gestern war ich bei einem Coaching-Treffen und wir haben darüber diskutiert, dass man sein eigenes Urteil über eine Person (z.B. den Klienten) oder eine Situation beim Coaching zurückstellen sollte. Eine Teilnehmerin schlug vor, das Urteil bewusst durch Mitgefühl zu ersetzen.
Es kam dann zu einer Diskussion über Werte und Überzeugungen. Zuerst ist es immer hilfreich, sich darüber klar zu sein, dass wir alle voll von solchen Werten sind und meistens davon ausgehen, dass auch unser Gegenüber unsere Werte teilt. Zum Beispiel hatte ich interessante Begegnungen in Trailer-Parks im Süden der USA, wo alle Leute, mit denen ich sprach, ganz fest davon ausgingen, dass ich ihren Rassismus teilte.
Streng genommen: Sollte ich dazu in der Lage sein, einen Rassisten zu coachen? Dafür müsste ich meine Werte eventuell zurückstellen, wie einen Regenschirm an der Tür zur Sitzung abgeben. Verschiedene Teilnehmer waren der Auffassung, wir könnten unsere Werte nicht zurückstellen. Sogar die Leiterin des Kurses schieß sich letztlich darauf ein, dass man das auch aus Authentizitäts- und Integritätsgründen nicht tun sollte, was ich verstehen kann. Ich denke jedoch, dass wir sehr wohl unsere Werte zurückstellen können, z.B. wenn wir an einem Spiel teilnehmen, uns von einem Kriminal-Roman fesseln lassen oder sogar mal einen Stift aus dem Büro mitgehen lassen.
Was denkt ihr dazu?
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