Bauhaus
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Christian Gremme Premium Member Group moderator Xpert AmbassadorThe company name is only visible to registered members.Drei Lichtgestalten wollen Dessau heimleuchten
IMAGE-KAMPAGNE Die Chefs des Bauhauses, des Anhaltischen Theaters und des Weill-Festes werben in Berlin für einen Neustart in der mitteldeutschen Kulturstadt.
VON GÜNTER KOWA, 25.08.09
BERLIN/MZ. Jetzt wird "gedessauert", heißt es neuerdings selbstbewusst in der Bauhaus-Stadt, und mit diesem Slogan nach einem Ausspruch von Lyonel Feininger (1871-1956) zogen drei der neuen örtlichen Kultur-Größen gestern von der Mulde an die Spree zum "Presselunch". Das ist zwar genau andersherum als auf der Karikatur, die kokett die Einladung zierte in Anlehnung an das berühmte Blatt von 1932, auf dem Mies van der Rohe aus dem geschlossenen Bauhaus davonzieht nach Berlin, angeführt vom Alten Dessauer und begleitet von Kurt Weill, Hugo Junkers und Moses Mendelssohn.
Nun also machen alle kehrt, und das soll denn auch die Aufbruchsstimmung widerspiegeln, in welcher sich die Gastgeber gegenseitig bestärken. Immerhin geht der stets jugendlich strahlende, im Frühjahr ernannte Direktor der Stiftung Bauhaus, Philipp Oswalt, mit leuchtender Wagenfeld-Lampe voran, und frohgemut folgen ihm, aus Essen, respektive Halberstadt dazustoßend, der neue Direktor des Kurt-Weill-Zentrums, Michael Kaufmann, und Dessaus neuer Generalintendant André Bücker. Dass sie im größten Konferenzzimmer des Hyatt Hotels am Potsdamer Platz bei Sushi und Wein schließlich nur einem verlorenen halben Dutzend Hauptstadt-Journalisten gegenüber sitzen, verdrießt sie demonstrativ nicht.
Dazu sind alle gar zu wohl gelaunt in ihrem Elan, mit dem sie laut Pressetext "diese Stadt" - gemeint ist Dessau-Roßlau - "in Bewegung bringen wollen". Vermuten sie doch "fruchtbaren Boden" für ihre "Ideen und Enthusiasmus". Wie die frisch Bekehrten schwelgen sie vom Reichtum Mitteldeutschlands, den bei aller wirtschaftlichen und sozialen Problematik immer noch niemand so recht erkannt haben will.
Nunmehr versichern sich die Drei wiederholt ihres Willens zur Zusammenarbeit. Und allein seien sie ja auch nicht, ergänzt Oswalt, der den Dessauer "Generationswandel" beschwört, vom Oberbürgermeister über den Baudezernent bis hin zu den neuen Polizei- und Kirchenpräsidenten. Das ist, stellt er fest, fast so viel Aufbruch wie zu Zeiten des Oberbürgermeisters Fritz Hesse, des Landeskonservators Ludwig Grote und des Industriellen Hugo Junkers, als sie 1925 gemeinsam das Bauhaus von Weimar nach Dessau holten. Und so entwirft ein jeder sein Programm, und keiner lässt es an Ehrgeiz fehlen. Für den "so ausgesprochen aufregenden Ort" hat Theatermann Bücker einen 170 Seiten starken Spielplan parat, der fotografisch eher konfrontativ daherkommt, den Charme der Stadt in ihrer Tristesse suchend. Doch sie wird sich und ihr Theater neu entdecken, dafür sorgt schon die erneuerte Mannschaft, die am Eröffnungswochenende Anfang Oktober gleich mit einem "Dreiklang Wagner-Lessing-Schleef" aufwartet.
Das, so beschreibt Bücker sein Konzept, soll deutlich machen, dass sein Theater künftig nicht mehr nur die Musik hervorhebt, sondern alle Sparten gleich gewichten will. Und nicht mehr "hermetisch abgeschlossen" soll sein Haus sein, sondern das Theater werde hinaus gehen in die Stadt, zu den Menschen. Einen Container hat er dafür angeschafft, der soll unter anderem sein "funk"-Projekt in die Stadt tragen, zum "lebendigen Gespräch" mit den Bürgern.
Kurt-Weill-Chef Kaufmann muss sich mit seinen Plänen noch ein wenig zurückhalten, hat er doch sein Domizil im Feininger-Haus erst vor zwei Wochen bezogen. Doch auch er will "neue Kraft entwickeln". Er spricht davon, die Präsenz des Komponisten in der Stadt zum "ganzjährigen Thema" zu machen. Da muss er erst recht auf die Mitwirkung von Anhaltischem Theater und Bauhaus hoffen, vor allem aber auf den geplanten Wiederauf- oder Neubau des Moholy-Nagy-Meisterhauses, das als Veranstaltungsort geplant ist. Philipp Oswalt weiß ebenso von mancher Neu-Ausrichtung seiner Institution zu berichten. "Museal" soll sie zwar auch mit ihm nicht werden, aber dass die "zweitgrößte Bauhaus-Sammlung in Deutschland" nach wie vor nur ungenügend gezeigt werden kann, und dass die Dessauer Bauhaus-Bauten touristisch noch besser zu erschließen sind, das bestärkt ihn doch, die museale Seite des Hauses nach Kräften voranzubringen.
Allerdings kann er sich über die Suche nach möglichen Ausstellungsflächen vorerst nur in Andeutungen ergehen. "Daran arbeite ich." Und so hält er es für absolut richtig, dass sich Sachsen-Anhalt mit der nächsten Landesausstellung als "Land der Moderne" verstehen will: "Erst in Dessau konnten sich die Ideen des Bauhauses entwickeln." Nach Dessau zu kommen "ist für viele immer noch ein großer mentaler Sprung", meint er, doch bei so viel Besinnung auf ererbte Stärken wird es vielleicht schon bald nur noch ein kleiner Schritt sein.
Quelle:
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/pag...
- 25 Aug 2009, 8:32 pm
