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    (not a XING member)
    11 Mar 2004, 3:49 pm
    Inspiration
    Ich lese das Wirtschaftsmagazin brand eins und gewinne daraus
    inspirierende Gedanken und erhalte dadurch Gesprächsstoff, der zu
    intensiven Gesprächen führt, das gefällt mir gut, denn ich mag
    oberflächliche Gespräche ganz und gar nicht.

    Dieser Auszug macht ihnen hoffentlich Lust den gesamten Artikel zu lesen.

    Für mich ist es immens wichtig, den Unterschied bestehen lassen zu können
    und nach dem zu fragen, was den anderen dazu bewogen hat, in dieser Art
    und Weise darüber zu denken und welche Motive dahinter liegen.




    http://www.braneins.de

    Einigkeit macht starr


    Dass der andere aber nicht auf der Welt ist,
    um nach unseren Erwartungen zu leben,
    ist eine reife Erkenntnisleistung – in der
    Regel braucht man für sie Narben, Falten,
    angehäuftes Leben.
    Schaut man die Management-Aufrüstungsliteratur
    zum Thema durch, dann
    springt einem eher das zu Vermeidende ins
    Auge: „Konfliktfrei führen“, „Wie man
    Konflikte löst“ und „Konflikte positiv bewältigen“
    heißt es da. Konflikt scheint ein
    Unwort zu sein, etwas, dem man gern aus
    dem Weg geht. Die Konsequenz davon ist
    Harmoniesucht. Der Hang zu Konformismus
    und übersteigertem Sicherheitsdenken
    liegt wie Mehltau über vielen Teams
    und Abteilungen.
    Man schweigt, weil man den „lieben
    Frieden“ nicht stören will, der Meinungstrend
    in eine andere Richtung geht oder
    der Chef an seinem Durchsetzungswillen
    keinen Zweifel gelassen hat. Eine verquere
    Fürsorglichkeit: Man will den anderen
    schonen. Jemanden schonen aber heißt
    jemanden entmündigen. Man stellt sich
    über ihn, wertet ihn ab, erklärt ihn implizit
    zum Pflegefall.
    Für die negative Bewertung des Konflikts
    gibt es nicht zuletzt historische
    Gründe. In den mitteleuropäischen Nationen
    wurzelt ein tiefes Misstrauen gegenüber
    den Konkurrenzmechanismen einer
    liberalen Gesellschaft. Gemeinschaft, Harmonie,
    Geschlossenheit heißen die ebenso
    illusionären wie beharrlich beschworenen
    Sozial-Ideale.
    Hartnäckig hält sich auch besonders
    unter Deutschen das Vorurteil, Unternehmen
    würden durch das harmonische
    Zusammenspiel und Einverständnis der
    Mitarbeiter zusammengehalten. Nur ganz
    selten wird deutlich, dass gerade der
    Umgang mit Konflikten den eigentlichen
    sozialen Kitt unserer Firmen bildet.
    Konflikte sind nicht das Ende des Denkens,
    sondern sein Anfang.
    Die Systemtheorie hat wesentlich zum
    Verstehen von Konflikten beigetragen (nicht
    unbedingt zu ihrer Lösung). Aus systemischer
    Sicht ist menschliches Verhalten
    immer sinnvoll. Aus der Innenperspektive.
    Mag es, von außen betrachtet, noch so unsinnig
    erscheinen – aus der Innenperspektive
    handelt jeder Mensch so, wie es ihm
    in dieser Situation angemessen erscheint.
    Das gilt auch für den Konflikt: Systemisch
    gesehen, ist konfliktäres Verhalten
    ein sinnvoller Beitrag zum gemeinsam aufrechterhaltenen
    Status quo. Es nutzt den
    Beteiligten. Sonst würden sie sich schlicht
    anders verhalten; sonst würden sie anders
    entscheiden, andere Möglichkeiten nutzen.



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    This post was modified on 29 Mar 2004 at 01:47 am.
  • Volker Lehmann
    Volker Lehmann    Premium Member
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    26 Oct 2004, 11:36 am
    Re: Inspiration
    Hallo Frau Osterfeld,

    der Artikel regt in der Tat zum Nachdenken an - und zu Diskussionen. Ganz unbekannt ist der Gedankengang den meisten Kollegen und Freunden nicht. Aber die Bereitschaft zur Auseinandersetzung ist doch sehr häufig eher gering ausgeprägt. Das stelle ich auch an mir selbst fest. Allerdings ergeben sich deshalb nicht zwangsläufig nur oberflächliche Gespräche.

    Im privaten Umfeld fällt es in der oft viel zu hektischen Zeit viel leichter, Konflikte nicht so direkt auszutragen. Es ist doch so, dass man häufig froh ist, endliche etwas Ruhe zu haben und nicht noch nach dem Arbeitsstress wieder in eine Auseinadersetzung steuert. Das ist nicht unbedingt von Vorteil - zumindest nicht immer. Ich konnte auch feststellen, dass es fruchtbarer ist, die Konflikte nicht zu vermeiden sondern direkt anzugehen. Das ist natürlich ein vortreffliches Feld für lange Diskussionen...

    Ich lese das Magazin gelegentlich auch. Kennengelernt habe ich es in der unglücklichen Zeit der New Economy, ausgerechnet in einem untergehenden Start Up, welches viel darauf hielt, in brand eins erwähnt zu werden. Das hat mich lange davon abgehalten, das Magazin wieder zu lesen. Mittlerweile bin ich wieder sehr interessiert an den Ideen und Meinungen in brand eins, obwohl mich Wirtschaftsmagazine sonst eigentlich nicht interessieren.

    Gruß
    Volker Lehmann