Confare - Meetingpoint

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  • Gudrun Ghezzo
    Gudrun Ghezzo    Premium Member   Group moderator
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    Confare in China Teil 1
    Herzliche Grüße von meiner China Reise, wo ich für einen internationalen Konzern ein Training in angewandter Statistik für Entwicklungsingenieure und Qualitätsmanager durchführe. Bei all meinen Reisevorbereitungen in das Land der Sonne habe ich mir unter anderem Gedanken gemacht, wie ich mich wohl auf ein derartiges Training (gleich in vierfacher Auflage) in einem Kulturkreis, der dem unseren doch sehr unterschiedlich ist, vorbereiten muss. Aus diversen Unterlagen und Ratschlägen von Kollegen, Freunden und Bekannten habe ich dann ein paar essentielle Informationen für mich zusammengetragen.

    Im Grunde genommen geht es ja darum, eigene Einstellungen und Selbstverständlichkeiten im Zusammenhang mit dem sonst so gewohnten Tagesablauf zu hinterfragen.
    Die erste Einstellung, in die ich mich versuchte, hineinzuversetzen, ist die des Analphabetismus. Da ich seit meiner Ankunft gestern schon ein paar Mal in dieser Situation war, hatte ich die Gelegenheit, mich in Vertrauen zu üben. Nach 2 Stunden Fahrt im Taxi auf Straßen, dessen Beschilderungen man nur sehr sporadisch lesen kann (weil manchmal auf Englisch angeschrieben) mit einem Taxilenker, der fließend Mandarin spricht (nur ich leider nicht), blieb mir auch nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass der Lenker weiß wohin er mich bringen wird, und sein Wissen auch mit meinem Wunsch übereinstimmt, wir uns nur nicht über diese Einigkeit verständigen können. Und so war es auch. Die Situation des Nicht-Verstehens und Nicht-Lesen-Könnens hat sich noch ein paar Male wiederholt, und jedes Mal durfte ich nicht nur die Bestätigung meines Vertrauens erfahren, sondern auch einer weiteren Tatsache vertrauen: An jeder erdenklichen Ecke erwartet einen hier Hilfsbereitschaft. Von Passanten, die zufällig Englisch können, und schnell mal aushelfen, vom unerbittlichen Bemühen, das Gesagte in noch zwei Versuchen anders zu wiederholen, von der Gelassenheit der Menschen hier, die den Umgang mit uns „Langnasen“ gewohnt sind.

    Das zweite Paradigma, das ich hierzulande hinterfrage, ist das der gewohnten Trainingsmethoden. Nachdem ich hier in China ein Thema bearbeite, das ich in Deutschland, der Schweiz und in Großbritannien schon erprobt und verbessert habe, sollte die Choreographie ja in allen Einzelheiten bekannt sein und funktionieren. In dem Bewusstsein, dass Asiaten schon eine ganz andere Fehlerkultur haben, ist es mit der Wissensvermittlung ähnlich. Plakative Methoden, die den Teilnehmer erkennen lassen, dass eine andere als die gewohnte Vorgehensweise sinnvoll wäre, verfehlen hier ganz ihren Sinn und Zweck. Hier ist der sanfte Weg der Erkenntnis gefragt, und niemand will sich selbst oder andere hier öffentlich in Frage stellen. Somit habe ich Gruppenübungen, wo Kleinteams miteinander in einen sportlichen Konkurrenzkampf treten (am europäisch harmlosen Beispiel eines Spielzeuges), weggelassen, was gut so war. Auch sind Hierarchien in diesem Land sehr wichtig, was mich dazu geführt hat, die Kleingruppeneinteilung und Organisation innerhalb der Gruppe vollständig den TeilnehmerInnen zu überlassen.

    In Summe bleibt auch hier zu sagen, dass die Menschen, die den Umgang mit Europäern gewohnt sind, deutlich einen Schritt in die Richtung der Fremden machen, um das Miteinander zu erleichtern, mitunter sogar liebgewonnene Gewohnheiten hintanstellen. Das trifft in höchstem Maße auch auf die Gruppe zu, mit der ich in diesen ersten Tagen hier arbeite, denn es ist ihnen bewusst, dass ein kultureller Unterschied Näherungen von beiden Seiten erlaubt. Ob die Chinesen uns da einen Schritt voraus sind?