Bauhaus
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Christian Gremme Premium Member Group moderator Xpert AmbassadorThe company name is only visible to registered members.Gerhard Marcks - Mann mit Pfeife
Streng geometrisch, fast abstrakt und doch figürlich: So hat Gerhard Marcks in den 20ern seinen Holzschnitt "Raucher" konzipiert. Das Reutlinger Spendhaus kürte die Grafik zum Bild des Monats April.
Gerhard Marcks zählte in der Weimarer Republik und nach dem Zweiten Weltkrieg zu den namhaftesten deutschen Bildhauern. Zahlreiche öffentliche Aufträge und bedeutende Ehrungen zeugen davon. Der Stellenwert der Grafik wurde erst nach seinem Tod deutlich. Die Fläche des Blattes bot dem Bildhauer die Möglichkeit, sich mit einem der Plastik konträren Gestaltungselemente zu beschäftigen.
In seiner Grafik verwendet Marcks überwiegend den Holzschnitt, der in seinem konstruktiven Entstehungsprozess dennoch der Plastik verwandt ist. In den 1920er Jahren war Holz auch das bevorzugte Material im plastischen Werk von Gerhard Marcks. Die Druckstöcke der Holzschnitte bearbeitete Marcks sehr präzise - der Entstehungsprozess war ihm wichtig. Zwischen 1920 und 1924 entstanden etwa 130 seiner insgesamt fast 500 Schnitte. Allerdings gibt es aus dieser Zeit nur wenige durch den Künstler von Hand erstellte Drucke. Der Vorliegende wurde 1977 zu Lebzeiten des Künstlers vom Originaldruckstock abgezogen. Die Zeit am Bauhaus begrenzt die erste Periode in Marcks Holz-schnittwerk. 1919 war der Künstler an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen worden, um in Dornburg an der Saale die Bauhaus-Töpferei zu gründen und zu leiten.
Zunächst fühlte er sich in der Atmosphäre dieser Künstlergemeinschaft verstanden, die anfangs ausdrücklich an überlieferte Handwerkstraditionen anknüpfte. Erst die Neuausrichtung der Schule, die die Betonung der Einheit von Kunst und Technik als Ideal etablierte, brachte 1925 seinen Bruch mit der Bauhaus-Idee. Angeregt durch Lyonel Feininger, hatte Marcks das Experimentieren im Holz begonnen. In den Drucken zeigt sich Marcks Suche nach eigenen Aussageformen: "Am Bauhaus war die Abstraktion Parole. Ich nahm mir nur so viel davon an, als ich zur Organisierung der Fläche, des Bretts nämlich, brauchen konnte: schwarze, graue, weiße Flächen an die ihnen zukommenden Stellen zu setzen, ein Liniennetz sinngemäß zu ordnen, aber alles im Dienste einer Darstellung, nicht als Selbstzweck."
Das Porträt des Keramikers und Bildhauers Otto Lindig - Schüler, dann Kollege von Marcks - ist als Schwarzlinienschnitt angelegt. Die strenge geometrische Komposition und die starke Reduktion des Figürlichen bringen eine Nähe zur Abstraktion. Das vorwiegend geometrisch bestimmte Liniengerüst umreißt dennoch genügend Details zur Charakterisierung des Pfeife rauchenden Mannes und der auf seiner Schulter sitzenden Katze. Der Porträtierte ist frontal dem Betrachter zugewandt, sein Bildnis von einer schwarzen Linie eingerahmt.
Nur wenige Holzschnitte von Marcks aus dieser Zeit sind von einer ähnlich strengen Geometrisierung bestimmt. Anders als Lyonel Feininger, der kubistische und futuristische Elemente mit dem Expressionismus verband, orientierte sich Marcks im Lauf der Zeit verstärkt am Vorbild des gotischen Holzschnitts. Martina Köser-Rudolph
Quelle:
http://www.swp.de/reutlingen/lokales/reutlingen/art5674,4335...
- 08 Apr 2010, 11:18 am
