CiW Business Club
Posts 1-2 of 2
-
Timo Plutschinski Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Schuldenkrise - Der Schreck entheiligt die Mittel
Ein interessanter Artikel von FOCUS-Redakteur Frank Thewes, der zum Diskutieren einlädt.
Herzlicher Gruß
Timo Plutschinski
Die dramatische Entwicklung an den Finanzmärkten lehrt uns endlich, was virtuelles Geld am Ende wert ist: nämlich nichts.
Insgeheim haben wir es alle längst gewusst, aber nur wenige wollten es wahr haben: Die vielen Staatsschulden kann niemand jemals zurückzahlen. Und irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, in dem das jedem klar ist. Nun ist er endlich da. Schneller als erwartet – und ganz anders.
Politik auf Pump hat jahrzehntelang hervorragend funktioniert. Es war ein tolles Geschäft, von dem vermeintlich jeder einen Vorteil hat: Politiker konnten mehr verteilen und finanzieren, als sie ihren Wählern abknüpfen wollten. Die (meist) ärmere breite Masse bekam staatliche Almosen oder sogar kostenlose Beglückungsprogramme. Die reiche Elite kassierte kräftig Zinsen auf das Geld, das sie ihrem eigenen Land oder auch anderen Staaten ohne persönliches Risiko geliehen haben.
Spielverderber gab es nur selten
Nur ein paar Sonntagsredner haben sich daran gestört, dass sich selbst als super solide eingestufte Länder wie Deutschland inzwischen Kredite brauchen, um die Zinsen für früher geliehenes Geld zu bezahlen. Einst haben Regierungen ihre Bürger angepumpt, um damit als Investition in die Zukunft etwa neue Straßen zu bauen. Heute hat sich die Pump-Politik so verselbständigt, dass keiner mehr so genau weiß, was wie finanziert wird. Nur das schon immer schwachsinnige Motiv, mit Anleihen Kriege zu befeuern, scheint sich noch immer gehalten zu haben, wie das traurige Beispiel der USA zeigt.
In immer mehr Gesellschaften hat sich durch das schnell verfügbare Geld sogar der Gedanke breit gemacht, nur von Kapital allein leben zu können. Und das sogar besser als die Deppen, die immer noch glauben, sie müssten für ihre Bedürfnisse selbst schuften oder ihren Bürgern Industriebetriebe zumuten. Der Traum vom sich selbst schöpfenden virtuellen Geld ist ein fataler Irrtum. Wie gefährlich der Spruch „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten“ wirklich ist, verstehen viele erst, wenn auch die letzte Anlagenblase nach der anderen geplatzt ist.
Babys am Rande der Insolvenz
Vor der Finanzkrise Teil II, die scheinbar in Griechenland begann, hat sich kaum jemand daran gestört, dass ein Baby in einem reichen Industrieland rein rechnerisch mit 25 000 Euro Staatsschulden zur Welt kommt und dafür bis ans Lebensende mindestens 60 000 Euro Zinsen zahlen muss. Oder es müsste in Deutschland angesichts der schon jetzt beträchtlichen Steuer- und Abgabenlast anderthalb Jahre umsonst arbeiten, um die Schulden zurückzuzahlen.
Die Welt wird an der Finanzkrise nicht untergehen. Sie kann sogar besser werden, wenn wir die richtigen Schlüsse aus dem seit 2007 ablaufenden Crash auf Raten ziehen. Dazu gehört, dass Eltern ihr Geld vielleicht besser direkt in die Ausbildung ihrer Kinder stecken als es einem Staat zu leihen, der damit garantiert keine besseren Schulen baut. Oder dass Unternehmer Überschüsse in die Ideen motivierter Mitarbeiter investieren statt mit Cross Currency Swaps auf ein vorzeitiges Leben ohne Arbeit zu zocken. Oder dass wir einen Teil unserer Ersparnisse lieber für die Geschäftsidee eines Freundes riskieren als sie von der steigenden Inflation und Steuer auf einem Bankkonto wegfressen zu lassen.
Für uns hat der Schock tatsächlich etwas Gutes: Der Schreck entheiligt unsere vermeintlich unbegrenzt vermehrbaren finanziellen Mittel. Wir lernen hoffentlich, dass sich Geld nur auf Illusionen stützt. Wenn dahinter am Ende kein realer Wert mehr steckt, ist es Nichts.
- 10 Aug 2011, 1:54 pm
-
Sebastian Mann Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re: Schuldenkrise - Der Schreck entheiligt die Mittel
Hallo zusammen,
gerne kommentiere ich diesen Artikel mit meinem Artikel der in kommenden Tagen veröffentlicht wird. Gerne freue ich mich auch auf einen direkten Austausch über diese Sichtweise der weltweiten Investitionspolitik.
- Schon wieder eine Krise? Und was lernen wir daraus? -
Erneut hat der Kapitalmarkt in den vergangenen Tagen massive Einbrüche in Milliardenhöhe erfahren. 6 Tage in Folge haben weltweit bereits die größten Konzerne weltweit negative Kurse verzeichnen müssen. Doch was hat dies eigentlich alles mit uns als Personen direkt zu tun?
Was denken wir persönlich denn darüber, dass der Depotwert mal wieder erneut innerhalb von einer Woche um bis zu 20 % gesunken ist? Stellen sich erneut die Fragen wer dafür verantwortlich ist? Wer für diesen Schaden zuständig ist und wen wir hierfür haftbar machen können? Sind es wieder Banker, Versicherungesgellschaften, Politiker, Immobilienspekulaten oder der liebe Gott höchst persönlich?
