Regionalforum Bonn

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  • Angelika Salmen
    Angelika Salmen    Premium Member   Group moderator
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    Bericht zum 1. Networking-Dunkeldinner
    „Im Dunkeln ist gut munkeln“ wusste schon Ovid, und nun hatten die Gruppenmitglieder im Rahmen des Regionalforums Bonn die Möglichkeit, am 23.11.2010 gemeinsam ein „Dunkeldinner“ zu verbringen und diese ungewöhnliche Erfahrung zu machen.

    „Was die Dunkelheit erfährt, wird das Licht nie sehen.“

    Mit diesem persischen Sprichwort wirbt die unsicht-Bar in Köln im Sinne Bereicherung durch Verzicht.
    Blenden wir freiwillig den Sehsinn aus, erleben wir eine Intensivierung der anderen Sinne.
    Ob das stimmt, können wir nun die Gäste des ersten „Networking-Dunkeldinners“ fragen.

    Der Sehsinn liefert mehr als 80 Prozent aller Informationen aus unserer Umwelt. Er hat die höchste Aufnahmekapazität von allen Sinnen, gefolgt vom Gehör- und vom Tastsinn.

    So berichten Teilnehmer von einem kurzen Fluchtimpuls beim Eintritt in die totale Dunkelheit.
    Danach aber stelle sich eine wohltuende innere Ruhe ein.

    Wie speist man nun im Dunkeln, wenn das Auge nicht mitisst? Messer, Gabel und Löffel sind nur dann perfekte Tools, wenn ich sie sehe. Das Schaufeln der Speisen mit dem Messer auf die Gabel gelingt einigermaßen. Doch dann stellt sich die Frage, wie überprüfe ich, was noch und ob noch was auf dem Teller ist. Für strukturierte Esser fällt eine geplante Einnahme der verschiedenen Zutaten aus. Sie sind froh, wenn sie etwas erwischen, egal in welcher Reihenfolge. Oft landet die Gabel leer im Mund. Den findet man allerdings immer. Es besteht zum Beispiel keine Gefahr, dass man sich Wein ins Ohr schüttet oder ein Stück Broccoli auf den Kopf legt.

    Die anderen Sinne schärfen sich, werden stärker beachtet. Jedes Geräusch wird bewusst wahrgenommen.
    Auf jedes Zweiergespräch am Tisch wird von den anderen aufmerksam gelauscht. Also aufpassen beim Flirten! „Dunkelheit schafft zu- und vertraulichere Gespräche.“ berichtet eine Teilnehmerin.

    Ebenso übernehmen die Hände einen Teil der Orientierungsaufgabe. Berührung und Tasten wird wichtiger. Als weiteren sinnlichen Genuss empfehlen die Teilnehmer die Finger beim Essen zur Hilfe zu nehmen. Sieht ja keiner!

    Auch der Geruchssinn wird feiner. So gab es Gespräche über die Parfums der Teilnehmer mit genauen Beschreibungen der möglichen Ingredienzien.

    Und wie läuft das Ganze ab?

    Im sanft beleuchteten Eingangsbereich der schwarz-gelben unsicht-Bar wählen die Gäste Speisen und Getränke.
    Auf Diabetiker, Allergiker und Sonderwünsche wird komplikationslos eingegangen.

    Unser persönlicher Kellner Felice führte uns dann – nach einer kurzen Verhaltensanweisung – durch eine Doppeltür mit kleinem Zwischenraum in das rabenschwarze Restaurant, das gut 60 Gästen Plätze bietet. Felice ist blind und in der Dunkelheit viel kompetenter als wir. Mit der Hand auf der Schulter des „Vordermannes“ ging es als Polonaise zum Tisch. Hier wurde jeder einzelnen Person gezeigt, wo sich Tisch und Stuhllehne befinden, dann erzählt, was an Utensilien auf dem Tisch liegt und in welcher Position.

    Fragt der Kellner: „Wo ist Ihr Glas?“ Antwortet der Gast: „Hier!“
    „Was bedeutet „hier“? Wo ist Ihr Glas?“
    „Rechts neben meinem Teller. Und der steht mittig vor mir.“
    Präzise Kommunikation ist gefragt.

    Dann beginnt die Ausgabe der Speisen und Getränke wie in jedem anderen Restaurant, außer dass die Kommunikation und Organisation ohne den Sehsinn auskommen muss.
    Es wird geredet, gelacht, bestellt, gekleckert.

    Die Gäste waren zufrieden, von wunderbar bis sehr schön, philosophierten über ihre Sinneserfahrungen. Neue Erlebnisse empowern die Kreativität. Wir können der Welt nichts hinzufügen, aber immer wieder neue Kombinationen des Vorhandenen erfinden.

    Meine Spezialität: ungewöhnliche, spannende und lustvolle Methoden auch im Bereich des Managementtrainings einzusetzen! Wie wäre es mit einer Konfliktklärung, einer Ideen- und Lösungswerkstatt oder einer Teamentwicklung, die zum Teil im Dunkeln stattfindet? Emotionale und sinnliche Erlebnisse sichern den Transfer.

    Das „Networking-Dunkeldinner“ im Regionalforum Bonn wird in 2011 als Kostprobe wiederholt.
    Man darf gespannt sein, wer sich diesmal traut.

    Herzlich
    Angelika Salmen

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