Bauhaus
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Christian Gremme Premium Member Group moderator Xpert AmbassadorThe company name is only visible to registered members.Handwerk kontra Maschine
Auszug aus kunstwissen.de:
»Der Typ des intelligenten Handwerkers der Vergangenheit wird in Zukunft für spekulative Vorarbeiten bei der Herstellung industrieller Waren verantwortlich sein. Statt seine Fähigkeiten in einem rein mechanischen Vervielfältigungsprozeß zu vergeuden, wird er in experimenteller Laboratoriumsarbeit und in der Werkzeugentwicklung Verwendung finden.«
Während sich das Bauhaus zunächst gegenüber der sozialen Wirklichkeit der Nachkriegs- und Inflationsjahre nach dem Weltkrieg I indifferent verhielt, vollzogen sich intern dennoch grundlegende Abklärungsprozesse in bezug auf die Aufgaben und Funktionen des Gestalters in der Gesellschaft.
Das Bauhaus hatte nicht nur einen Ausweg aus dem mystischen Expressionismus seiner Gründungsphase in der Hinwendung zur gestalterischen Rationalität zu finden; es mußte sich überdies vom Handwerksprinzip allmählich lösen und damit einen Prozeß vollenden, den der Deutsche Werkbund der Vorkriegszeit bereits programmatisch als Antwort auf die industriewirtschaftliche Entwicklung eingeleitet hatte. Es mußte darüber hinaus auch eine der gesellschaftlichen Produktionsweise historisch angemessene Entwurfstheorie und Entwurfspraxis herausarbeiten. Schließlich war die für die Bauhauslehre eigentümliche idealtypische Einheit oder Kooperationsform von freier und angewandter Kunst entweder einzulösen oder zu revidieren. Die Frage, wie denn die künstlerischen Meisterlehren eines Klee, Kandinsky, Feininger oder die VorkursDidaktik von Johannes Itten - mit anderen Worten, wie die Sensibilität individualistisch arbeitender Künstler eingebracht werden konnte in die Lösungen des Entwurfsproblems neuer alltagskultureller Codes, ist dabei nie zufriedenstellend beantwortet worden.
Auch nachdem der systematisch experimentierende Josef Albers Leiter der Vorkurse geworden war und in den Werkstätten sich das Gewicht der Ausbildung vom kunsthandwerklichen Schaffen zunehmend auf den industrierationalen Entwurf verlagert hatte. Der Anstoß für eine stilistische Erneuerung der produktsprachlichenGestaltung, die zugleich eine Erneuerung der technisch bestimmten Alltagskultur schlechthin bedeuten sollte, kam weniger aus dem bedeutenden freikünstlerischen Potential des Bauhauses als von außen.
(...)
Die in der konstruktivistischen Phase des Bauhausentwurfs entstandenen komplexen >künstlerischen< Formen sind später von Hannes Meyer mit einigem Recht sarkastisch kritisiert worden. jedes Teeglas sei ein »problematisch-konstruktivistelndes Gebilde gewesen, den sozialen Lebensbezug habe man dabei völlig aus den Augen verloren. Am Widerspruch zwischen einer entwickelten Asthetik von und für KünstlerAvantgardisten und den zeitgebundenen Volksbedürfnissen hat das Bauhaus in der Tat eine Weile blind vorbeigearbeitet.
Massenkulturell hatte das Bauhaus im Wandlungsprozeß zu einer Lehrstätte für industriebezogene Entwurfsarbeit noch überhaupt keine Wirkung erzielen können. Man muß vielmehr davon ausgehen, daß die bürgerlichen Produktstandards, die unmittelbar nach dem Kriege ihre schichtenspezifische Verbindlichkeit beibehalten hatten, auch um 1925 noch nirgends abgelöst waren durch merkliche Einflüsse eines vom Bauhaus reformierten Stils der neuen Gesellschaft. überdies konnte die Konsumfähigkeit der Massen eben erst vorübergehend ein wenig stabilisiert werden, nachdem die Inflation überwunden war und ein wirtschaftlicher Aufschwung sich abzeichnete.
frei nach Gert Selle >Die Geschichte des Design in Deutschland von 1870 bis heute<
- 06 Mar 2008, 8:29 pm
