Chrome - Google´s browser

Chrome - Google´s browser

Posts 1-10 of 12
  • Boris Jebsen
    Boris Jebsen    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Chrome - der neue Shootingstar?
    Was ist Chrome?

    Chrome ist der Name eines neuen Internet Browsers, den Google am 2. September 2008 der Öffentlichkeit in Form eines Comics und wenige Stunden später als Download vorgestellt hat. Laut ersten Tests ist Chrome im Vergleich zu anderen Browsern überdurchschnittlich schnell und verfügt über eine minimalistische Bedienoberfläche. Ausserdem werden Sucheingaben und URL´s bei Bedarf nach Eingabe weniger Buchstaben automatisch aus einer Datenbank vervollständigt, die Bookmarks werden in ähnlicher Weise nach dem Prinzip der Häufigkeit des Besuchs angeordnet. Das alles passiert aber auf Kosten des Datenschutzes - jede Chrome Installation bekommt eine individuelle Kennungszahl, die zusammen mit anderen Daten an Google Server übermittelt wird und eine Profilerstellung des Nutzers ermöglicht.
    Der Name "Chrome" bezieht sich auf die Bedienoberfläche, diese kann bei Bedarf komplett abgeschaltet werden, um es Webapplikationen zu ermöglichen, im eigenen Fenster in Vollbilddarstellung zu starten. Ausserdem ermöglicht es die Entwicklung und Nutzung eigener Templates für den Browser.

    Technische Details

    Jeder Browser arbeitet mit einer Rendering Engine. Diese sorgt dafür, das die Dokumente und Medien, die in Form von HTML, CSS und anderen Sprachen auf den weltweiten Servern liegen, optisch aufbereitet möglichst schnell auf dem Computer des Nutzers dargestellt werden. Chrome nutzt eine Rendering Engine namens "Webkit", die von Apple entwickelt wurde und auch Basis des Safari-Browsers ist. Zusätzlich wurde eine besonders schnelle Java-Skript Implementierung eingebaut, was vor allem den Umgang mit animierten Objekten und best. Medien im Netz beschleunigt. Ausserdem wird Chrom von Haus aus mit "Gears" ausgeliefert, einer Google Eigenentwicklung, die dynamische Webinhalte in Form einer Datenbank auf dem Rechner des Nutzers zwischenspeichert. Damit wird es möglich, Dokumente im Netz auch offline zu lesen - sobald erneut eine Online Verbindung besteht, synchronisiert sich Gears mit der Website und neue Inhalte werden automatisch aktualisiert. Allerdings muss eine Webseite für die Nutzung mit Gears vorbereitet sein.
    Da heutzutage fast keine Seite im Netz ohne Webapplikationen auskommt, die zumeist in Form von JavaScript vorliegen, hängt die Geschwindigkeit eines Browsers beim kompletten Aufbau von Webseiten maßgeblich davon ab, wie schnell die Engine diese Scriptsprache darstellen kann. Bei Chrome ist dafür eine virtuelle Engine namens V8 verantwortlich, die vor allem die Stärken von Mehrkern-Prozessoren voll ausnutzt. Öffnet man im Browser mehrere Tabs (also mehrere Internet Seiten gleichzeitig), so wird jedem Tab ein eigener Prozess zugewiesen. Das bezieht sich sowohl auf die Rendering Engine, als auch auf die JavaScript Ausführung. Kommt es nun auf einer Webseite zu einem kritischen Fehler, wirkt sich dieser nur auf den betroffenen Tab aus und nicht auf den gesamten Browserbetrieb. Dieser wird dadurch in der Handhabung deutlich robuster - Fehler bringen ihn nicht mehr so leicht zum Absturz, wie das früher der Fall war.
    Ein weiterer Vorteil der V8-Engine ist die sgn. "Hidden-Class-Transition". Dazu muss man wissen, das die Sprache JavaScript ursprünglich ohne Klassen auskommt, im Gegensatz zu Objektorientierten Programmiersprachen wie z.b. C++ oder C#. Die "Hidden-Class-Transition" erweitert nun JavaScript versteckt ("hidden") um Klassen. Dadurch teilen sich Objekte mit gleichen Eigenschaften eine Klasse, was dynamische Optimierungen erlaubt, die die Ausführungs-Geschwindigkeit steigern.
    Doch damit nicht genug, greift V8 noch tiefer in die Trickkiste. Fast alle Computer-Hochsprachen (bis auf Basic) werden nach dem Schreiben des Sourcecodes kompiliert und damit in eine von dem Prozessor direkt lesbare Maschinensprache übersetzt, was die Ausführungsgeschwindigkeit deutlich steigert. Der Prozessor liest also nicht Befehle wie "void" oder "public static" (die von menschlichen Programmierern genutzt werden, um Programme zu entwickeln), sondern er verarbeitet eine in Maschinencode übersetzte Version, die aus schier endlosen Zeichenketten von "0" und "1" besteht, dem sgn. Binärcode. Das steigert die Geschwindigkeit enorm, da der Schritt der Übersetzung von einer Sprache in die andere parallel zur Ausführung des Programms wegfällt. Die Chrome Engine V8 geht einen ähnlichen Weg und erzeugt aus dem JavaScript-Code, den sie auf einer Webseite findet, Maschinencode, der wiederum von dem Prozessor direkt ausgeführt werden kann. Weitere Tricks sollen den durch diese Technik erhöhten Speicherverbrauch minimieren und nicht mehr gebrauchte Elemente wie Zeiger oder Vektoren zeitnah löschen.
    Optisch hat Chrome u.a. die Darstellung von URL´s (Webadressen) verändert. Diese werden nun für jeden Tab einzeln im Kopfbereich des Browsers angezeigt, Google nennt diesen Bereich "Omnibox". Adresseingaben und Suchanfragen verschmelzen in einer Eingabebox, dazu kann man - wenn man diese Funktion nicht deaktiviert - eigene Eingaben automatisch analysieren und nach Eingabe von wenigen Buchstaben vervollständigen lassen, entsprechend den Surfgewohnheiten in der Vergangenheit.
    Pop-Up Fenster werden grundsätzlich nicht automatisch geöffnet, statt dessen werden sie in Form eines Schalters optional angezeigt.
    Die am häufigsten besuchten Webseiten werden als verkleinerte Bilder dargestellt, was an das Speed-Dial von Opera erinnert. Sowieso kennt man viele Funktionen bei Chrome in ähnlicher Form bereits von Opera und Firefox. Allerdings setzt Chrome bewusst auf Minimalismus und konzentriert sich auf die wesentlichen Dinge.
    In Punkto Sicherheit setzt Google mit Chrome u.a. auf eine ständig aktualisierte Liste von bekannten Schadseiten, vor deren Besuch der Nutzer aktiv gewarnt wird. Damit sollen Phising-Attacken und das Einschleusen von Schadcode reduziert werden. Allerdings funktioniert das leider bei PlugIn´s von Dritt-Anbietern nur begrenzt, da Google keinen Einfluß auf die Rechtevergabe bei diesen Programmen hat. Eine weitere Sicherheitsfunktion soll der "Inkognito-Modus" bieten (von Lästermäulern auch "Porno-Button" genannt). Besucht der User im Inkognito-Modus Webseiten, so hinterlässt das auf seinem Rechner keinerlei Datenspuren, weder im Browser selber noch an anderer Stelle. Allerdings ersetzt diese Funktion im Ernstfall nicht Anonymisierungsdienste wie TOR, die zusätzlich noch die IP (Nutzerkennung des Rechners) verschleiern.

