CiW Business Club

CiW Business Club

Posts 1-1 of 1
  • Klaus-Peter Fuhrmann
    Klaus-Peter Fuhrmann    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Auf ein Neues.......
    Liebe CiW-XINGlerinnen,

    während sowohl einige Unternehmer als auch Arbeitnehmer noch in den letzten Tagen des Jahres gestresst von Termin zu Termin hetzen, lehne ich mich zurück und lese in einigen Foren, was andere bewegt. Außerdem gehen einige Emails bei mir ein – als teilweise recht persönliche Anmerkungen zu meinen zahlreichen Diskussionsbeiträgen.

    Eine Frage taucht immer wieder auf: Was ist der Mensch, was ist seine Arbeitskraft, heute noch wert ? Oder: Was m u s s sie wert sein, um die laufenden Kosten bestreiten zu können, die auch 2011 wieder steigen werden (z. B. Miete, Krankenkasse, Energie). Da werden einerseits vom Bundesarbeitsgericht tarifliche Vereinbarungen der christlichen Gewerkschaft gekippt und es ergehen diverse Urteile in Richtung Mindestlohn. Auf der anderen Seite sind einige Betriebe und Branchen gar nicht in der Lage, mehr zu bezahlen, da wiederum deren Kunden nicht mehr ausgeben wollen.

    Ganz unterschiedliche Reaktionen hat zudem ein Freundesbrief ausgelöst, den ich kurz vor Weihnachten an meine Kontakte versendet habe. Ein Auszug:

    "Andererseits ist ein bescheidener Lebensstil in Deutschland gar nicht möglich. So ist es nicht erlaubt, in einer Gartenlaube zu wohnen, um Miete zu sparen. Der Staat verpflichtet mich zum Abschluss einer Kranken- und Pflegeversicherung mit einem Mindestbeitrag von etwa 150 Euro monatlich – auch wenn ich kaum etwas verdiene. Und für viele Jobs sind Haftpflichtversicherung, Gewerbeerlaubnis und andere Dinge vorgeschrieben, die viel Geld kosten. In der Adventszeit war ich fast täglich auf der Straße und spielte Theater oder führte Touristen – auch bei eisigen Temperaturen. Ich freute mich, wenn zu durchschnittlich 30 Euro Verdienst auch mal ein paar Euro extra hinzukamen, weil es den Zuschauern besonders gut gefallen hat und möchte nicht mit den gestressten Zeitgenossen tauschen, die der Konsumrausch treibt. Dass weniger mehr sein kann, wusste auch schon Salomo: „Besser ein trockener Bissen mit Frieden als ein Haus voll Geschlachtetem mit Streit.“
    Dass meine Arbeit "auf der Straße" beachtet wird, war auch in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu sehen."

    Während mir einige Leute zur guten Nachfrage gratuliert haben und auch den Verdienst recht ordentlich fanden, fielen auch Bemerkungen wie Hungerlohn und unter Wert. Es gab Kommentare wie „schade, dass mir Theater spielen nicht liegt, könnte auch ein paar Euro extra gebrauchen“, aber auch „Du m u s s t unbedingt etwas anderes machen.“

    Christen erinnern gern an die Arbeiter im Weinberg (gleicher Lohn für alle), was sicher in der heutigen Zeit unrealistisch ist. Doch: Was kann ein Ungelernter denn nun tatsächlich verlangen und was ist ein Unternehmer mit gutem Gewissen und Bankkonto bereit zu zahlen ? Diese Fragen seien vor der These gestellt, dass bis zu 3 Millionen Menschen in Deutschland 2011 m e h r verdienen m ü s s e n, ohne arbeitsmarktrelevante Vorzüge bieten zu können (also tariflich gesehen Branchenfremde/Ungelernte) u n d dass diese Menschen auf klar definierte feste Bezüge angewiesen sind, sich also nicht vor solche Karren wie Provision und Erfolgsbeteiligung spannen lassen wollen.

    Für die Christen noch eine weitere Anregung: Ich denke, dass ein Verweis auf Hartz IV grundsätzlich nicht erfolgen kann – Jesus hat seinen Jüngern auch nicht gesagt, dass sie die Menschen zu den Römern schicken sollen. Abgesehen davon ermöglicht Hartz IV kein menschenwürdiges Dasein in Deutschland.

    Ich freue mich auf Kommentare und Anregungen und wünsche allen ein gesegnetes und schönes 2011.

    Klaus-Peter Fuhrmann