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Peter Manhart Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Wie sicher sind unsere Pensionen - eine kritische Betrachtung im Lichte der Finanzkrise
(Dieser Artikel steht auch in einer längeren Version mit Grafiken und Bildern zur Verfügung, würde hier aber den Rahmen sprengen. Wenn Sie die Langversion möchten, senden Sie bitte ein kurzes Mail an
office@bav-experten.at)
Die jüngste Finanzkrise hat nicht nur die Banken und Versicherungen bis ins Mark getroffen, sondern hat auch viele Debatten über die Sicherheit der verschiedenen Pensionsvorsorge-Systeme ausgelöst. Sehr schnell waren Politiker, die jahrelang zugesehen haben, wie sich durch den Globalisierungswahn und der grenzenlosen Liberalisierung der Finanzmärkte dieser Wahnsinn erst entwickeln konnte, mit Aussagen bei der Hand, die kritisch zu hinterfragen sind. Aber der Autor will auch konkrete Lösungsansätze liefern, die jeder Einzelne – unabhängig von politischen Entscheidungen – umsetzen kann.
Die künftigen Probleme des staatliche Pensionssystem
Ein Gesetz, 1955 vom Nationalrat beschlossen, ist in die Jahre gekommen und kann die demographischen Veränderungen langfristig nicht ausgleichen. Hauptsächlich drei Faktoren sind dafür verantwortlich:
1. Kürzere Lebensarbeitszeit durch längere Ausbildung und frühere Pension
2. Sinkende Geburtenrate
3. Längere Lebenserwartung
Alle drei Tatsachen wirken in die gleiche Richtung: Es werden weniger Beiträge bezahlt (späterer Arbeitsbeginn, Frühpension, weniger Aktive) und es müssen mehr Pensionen geleistet werden (Frühpension, Lebenserwartung). Da unser System aber auf einem Umlageverfahren beruht – Beiträge werden nicht angespart, sondern sofort als Pensionen ausbezahlt – kommt das System ohne (ständig steigende) Staatszuschüsse nicht mehr aus.
Schon seit vielen Jahren sagen Fachleute dem System Probleme, manche sogar den Kollaps voraus („Der Kollaps des bisher sehr effizienten österreichischen Pensionssystems droht“ (Quelle: Homepage der Quästur der Uni Innsbruck).
Warum tut niemand etwas dagegen?
Weil die, welche dafür zuständig wären (Politiker), einen „eingeschränkten Blick“ (Legislaturperiode) haben und Ihnen gleichzeitig ein Umstand in die Hände spielt:
Aufgrund der Kriege und der weltwirtschaftlichen Ereignisse haben wir bis heute relativ wenige Pensionisten zu versorgen. Die Masse der Bevölkerung (Baby Boomer) befindet sich im aktiven Erwerbsleben und durch die in den letzen 50 Jahren meist prosperierende Wirtschaft stiegen auch die Steuerleistungen und konnten auch steigende Beiträge ins System verzeichnet werden und damit früher anfallende und länger zu bezahlende Pensionen verkraftet werden.
Aber die Zeit drängt
Experten warnen aber, dass diese kurzfristige Sicht trügerisch ist! Deshalb kam es im Frühjahr 2008 zum „Andenken“ einer neuen Pensionsreform, welche eine so genannte „Automatik“ enthalten sollte. Die einen wollten sie, die anderen nicht: Das Gerangel um die Pensionsautomatik war mit ein Grund für die vorzeitige Auflösung der Regierung.
Die Frage, wie es mit der Anpassung der Pensionen nun weitergeht, harrt weiter einer Antwort. Experten befürchten jedoch, dass das Problem ohne Automatik größer wird. 2050 könnte zwischen Erwerbstätigen und Über-60-jährigen fast ein Verhältnis 1:1 erreicht sein.
Eigentlich wäre sie ja im Koalitionsabkommen vereinbart gewesen. Gekommen ist sie letztlich nicht, weil man sich in der Regierung nicht über die praktische Umsetzung einigen konnte.
Die Idee wäre folgende (gewesen): Bei steigender Lebenserwartung wird errechnet, um wie viel der Finanzbedarf für das Pensionssystem anwächst. Sinkt die Einnahmen-Ausgaben-Quote der Pensionsversicherung deutlich, so werden per Minister-Verordnung fünf Faktoren „automatisch neu berechnet“: Antrittsalter, Versicherungsbeiträge, Pensionshöhe, Pensionsanhebung und Bundesbeitrag.
Dann kam die Finanzkrise
Mit einem Mal wurden die „österreichischen Probleme“ von einer viel größeren Katastrophe in den Hintergrund gedrängt: Ausgehend von den USA breitete sich die Finanzkrise unaufhaltsam über den ganzen Globus aus. Jedermann war plötzlich davon bedroht, sein „Erspartes“ zu verlieren – vieles davon war für die Erhaltung des Lebensstandards in der Pension vorgesehen.
