ist Oswalt am Montag vom Stiftungsrat zum neuen Direktor bestimmt worden. Man erwarte auch eine kulturtouristische Aufwertung der Dessauer Bauhausstätten, sagte Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) der MZ. Vom ersten März nächsten Jahres an wird Philipp Oswalt zeigen, was er in Dessau bewirken kann. Seine Professur in Kassel, sagt er, werde für die nächsten fünf Jahre ruhen, ebenso die Arbeit seines Architekturbüros in Berlin.

    Quelle:
    http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/pag...
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    Re: Neuer Bauhaus-Chef!
    "INTERNATIONAL MEHR STRAHLKRAFT"
    Philipp Oswalt, 44, Architekt und Theoretiker aus Berlin, wird ab März die Leitung der Stiftung Bauhaus Dessau übernehmen. Der bisherige Direktor Omar Akbar übergibt nach zehn Jahren die Führung der Institution an den jüngeren Kollegen. Oswalt lehrt seit 2006 Architekturtheorie in Kassel. Er tritt sein neues Amt im 90. Gründungsjahr des Bauhauses an. Ein Gespräch über die internationale Bedeutung des Bauhauses und die Pläne des neuen Stiftungs-Chefs.

    (SUSANNE ALTMANN in art - Das Kunstmagazin, 22.01.2009)

    Herr Oswalt, was wird Ihr Beitrag zu den Feierlichkeiten sein?

    Philipp Oswalt: Die Eckpunkte sind zwar schon gesetzt, ich kann mich aber trotzdem noch einbringen. Wichtig ist mir, dass der Mythos Bauhaus nicht den Blick auf die Realgeschichte verstellt und dass nur schöne, klassische Objekte präsentiert werden. Mir schwebt ein Beitrag zur weltweiten Migrations- und Wirkungsgeschichte der Bauhäusler vor. Spätestens 1933 wurden die Akteure in alle Winde verstreut; die Geschichte des Bauhauses war immer auch eine Geschichte von Vertreibungen und Verfolgungen. Man war immer wieder zur Selbsterneuerung gezwungen.

    Was wollen Sie selbst als Direktor erneuern?

    Ich möchte die internationale Strahlkraft des Bauhauses Dessau ausbauen und den Kontakt zu Nachfolgeeinrichtungen in Chicago, Tel Aviv oder Berlin suchen. Das hat es bislang so noch nicht gegeben. Es wird zwar nicht gelingen, bedeutende Experten dauerhaft in die deutsche Randlage zu locken, aber ich sehe uns künftig als Schauplatz von Kooperationen mit renommierten Hochschulen. Dessau ist ein idealer Arbeitsort, mit einem klösterlichen Klima.

    In den 30er Jahren war Dessau eine industrielle "Boomtown", heute überwiegt die Verödung. Haben Sie Rezepte dagegen?

    Das Motto meines Programms ist Bildung. Ich setze auf Bildungs- und Architekturtouristen, denn allein die Architektur ist atemberaubend. Oft belächeln wir den Tourismus, aber das ist verkehrt, denn wir sind alle ständig irgendwo Touristen.

    Ein wichtiger Tourismusfaktor in Dessau ist die Meisterhaussiedlung. Wie ist Ihr Standpunkt in der hitzig geführten Debatte um Rekonstruktion oder Neubau des Meisterhauses von Walter Gropius?

    Ich bin ja eher ein Rekonstruktionsskeptiker, das habe ich mit meinem Engagement gegen den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses auch schon gezeigt. Für Dessau scheint noch nicht alles zu spät zu sein, obwohl es eine starke lokale Lobby für den originalgetreuen Wiederaufbau gibt. Zum Teil haben sich die Akteure der Planungen bereits bei mir gemeldet. Nach meiner Meinung steht und fällt alles mit einem ausgereiften Nutzungskonzept für das neue Gropiushaus. Kurios ist, dass es bislang kein klares Nutzungskonzept gibt - wie beim Berliner Schloss. Hier möchte ich ansetzen.

    Quelle:
    http://www.art-magazin.de/architektur/14515/philipp_oswalt_b...
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    Re^2: Neuer Bauhaus-Chef!
    "Streit gehört zum Bauhaus"

    Sie waren Rebellen und Revolutionäre, ihre Bauten prägten die Moderne: Das Bauhaus ist 90 Jahre nach seiner Gründung ein gigantischer Mythos. Im SPIEGEL-Interview spricht der künftige Bauhaus-Chef, Philipp Oswalt, über das Vermächtnis seiner Institution, Pragmatismus und die Zukunftsangst der Deutschen.

    SPIEGEL: Wie lässt sich dieser Geist in die heutige Zeit übertragen?

    Oswalt: Man muss das Bauhaus heute anders denken, als es der etablierte Mythos nahelegt. Schon das frühe Bauhaus war ja eine dynamische Angelegenheit, mehr ein Projekt als eine Institution. Die Gegend um die Stadt Dessau, wo die Schule zwischen 1925 und 1932 angesiedelt war, ließe sich als frühes Silicon Valley bezeichnen. Das war eine Hightech-Ansiedlung, hier saßen die weltweit wichtigsten Chemiebetriebe, hier war auch der Flugzeugbauer Junkers angesiedelt. Es war zugleich eine Region mit reformerischem Geist, mit einer starken Arbeiterbewegung. Alles war im Aufbruch, und man konnte leicht die wichtigsten Köpfe der Zeit hierherholen. Heute haben wir die umgekehrte Situation: Eine stark deindustrialisierte Region, hohe Arbeitslosigkeit, starke Abwanderung.

    SPIEGEL: Ein Wassily Kandinsky würde sich hier nicht mehr niederlassen?

    Oswalt: Zur Zeit wohl nicht. Im Grunde war das damals eine echte Migrationsgeschichte, viele Lehrer, bald auch Schüler kamen aus dem Ausland. Wir brauchen heute eine noch offenere Institution, für junge Wissenschaftler aus aller Welt, die für Wochen oder Monate an unserem Kolleg, unseren Forschungsschwerpunkten teilnehmen, wir müssen verstärkt Kooperationen mit ausländischen Hochschulen eingehen. Für mich wird die Stiftung Bauhaus Dessau ein Ort der Bildung sein.

    SPIEGEL: In einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie wird beklagt, das legendäre Bauhaus sei zu provinziell geworden. Sollen Sie es nun also retten - pünktlich zum 90-jährigen Jubiläum im großen Bauhaus-Jahr 2009?

    Oswalt: Lassen Sie mich mein Amt erst einmal antreten. Aber ich wünsche mir künftig tatsächlich mehr Energie. Die Stiftung Bauhaus Dessau kann vor allem beim Städtebau in Deutschland eine wichtige Rolle spielen. Es ist sogar Teil des Auftrags, sich zu zeitgenössischen Fragen zu äußern. Wir haben also die Pflicht, uns einzumischen.

    SPIEGEL: Am frühen Bauhaus verstanden sich viele Professoren als Weltverbesserer. Sind Sie auch einer?

    Oswalt: Nein. Es gab früher diese Utopie, eine neue Welt schaffen zu können, in der alle Konflikte und Widersprüche - ob zwischen Stadt und Land, zwischen arm und reich - aufgelöst sein werden. Heute habe wir diese naive Hoffnung verloren und schmerzvoll gelernt, dass nicht jede gute Intention auch zu einem guten Ergebnis führt.
    (...)

    Das Gespräch führten Ulrike Knöfel und Joachim Kronsbein.

    Das ganze Gespräch finden Sie notiert unter:
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,608850,00.h...
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