    Fazit

    Chrome erfindet das Rad nicht neu, sorgt aber durch eine clevere Auswahl der besten Features aller bisherigen am Markt befindlichen Browser und eine konsequente technische Optimierung auf Geschwindigkeit dafür, das derzeit kein anderer Browser Seiten schneller darstellt. Vor allem Google eigene Angebote wie z.B. YouTube profitieren deutlich von dieser Optimierung.
    Verschweigen darf man allerdings auch nicht, das grade bezüglich Datenschutz der neue Google Browser mit Vorsicht zu geniessen ist. Vor allem die Vergabe von individuellen Nutzer-ID´s und die Übermittlung dieser und anderer Daten an Google Server ist vor dem Hintergrund der wachsenden Sensibilität der Öffentlichkeit gegenüber unkontrollierter Datensammelwut von Unternehmen und Behörden kritisch zu sehen. Auch die Übermittlung von Suchanfragen und Webadressen greift in das Persönlichkeitsrecht jedes einzelnen ein und sollte tunlichst vor der regelmäßigen Nutzung des Browsers in den Optionen deaktiviert werden. Insbesondere durch die parallele Nutzung von anderen Google Diensten wie Google Mail, Google Earth oder Google Docs (einer online basierten Bürosoftware) lassen sich im Zweifel sehr genaue Nutzerprofile erstellen. Gut für Google und dessen Ambitionen, Werbung möglichst Zielgruppen-orientiert auszuliefern - schlecht für Menschen, die eh schon vor dem gläsernen Bürger warnen und den Menschen die Hoheit über die eigenen Daten zurückgeben möchten. Jüngst hat auch das Bundesamt für Sicherheit (BSI) vor dem Einsatz der Betaversion von Chrome gewarnt, da dieser derzeit noch große Sicherheitslücken aufweist.
    Sollte Google die Bedenken ernst nehmen und über die rein technischen Verbesserungen hinaus auch den Datenschutz ernster nehmen und dort nachbessern, wird Chrom mit Sicherheit den Markt für Browser über kurz oder lang neu ordnen. Das dürfte vor allem die bisherige Dominanz des Internet Explorers von Microsoft betreffen, der grade in der Version 8 neu erscheint. Aber auch OpenSource Browser wie Firefox dürften ein paar Federn lassen - es wird spannend...