Schon viele Jahre konnte man beobachten, dass die Menschen quer über den Globus jede Vorsicht über Bord warfen und in immer spekulativere Finanzmodelle ihr Geld investierten. Dabei sollte eines klar sein: Private und Betriebliche Pensionsvorsorge sollte in sicheren Investments angespart werden, geht es doch schlussendlich darum, später einmal eine lebenslange, sichere und steigende Zusatzpension zu erhalten.
Pensionsvorsorge in spekulativen Anlageprodukten
Diese Entwicklungen erweisen sich als wahre Massenvernichtungswaffen gegen die Realwirtschaft, wo in Form von Produktion, Handel und Dienstleistung die eigentliche Bedürfnisbefriedigung der Menschen stattfindet. Die ständig eigendynamischer verlaufende und von der Realwirtschaft abgekoppelte Finanzindustrie übertrifft nach einer aktuellen Studie alle Bruttosozialprodukte zusammengenommen um das mehr als 70-fache. Für den realwirtschaftlichen Sektor, wo neben der Bedürfnisbefriedigung auch die eigentliche Wertschöpfung stattfindet, verbleiben demzufolge weniger als 2% aller globalen Transaktionen, Tendenz sinkend.
Aus der ursprünglich dienenden Funktion der Finanzwirtschaft ist eine alles beherrschende Position geworden, die jederzeit und beliebig Krisen auslösen kann. Umgekehrt haben realwirtschaftliche Prozesse aufgrund der relativen Bedeutungslosigkeit kaum Auswirkungen auf den Finanzsektor. Man sollte auch nicht vergessen, dass im Finanzsektor nur das verteilt werden kann, was in der Realwirtschaft an Wertschöpfung entsteht, denn vieles, was an angeblicher Produktivität in der Finanzindustrie vorhanden ist, war nur auf willkürliche Bewertungen bzw. Wertberichtigungen zurückzuführen und zerplatzt jetzt wie eine Seifenblase.
Was sagt die Politik dazu
Homepage von Werner Faymann (möglicher nächster Bundeskanzler): Die Finanzkrise in den USA zeigt klar und deutlich: Nur ein staatliches Pensionssystem und eine staatliche Gesundheitsversorgung garantieren, dass jeder Mensch profitiert und keiner zurückgelassen wird. Die SPÖ wird das staatliche Pensionssystem schützen, leistungsstark und zukunftsfit machen. Denn wir ÖsterreicherInnen wollen nicht, dass Spekulanten über die Höhe unserer Pensionen entscheiden. Die aktuelle Finanzsituation in den USA liefert den schlagenden Beweis, dass die beste Altersvorsorge immer noch das staatliche Pensionssystem mit seinem Umlageverfahren darstellt. "Ich will nicht, dass Spekulanten über ihre Pension entscheiden", macht Faymann deutlich.
Dieser gesamte Artikel soll nicht parteipolitisch verstanden sein: Fast alle einigermaßen bekannten politischen Parteien haben sich ähnlich geäußert. Spannend dabei ist, dass immer mehr pikanter Details ans Tageslicht kommen: Viele Gemeinden (schwarze, rote, blaue, grüne) haben Gelder – oftmals Abfertigungsvorsorge ihrer Vertragsbediensteten) in genau diesen Modellen angelegt und zum größten Teil vernichtet.
Der grüne Abgeordnete Öllinger meint dazu zum Beispiel in einer Parlamentsdebatte: Das Kapitaldeckungsverfahren ist nicht besonders gut, das Umlageverfahren ist sehr gut und sehr zukunftsfähig. Man könnte das auch so sehen: Wenn man bei den Pensionskassen das dazuzahlt, was man beim Umlageverfahren dazuzahlt, dann schaut das ganz anders aus!
Das staatliche Pensionssystem, das wir uns größtenteils selbst bezahlen
Aber: Der Staat zahlt keine Pensionen. Nie - außer den Ruhestandsbezügen der eigenen Beamten. Die Pensionsversicherungsanstalt leitet von den aktive Bürgerinnen und Bürger geleistete Pensionsversicherungsbeiträge den Pensionsbeziehern zu. Das ist keine "Staatspension", sondern eine Sozialversicherung im Umlageverfahren. Nur ca. ein Fünftel wird aus dem Budget zugeschossen.
Offensichtlich haben viele Politiker noch nicht verstanden, dass im Pensions- Umlageverfahren das Geld überhaupt nicht "angelegt" wird, sondern von den Beitragszahlern aus der Realwirtschaft zu den Pensionsbeziehern wechselt. Die Sozialversicherung ist auch keine "staatliche" Einrichtung, sondern wird aus, in der Realwirtschaft geschaffenen Werten, via Versicherungsbeitrag gespeist, de facto durch Umleitung eines Teils der Erwerbseinkommen. Zuschüsse aus dem Budget machen nur etwa ein Fünftel des Auszahlungsvolumens aus.
Wie sicher ist nun diese Finanzierung
Die heutigen Beitragszahler investieren ihr Geld daher nicht in die eigene Altersvorsorge, sondern in jene der heutigen Pensionisten. Die Beträge, welche wir auf dem Kontoauszug unseres Pensionskontos sehen, liegen natürlich nicht wirklich auf diesem Konto, sondern stecken in den „Billa Sackerln“ der heutigen Pensionisten, welche immer gegen 17 Uhr einkaufen gehen, wenn auch die Berufstätigen (zwangsweise) sich an den Kassen anstellen.
Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Die Finanzkrise ist ja vor allem deshalb entstanden, weil den hohen Unternehmensbewertungen kaum entsprechende Sachwerte gegenüber-standen!
Wie sicher ist das Umlageverfahren?
Die Antwort ist relativ einfach: So sicher, als dann, wenn die heutigen Beitragszahler in Pension sind, genügend (neue) Beitragszahler so viel und so lang Beiträge zahlen, als dann Pensionisten vorhanden sind, welche, immer älter werdend, darauf vertrauen werden, dass auch dann Leute wie heute die Herren Blecha und Kohl dafür sorgen, dass die Pensionen Jahr für Jahr steigen.
Schlechte Karten für künftige Pensionisten
Immer weniger Kinder ...
Es sieht nicht gut aus, denn die demographische Entwicklung macht das Pensionssystem immer schwerer finanzierbar. Die Geburtenrate hat sich in den letzten 50 Jahren halbiert. 1961 entfielen auf 1.000 Einwohner 18,57 Geburten, 2007 waren es nur 9,2.
... und immer mehr Pensionisten
Heute beträgt der Anteil der über-60-jährigen Österreicher knapp 22 Prozent. Im Jahr 2050 wird sich ihr Anteil Prognosen zufolge Österreichweit auf mehr als ein Drittel belaufen. Verantwortlich dafür sind die niedrige Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung. Lag die Lebenserwartung eines Neugeborenen im Jahr 1951 noch bei 62,38 (Männer) und 67,75 Jahren (Frauen), so lag sie 2007 77,40 bzw. 82,90 Jahren.
Nur noch 42 Prozent erwerbstätig
Der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung, die die Pensionen im Umlageverfahren finanziert, wird folglich kleiner. 2006 standen 48,2 Prozent der österreichischen Bevölkerung in einem Arbeitsverhältnis oder waren aktiv auf Arbeitssuche. 2050 werden nach Prognosen nur noch 41,7 Prozent zur Erwerbsbevölkerung zählen.
Doppelte Pensionslast pro Erwerbstätigem
In Summe bedeutet dies, dass die Pensionen in Zukunft von einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung für einen wachsenden Teil der Gesellschaft und einen längeren Zeitraum bezahlt werden müssen. Entfielen 2006 auf eine Erwerbsperson durchschnittlich 0,5 Personen über 60 Jahre, so werden es 2050 voraussichtlich durchschnittlich 0,8 Personen sein. Im Burgenland, Kärnten und der Steiermark gehen die Prognosen sogar von einem Verhältnis 1:1 aus.
Folge und Resümee
Auf unser Pensionssystem kommt die wahre Belastungsprobe erst zu: Nach Schätzungen, wird sich die Zahl der Aktiven (also der Beitragszahler) von derzeit 5,1 Mio. Menschen auf rund 4,750 Mio. bis zum Jahr 2050 reduzieren, während im selben Zeitraum die Zahl der Pensionisten von derzeit 1,8 Mio. Menschen auf rund 3,011 Mio. bis zum Jahr 2050 erhöhen wird.
Das bedeutet, dass die Meinung von Herrn Faymann und den meisten anderen in der Jetztzeit agierenden Politikern, „dass die beste Altersvorsorge immer noch das staatliche Pensionssystem mit seinem Umlageverfahren darstellt“ genauso viel Risiko beinhaltet, als die Investition in Finanzierungsmodelle in Anlagen ohne entsprechende Sachwerte.
Denn wenn viel zu wenige Beitragszahler da sein werden (Geburtenrückgang, kürzere Lebensarbeitszeit) wenn die Masse der Baby Boomer ab dem Jahr 2010 bis 2024 in Pension gehen (und damit zur bedeutendsten Wählergruppe werden, die sich nichts wegnehmen lassen werden wollen), dann muss das System genauso kollabieren, wie derzeit weltweit die gesamte Finanzwirtschaft!
Zum Glück gibt es Lösungen
Man soll nicht alles schlecht reden! Die Politik versucht – oft allerdings mit nicht tauglichen Mittel – Anreize für zusätzliche private und betriebliche Altersvorsorge zu schaffen. Besonders „Betriebliche Altersvorsorge“ braucht dabei keine riskanten Anlageformen, da bei dieser Vorsorgeform die Rendite nicht aus der Finanzierung selbst, sondern aus dem Modell kommt: Durch Steuer- und Lohnkostenersparnis hat man in der Regel um 30 – 60% mehr Ertrag als bei herkömmlichen Sparformen. Das erreicht man mit Sparformen, bei der sowohl der Zinssatz, wie auch die Rentenhöhe über die gesamte Laufzeit garantiert sind! Natürlich freuen wir uns auch da über jedes Prozent zusätzlichen Ertrags, aber wie bereits gesagt, der Nutzen kommt woanders her.
Peter Manhart
18.10.2008
- 20 Oct 2008, 10:21 am
