Lieber Herr Schlachte,
Schön, dass Sie unseren Dialog hier ins Forum verlegt haben.
Ich denke, hier gehört er hin.
ich hatte einen Gedankenaustausch via PN mit Niels Pflaeging und wir haben festgestellt, dass systemische Modelle und der Beta Kodex vieles gemeinsam haben. Ich glaube es ergänzt sich gut. Ja, durchaus. Der Beta-Kodex IST systemisch. Aber nicht jede systemische Organisations-Entwicklung geht konform mit dem Beta-Kodex. Warum? Da habe ich so meine These: Letztlich sind die systemischen Organisationsentwickler einfach nicht bereit, sich für eine klare Zielvorstellung (eine "systemische Organisation", wie sie der Beta-Kodex bezeichnet) zu committen. Dem entspricht auch die oft beobachtbare Haltung der Systemiker, nach der "Systemiker keine Stellung beziehen" sollen oder wollen. (Letztlich aus meiner Sicht ein unerträglicher Mangel an Courage)
Der Beta-Kodex ist da ganz das Gegenteil: Er bezeichnet eine klare Position. Er ist nicht wischiwaschi. Er grenzt Beta von Alpha ab und sagt klar: Beta ist richtig, Alpha ist eine inadäquat, passé, obsolet.
Aus meiner Sicht gehen systemische Denke und Beta-Kodex natürlich gut zusammen, aber ich würde mir auch wünschen, dass die Systemiker mal Stellung beziehen würden nicht nur zu VORGEHENSWEISEN (dem WIE man Dinge tut), sondern auch dazu WOHIN man Organisationen führen will mit systemischer OE.
Meine Vermutung: Die sogenannten Systemiker schielen da gerne auf den schnöden Mammon und lassen sich von ihrer Methodenbegeisterung treiben ("Ich liebe Aufstellungen" usw.), anstatt Organisationen zu helfen, das Richtige zu tun.
Im Zusammenhang mit Change Projekten kommt ja der Faktor Mensch mit all den Facetten wie z.B. Selbstbild, Kompetenz, Möglichkeit und Willen Prozesse und Organisationen erfolgreich zu gestalten zum Tragen. Ja. So weit klar.
Ich würde allerdings nicht von Change-Projekten sprechen.
Ich halte traditionelles Change-Management (nach Doppler undwiesiealleheissen) für ziemlichen Humbug.
Da soll mit mit Projektmanagement-Denke Veränderung betrieben werden - das ist derartig verwegen und unangemessen, das geht eigentlich auf keine Kuhhaut. Denn: Etwas so Komplexes wie Veränderungsprozesse mit dem letztlich immer mechanistisch-reaktiven Projektmanagement-Tralala angehen zu wollen, wie soll das gehen?
Und aus meiner Sicht steckt schon im Begriff des "Change-Projekts" das Problem drin.
Meiner Ansicht nach ist der Begriff Change-Initiative besser... aber bitte nicht mit Projektmanagement-Methoden!
Was meinen Sie, Herr Schlachte?
In einem Artikel habe ich das Thema: "Probleme und wie wir mit Erfolg neue Probleme generieren" im Zusammenhang mit "vernetztem Denken" im Kontext von Problemen in Projekten beleuchtet. Ich vermute, da handelt es sich auch um eine Reflexion über "Projektmanagement"! ;-)
Klar ist in jedem Fall, dass es Dringlichkeit auf Seiten der Organisation gibt die Probleme zu lösen. Na ja, ich halte ja John Kotters-Veränderungs-Ansatz für Organisationen für den einzig tragbaren. Sinnvollen. Zumindest ist mir noch nichts Gleichwertiges untergekommen.
Und Kotter betont ja: Ohne Dringlichkeit geht eh nichts. Das ist der ERSTE Schritt.
Es ist also nicht ein Problem, das man lösen muss, um Veränderung zu erzielen. Sondern es ist schlichtweg der Ausgangsspunkt. Wer ohne an der Dringlichkeit zu arbeiten loslegt, andere Schritte zur Veränderung zu machen (z.B. Lösungen zu entwickeln, Dinge zu entscheiden usw.) der hat schon einen Riesenfehler gemacht und der kommt, so Kotter, wahrscheinlich nirgendwohin. Ausser dass Aktionismus und Geschäftigkeit generiert werden.
Wie gehen Sie als Fachexperte für den Beta Kodex vor? Moderieren Sie in ähnlicher Weise, oder wie gehen Sie vor? Welches Modell der Veränderung leitet Sie?Hierzu möchte ich Sie einladen, mal unsere Papers zu Beta-Kodex-Transformation zu studieren.
Insbesondere handelt es sich um diese Papers hier (alle in englischer Sprache):
http://bbtn.org//BetaCodex-DoubleHelixTransformationFramewor...
http://bbtn.org/BetaCodex-DecideToChange.pdf
http://bbtn.org/BetaCodex-TechniquesForTransformation.pdf
http://bbtn.org/BetaCodex-CellStructureDesign1.pdf
http://bbtn.org/BetaCodex-CellStructureDesign2.pdfAuch unsere beiden auf der Netzwerk-Website dargestellten Fallstudien sind interessant, um Transformation nachzuvollziehen:
http://bbtn.org/BBTN-LogoplasteCase.pdf und
http://bbtn.org//BBTN-Paradigma-Case.pdfDie Papers habe ich diese Woche alle aktualisiert und ich finde nach wie vor, die sind ziemlich grossartig!)
Was meinen Sie zum Einsatz von "Visualisierung von Zusammenhängen und der Auswirkungen" über Flip Chart oder mit SW Unterstützung bei der Gestaltung von Veränderungsprozessen im Sinne eines Beta Kodex? Sie meinen als Visualisierungstechniken? Kann man da dagegen sein, gegen Visualisierungen?
Chris Argyris hat ja mal geschrieben: Erst wenn man Dinge visualisiert, gibt man dem anderen überhaupt die Chance, ein Argument kritisch zu hinterfragen, zu widersprechen, gemeinsam zu arbeiten.
(Das sollten sich übrigens viele Manager mal hinter die Ohren schreiben!)
Beste Grüsse und in der Hoffnung auf lebhafte Debatte,
Niels Pfläging