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  • Niels Pflaeging
    Niels Pflaeging    Premium Member   Group moderator
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    Re^4: Aktuelle Diskussion: Krise in der Automobilindustrie, zwei Beyond-Budgeting-Unternehmen sehr stark betroffen
    Hallo Isabel,

    Sehr interessantes Posting von dir.
    Ich stelle oft fest, dass viele Aussagen von Menschen mehr über SIE SELBST aussagen, als über das Thema, um das es dem Anschein nach geht... ob das vielleicht auch in diesem Fall so ist? ;-)

    Du schreibst z.B.
    "Nun, ich meine zu beobachten und behaupte daher dass der Trend in solchen "Situationen unter Ungewissheit" leider tendenziell in Richtung Zentralisierung geht.." Köööööööönnte es sein, dass du das just bei deinem Arbeitgeber beobachtest?

    Nun, ich lese deine Aussage so: Du beobachtest in der derzeitigen "Krise" eine Tendenz zur Zentralisierung in (vermutlich deiner) Organisation.
    Jetzt frag ich dich: Verwundert dich das etwa????

    Weil (ich werde jetzt allgemein, und rede nicht über bestimmte Firmen!): Ist doch klar, dass in einem durch und durch tayloristisch geprägten Laden im Boom eher mal so alles locker läuft, jeder macht so was er will in seinem Machtbereich - hey, es geht uns gut! Natürlich muss man Mitarbeitern trotzdem auch im Boom sagen, dass sie Idioten sind und ihre Arbeit Bockmist ist, und man muss Politik betreiben und Feilschen und vor allem schauen dass man gut aussieht, besser als die anderen.
    Aber das war´s - denn es ist Boomzeit. Das Topmanagement sonnt sich da in seiner Allmacht. Alles ist gut.
    Dann kommt eine Krise, und, hoppla, jetzt müssen wir den Saftladen mal wieder härter rannehmen. Den Mitarbeitern die Trainings streichen. Ein paar Leute rauskanten (5% sollte für den Anfang reichen), schliesslich gehts ja noch ganz gut...

    Du nennst das "Zentralisierung". Ich nenne das "zyklisches Tretmühlenverhalten as usual"!!!
    Von Zentralisierung kann doch gar keine Rede sein. Diese Organisationen waren IMMER zentralisiert, nur merkt mans in Boomzeiten nicht, weil dann TOTALER Schlendrian herrscht. In der Krise weicht der Schlendrian dann blindem, stupiden, verzweifeltem, wütendem Aktionismus.
    Was schlimmer ist- Schlendrian oder blinder Aktionismus? Schwer zu sagen!
    Ich finde, beides ist verbrecherlisch. Schändlich. Unethisch. Peinlich. Unprofessionell. Verwerflich.

    Diesen schönen Absatz habe ich gerade auf dem BBRT-Website gesehen, man muss sich das einfach mal auf der Zunge zergehen lassen:

    Command and Control model.
    The command and control mental model is pervasive in business today. It represents the greatest barrier to change. Command and control leaders invariably see the organization as an obedient machine comprising of replaceable parts (the parts determine the performance of the whole). This mental model (see above left) also assumes that organizations comprise of ‘cause-and-effect’ relationships that are predictable. It takes managers down a pathway of central planning, coordination and control (Theory X management). And it assumes that change is reactive, often involving extensive restructuring and reorganizing of the organization’s parts. This has been the standard model for hundreds of years. It descends from Newtonian physics (clock-like mechanisms and cause-and-effect linkages), from the work of Frederick Taylor, and from military and church command and control management models.

    In den Absatz fehlt nur noch eine Aussage dazu, was diese ORganisationen aus ihren Menschen machen, wie sie ihre Menschen halten. Das ist nämlich nicht ARTGERECHTE HALTUNG. Sondern das Gegenteil. Nämlich Weisungs-und-Kontroll-Legebatterien mit gelegentlicher Wachstumshormonzufuhr!

    Nochmals: Beyond Budgeting bedeutet "Der Mensch in Artgerechter Haltung".
    Menschen als Menschen nehmen. Punkt. Alles andere ist eine moderne Form der Sklavenhaltung.
    "Ja, Chef. Amen, Chef!" Wer diese Situation kennt, der weiss was Weisung und Kontrolle bedeutet und was das mit Menschen und Organisationen macht.

    Isabel, du schriebst weiter:
    "Das Vetrauen schrumpft und es muss "schnellstmöglichst & professionell" (so das verunsicherte Mgmt) reagiert werden etc. pp."
    Genau. Hier beschreibst du sehr schön den Mechanismus des Aktionismus.
    Ich würde nur einwenden: Das Vertrauen SCHRUMPFT überhaupt nicht. Es hat da nie Vertrauen gegeben! Denn Weisung und Kontrolle ist ja eben vertrauensarm bzw. vertrauensfreie Steuerung. Vertrauen wird da gern als "softirgendwas" bezeichnet. Etwas Dümmeres kann ich mir eigentlich kaum vorstellen...
    Und Aktionismus ist eines eben gerade nicht: Professionell.
    Er ist das ultimative Eingeständnis von Versagen. Nämlich eines Versagens, dass man vorher begangen hat und verschleppt hat.

    Auch ich finde das Thema "Unternehmensführung" in Krisenzeiten hochspannend. Ob man das an der Automobilbranchenblase festmacht oder woanders ist m.E. sekundär. Eben. Seh ich auch so.

    Interessant wäre es daher darüber zu diskutieren wie BB hier z.B. die Faktoren "Entscheidungseffektivität" und "Effizienz" in Konzernstrukturen unterstützen kann. Unterstuetzen KANN?
    Oh Mann, also wenn dir das nicht klar geworden ist, wie Entscheiungsqualität erhöht wird durch Beyond Budgeting, dann empfehl ich dir, meine Bücher noch mal von vorn bis hinten neu zu lesen! Du hast offenbar alles vergessen! :-)
    Hey, das Wochenende ist lang, das passt doch! ;-)

    Gruss und schönes Wochenende an alle,
    Niels

    P.S. Isabel, bitte stell deine Privatsphaeren-Einstellungen anders ein und schuetze deine Eintraege nicht gegen Suchmaschinen. Es nervt naemlich, wenn man dir antworten will und man kann deine Eintraege nicht automatisch als Kopie in den Antworttext einfuegen. Danke!
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