Bauhaus

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  • Christian Gremme
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    Auf „Wassily“ in die Moderne
    Marcel Breuer fuhr Rad, als ihm die Idee zum Sessel B3 kam

    DIE ZWANZIGER JAHRE WAREN VON DER WIRTSCHAFTSKRISE GEPRÄGT. DENNOCH ENTSTAND EINE NEUE WOHNKULTUR, AN DER EINIGE DER BEKANNTESTEN ARCHITEKTEN DES 20. JAHRHUNDERTS MITWIRKTEN.

    VON SABINE SCHICKE

    OLDENBURG - Ausgerechnet ein Fahrrad war es, das Marcel Breuer 1925 zu dem Entwurf des Stahlrohrklassikers „B3“ inspirierte. Unter dem Namen „Wassily“ hat dieser Clubsessel längst Design-Geschichte geschrieben. Der Name dieses Stuhls, der als einer der ersten nicht nach dem Prinzip der vier Beine und rechtwinkligen Sitzfläche gebaut wurde, ist eine Reminiszenz an den russischen Künstler Wassily Kandinsky, mit dem Breuer gemeinsam am Bauhaus in Dessau arbeitete und der in München mit dem „Blauen Reiter“ eine der entscheidenden expressionistischen Künstlerbewegungen gegründet hatte.

    „B3“ steht für den Geist der Moderne, der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Plüsch und Pleureusen des Historismus in den Wohnungen ablöste. Und er bezeugt die Ideale des Bauhauses. Bei Mannesmann konnte man bereits seit 1885 nahtlose Stahlrohre biegen, doch waren sie allenfalls für Krankenhausmöbel verwendet worden.

    Breuer, 1902 im ungarischen Pecs geboren, studierte an der Wiener Akademie und am Bauhaus in Weimar, ehe er von 1925 bis 1928 Möbelwerkstätten des Bauhauses leitete. „Weniger ist mehr“, dieser Satz Ludwig Mies van der Rohes war sein Credo, als er die Möbel von Ranken und Rosetten befreite.

    Allen gemeinsam war der Wunsch, mehr zu sein, als etwa eine akademische Kunstrichtung. Sie wollten das Umfeld der Menschen in eine rationalere Maschinenästhetik verwandeln. „Metallmöbel sollen nichts weiter als notwendige Apparate heutigen Lebens sein“, beschrieb Marcel Breuer. Der Behäbigkeit dick gepolsterter Sessel setzte er die Leichtigkeit der Stahlrohrentwürfe mit gespannten Eisengarnbahnen entgegen.

    Den Prototypen des „B3“ baute Breuer übrigens gemeinsam mit seinem Klempner. Die Firma Adler, von der er sein Rad gekauft hatte, zeigte kein Interesse, in die Möbelproduktion einzusteigen. So gründete Breuer in Berlin die eigene Firma Standard-Möbel, die später vom Unternehmen Gavina (Italien) übernommen wurde.

    Wassily Kandinsky (1866-1944), so erinnert sich dessen Witwe Nina in ihren Memoiren, sei sofort von Breuers Stil und Klarheit begeistert gewesen. Als einer der ersten kaufte er 1925 drei Metallrohrstühle. Für Kandinsky, der damals gerade in seiner abstrakten Phase mit Kreisen experimentierte, entwarf Breuer Schlaf- und Esszimmermöbel in Halbkreisform.

    Für diese neue Vision der Wohnkultur begeisterte sich vor allen Dingen eine offene Weltbürgerschicht, z. B. in Berlin der Volksbühnen-Theaterregisseur Erwin Piscator (1893-1966) oder der aus Elberfeld stammende Bankier Eduard Baron von der Heydt (1882-1964).

    Viele dieser Menschen mussten ebenso vor den Nazis aus Deutschland flüchten wie Marcel Breuer, der 1935 via London nach New York emigrierte und einer der berühmtesten Designer und Architekten des Jahrhunderts wurde. Die Nazis etikettierten „B3“ wie viele Kunstwerke, die in diesen Jahren entstanden, als entartet und nannten ihn „Hinrichtungsstuhl“.

    Quelle:
    http://www.nwzonline.de/index_regionalausgaben_stadt_oldenbu...
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