    Links:
    http://www.google.com/chrome/
    http://www.google.com/googlebooks/chrome/
    http://gears.google.com/
    http://docs.google.com/
  • Jörg Menker
    Jörg Menker    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re: Chrome - der neue Shootingstar?
    Mir fehlt bei Chrome vor allem auch die Möglichkeit, über Plugis neue Funktionen nachzurüsten. Soetwas wie Adblock Plus könnte dabei zu einem Killer-Plugin werden. Und natürlich müsste man die ID-Übermittlung abschalten können und besser gleich entfernen.

    Jörg Menker
  • Michael Singer
    Michael Singer    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re^2: Chrome - der neue Shootingstar?
    bezüglich der ID sollte man nicht vergessen, dass diese zum Beispiel auch im Firefox enthalten ist.
    Objektiv betrachtet also nichts neues.
    Nur im Fall der Datenkrake Google wird man misstrauisch - zurecht oder nicht?
  • Boris Jebsen
    Boris Jebsen    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re^3: Chrome - der neue Shootingstar?
    Wie man die ID abschaltet, haben wir im folgenden detailliert geschildert:
    https://www.xing.com/app/forum?op=showarticles;id=13318885;a...

    Was PlugIn´s betrifft, werden die auf jeden Fall kommen. Das ist ja das schöne an Chrome - es basiert auf einer Opensource Lizenz. Entwickler weltweit können für den Browser jede nur denkbare Erweiterung basteln. Vor allem im Zusammenspiel mit Android ( siehe: https://www.xing.com/net/mobile_opensource/ ) wird Chrome den Markt für mobile Browser (auf Smartphones und Netbooks) rasch aufrollen.
  • Florian Dömges
    Florian Dömges    Premium Member
    The company name is only visible to registered members.
    Re^4: Chrome - der neue Shootingstar?
    bezüglich der ID sollte man nicht vergessen, dass diese zum Beispiel auch im Firefox enthalten ist.
    Können Sie das erläutern oder belegen ?
  • Michael Singer
    Michael Singer    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re^5: Chrome - der neue Shootingstar?
    Florian Dömges schrieb:
    Können Sie das erläutern oder belegen ?
    hier:
    http://www.mozilla.com/en-US/legal/privacy/firefox-en.html

    da steht z.B.:
    "Like most web browsers, Firefox sends information to the websites you visit, including (1) Non-Personal Information ... and (2) Potentially Personal Information such as your IP address. This information may be logged on the websites you visit. "

    oder ... (und hier haben wir den unique numeric value):
    "Automated Update Service ... This feature also sends Potentially Personal Information to Mozilla in the form of a cookie named “aus” that contains a unique numeric value to distinguish individual Firefox installs."
  • Florian Dömges
    Florian Dömges    Premium Member
    The company name is only visible to registered members.
    Re^6: Chrome - der neue Shootingstar?
    Da sehe ich aber schon einen Unterschied. Firefox sendet nicht bei jedem getippten Buchstaben eine id an eine zentrale Website. Und die Übertragung der IP hat nichts mit dem Browser zu tun, sondern ist eine Eigenschaft des Internets. Die IP ist bei normalen Heimanschlüssen auch dynamisch vergeben und damit nicht personenbezogen.
  • Thomas Werning
    Thomas Werning    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re^7: Chrome - der neue Shootingstar?
    Hallo,
    Da sehe ich aber schon einen Unterschied. Firefox sendet nicht bei jedem getippten Buchstaben eine id an eine zentrale Website. Und die
    Macht Google dies?


    ” that contains a unique numeric value to distinguish individual Firefox installs."
    Also auch im Firefox eine eindeutige einzigartige ID.


    Grüße
    Thomas Werning
    This post was modified on 09 Sep 2008 at 10:52 am.
  • Florian Dömges
    Florian Dömges    Premium Member
    The company name is only visible to registered members.
    Re^8: Chrome - der neue Shootingstar?
    Macht Google dies?
    Werde ich mal überprüfen. Nach dem was ich so gehört habe: ja.

    ” that contains a unique numeric value to distinguish individual Firefox installs."
    Also auch im Firefox eine eindeutige einzigartige ID.

    Nur im Updater
  • Michael Singer
    Michael Singer    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re^7: Chrome - der neue Shootingstar?
    Da sehe ich aber schon einen Unterschied.
    entscheidend ist der zweite Punkt mit "unique numeric value"
    und ansonsten können Sie ja mal den ganzen Link lesen

    jedem getippten Buchstaben eine id an eine zentrale Website.
    das wäre mir im Falle Chrome aber auch neu
    Übrigens ... Chrome soll lt. aufgezeichneten http-Traffic seine ID bei updates NICHT mitsenden!

    Wie dem auch sei ... beide IDs (Firefox und Chrome) ... kann man ausschalten
    This post was modified on 09 Sep 2008 at 11:05 am.