Bauhaus

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  • Christian Gremme
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    Wie zeitgemäß sind die Utopien von gestern?
    Revision der Moderne
    90 Jahre Bauhaus und eine Le Corbusier-Ausstellung in Berlin: Wie zeitgemäß sind die Utopien von gestern?

    von Oliver G. Hamm
    September 2009

    (...)
    In diesem Sommer und Herbst bietet sich nun eine einmalige Gelegenheit, die Moderne erneut einer Revision zu unterziehen – gründlicher als jemals zuvor, denn in Berlin und anderswo lo-cken diesmal nicht bloß eine epochale Schau, sondern anlässlich des 90. Geburtstags des legendären Bauhauses gleich ein ganzer Ausstellungsreigen. Dazu kommt eine große Retrospektive des vermutlich einflussreichsten Architekten aller Zeiten, des Schweizers Le Corbusier (1887–1968), die zeitgleich im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt wird wie die zentrale Jubiläums-Ausstellung „Modell Bauhaus“. Wer lieber zu Hause in Ruhe die Hintergründe, Begleiterscheinungen und Folgen des ganz wesentlich vom Bauhaus und von den Architekten der Moderne ausgegangenen Impulses zur Formung des neuen Menschen und seiner Lebenswelt – vom Tapetenmuster bis zum Städtebau – nachlesen möchte, dem bieten eine ganze Reihe von Neuerscheinungen genügend Lesestoff mindestens bis Weihnachten (siehe Hinweise).

    Wer sich heute mit dem Bauhaus beschäftigt – mit seinem Gründungsmythos, seinem zeitgenössischen Einfluss, seinen Folgen und nicht zuletzt seiner Rezeptionsgeschichte –, der könnte, wie Hanno Rauterberg in „Die Zeit“ (16. Juli 2009), zu der Erkenntnis gelangen, dass „sich der Bauhaus-Ruhm zum Großteil seinen Feinden“ verdankt. Gleiches könnte über die Utopien moderner Stadtplanung und die Werthaltigkeit der Architektur der Moderne gesagt werden, die zwar in Expertenkreisen auch heute noch hohe Wertschätzung genießen, aber von vielen Laien abgelehnt werden – und sei es nur, weil sie die renditeorientierten, vereinfachten und vergröberten Realisierungen der 1960er- und 1970er-Jahre mit den gesellschaftspolitisch fundierten Planungen der klassischen Moderne verwechseln. Auch heute noch prägt der Bauwirtschaftsfunktionalismus große Teile des weltweiten Baugeschehens. Er ist nicht zu verwechseln mit der geistigen Strömung, die vor 90 Jahren neuen Lebenskonzepten den Boden bereitete und die von Architekten und Stadtplanern, aber auch von progressiven Unternehmern, Politikern und anderen Stützen der Gesellschaft forciert wurde. Um beide unterscheiden zu können, bedarf es zunächst einer Bestandsaufnahme der Ausgangslage der Bewegung der Moderne.
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