Wann beginnen wir eigentlich mal genauer hin zu sehen? Erneut wurde allen Kapitalmarkt-Teilnehmern bestätigt, das die Kursentwicklungen an den weltweiten Börsen nichts mehr mit einer langfristigen Investitionsstrategie zu tun hat. Rating-Agenturen die eigentlich nur Informationen übermitteln, werden verantwortlich für diese Situation gemacht, obwohl die vorwerfenden Staaten seit Jahrzehnten über eine miserable und lediglich kurzfristige Geldpolitik verfügen. Doch wann beginnen wir umzudenken? Wann beginnen wir unsere Investitionsstrategie zu überdenken?
Spätestens seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2007/2008 hat man feststellen können, das wir weltweit mehr Wetten in Formen von Derivaten im Umlauf haben, als reales Vermögen überhaupt vorhanden ist. Spätestens hier hat man erkennen können, das Kapitalmarkt gesteuerte Medienberichte zu weltweiten Verunsicherung auf für Unternehmer führten. In einer Dramatik wie schon lange nicht mehr haben wir Zeiten von Kurzarbeit, Geschäftsauflösung und Milliarden Krediten für handlungsunfähige Banken & Staaten erlebt. Und doch konnte man fast keine reale Veränderung in unserem Handeln erkennen. Kaum waren die Bücher wieder einigermaßen mit Aufträgen gefüllt begann die weitere weltweite Schuldenaufnahme, die weitere Investition in unrentable Wirtschaftsbereiche und ein neuer Investitionsboom durch überwiegend institutionelle Investoren in den Kapitalmärkten.
Doch wie soll diese Zukunft für uns aussehen? Wann werden wir den Zeitpunkt erreicht haben an dem all unsere Schulden auf Seiten der Staaten beglichen sind? In der Historie zu erkennen wurden derartige Krisen meist durch Kriege beseitigt um wenigstens der Inflationsangst entgegenzuwirken. Ich bete darum, das dies uns nicht widerfahren wird, sondern wir mental umdenken und unsere Investitionsstrategie wieder langfristig ausrichten. Kaum jemand mehr investiert in die reale Unternehmensstrategie, Unternehmensführung geschweige denn in die Mitarbeiter. Einziger Fokus ist die egoistische Vermehrung unseres eigenen Kapitals. Schön geredet wird es lediglich mit den scheinbaren entstehenden Fortschritten die realisiert werden.
Für mich persönlich steht fest, das das ständige Abwarten von Veränderungen, gesteuert durch die weltweiten politischen Akteure auf lange Zeit nicht die gewünschte Veränderung herbeiführt wird wie wir es uns ersehnen. Einzig und allein jeder einzelne selbst ist in der Lage diesem Lauf entgegenzusetzen in dem er genauer hinsieht wie die Investitionen seines eigenen Kapitals Einfluss auf den gesamten Kapitalmarkt nimmt und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.
Leider stehen wir gesellschaftlich noch sehr am Anfang um diese nutzbare Transparenz auch im Vermögen von Versicherungsgesellschaften, Fondsgesellschaften, Banken, Staaten oder Unternehmensvermögen zu durchschauen. Doch nur wenn wir beginnen diesen Standard zu fordern haben wir die Möglichkeit selber diesem Trend entgegenzuwirken und unseren Kindern eine Zukunft zu ermöglichen in der nicht halbjährlich derartige Crashs realisiert werden und eigentlich kaum jemand mehr Vertrauen in Staaten, Wirtschaftszweigen geschweige denn Unternehmen wirklich aufrecht erhält.
Jetzt mag der eine oder andere vielleicht auf die Idee kommen die institutionellen Investoren zu beschuldigen, dass derartige Strategien von deren Seite aus verfolgt werden. Doch eins muss hier noch eingeworfen werden, nämlich das diese lediglich Ihr Geld verwalten und dem Druck der Rendite Ihrerseits gefordert dieser Investitionspolitik unterliegen.
Fakt ist eins, dass der derzeitige Trend uns nicht nur um unser eigenes Vermögen beunruhigen sollte sondern uns dazu auffordert ein Umdenken persönlich geschehen zu lassen.
Sollten Sie bereits zu den Investoren gehören, die darauf achten Unternehmen mit intelligenten und langfristigen Strategien mit Ihrem Kapital zu unterstützen dann danke ich Gott für diese Weisheit die Ihnen widerfahren ist. Möge es noch mehre von Ihrer Sorte geben um diesem Trend entgegenzuwirken.
Selbst Jesus Christus hat bereits vor mehr als 2.000 Jahren gelehrt, das seine Arbeit jedem einzelnen Menschen gewidmet ist und nicht nur seinem egoistischem Portmonee. Vielleicht mag diese Vision lediglich als ein Traum eines jungen Investmentbankers aussehen, doch eins möchte ich mir niemals vorwerfen lassen, das ich es nicht aus eigener Kraft versucht habe diesem Trend entgegen zu wirken um nachhaltig dem Umgang mit Geld und Besitz wieder eine neue nachhaltige Bedeutung zu geben. Und damit ist nicht ausschließlich die Investition in erneuerbare Energien gemeint. Nein dies betrifft viel mehr als nur grünen Strom!
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Mann
- 10 Aug 2011, 3:30 pm
