Confare - Meetingpoint
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Gudrun Ghezzo Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Essen, Trinken und lokale Gewohnheiten - Confare in China Teil 3
Auch hierzulande ist nun Wochenende, zumindest für die meisten der produzierenden Betriebe. Das Wochenende, wie auch die Arbeitszeiten unter der Woche werden strikt eingehalten, die wenigsten Angestellten haben so etwas wie eine Überstundenregelung oder Gleitzeit. Selbst wenn mancherorts diese Gleitzeit und dazugehörige Kernarbeitszeiten eingeführt worden sind, werden sie nur selten wahrgenommen, da die entsprechende Infrastruktur das nicht erlaubt: Die meisten kommen mit Shuttlebussen aus den Wohngebieten ins Industriegebiet, und die fahren nunmal nur um acht Uhr hin und kurz vor 17:00 wieder zurück.
Nicht von der Wochenendruhe bedacht sind Angestellte des Handels und der Gastronomie: Geschäfte und Supermärkte haben das ganze Wochenende offen, auch am Abend gibt es Öffnungszeiten bis ca. 22:00.
Auch ich habe mittlerweile einen Streifzug durch mehrere lokale Küchen hinter mir, sodass mir klar ist, dass die "heimischen" China Restaurants wohl nur einzelne Fragmente der hiesigen Küche und Esskultur übernommen und mit europäischen Elementen vermengt haben. "Vermengen" ist überhaupt etwas, was der hiesigen Esskultur nicht entspricht: Was an Essenszutaten nicht auch schon im Kochtopf vereint war, wird auch beim Anrichten nicht kombiniert, ebenso wenig beim Essen selbst. Einzige Ausnahmen davon ist das Reisschälchen, das schon mal mit dem ein oder anderen Stückchen Fleisch oder Löffelchen Sauce kontaminiert werden darf, aber auch nie das gesamte Schälchen auf einmal. Und was auch immer tierischen Ursprungs in den Kochtopf kommt, ist auf gar keinen Fall von nicht essbaren Anteilen getrennt. So hat auch fein gehacktes Hühnchen fein gehackte Hühnchenknochen mit sich, der Fisch obwohl zerkleinert all seine Gräten, und auch die Meeresfrüchte sind klarerweise in ihrer unzerteilten Pracht im Essen. Da kann es schon mal vorkommen, dass man auf seinem Teller einen Fischkopf findet und ein paar Stückchen Gemüse.
Generell habe ich mich von Anbeginn meines Chinaaufenthaltes an die Devise gehalten "erst kosten, dann fragen", seit den getrockneten Entenmägen frage ich aber nicht mehr immer nach, wenn ich das Geschmackserlebnis im Nachhinein nicht trüben will.
Die Vielfalt der Gerichte ist jedenfalls phänomenal und scheint mir hier deutlich höher als bei uns, allein in der Werkskantine gibt es täglich mindestens 12 verschiedene Speisen, und ich habe dort bisher keine Speise zweimal gesehen, sieht man vom obligaten Reis und den drei immer gleichen Suppen mal ab. In der Restauration des malerischen Nokia-Siemens Doppelturmes gibt es sogar eine Speisekarte, die über hundert verschiedener Gerichte enthält. Ebenso vielfältig sind die Gewürze, mit denen die Gerichte zubereitet sind, hier ist (fast) jedes eine Kostprobe wert und wird zum geschmacklichen Erlebnis am Gaumen. Die Zubereitung ist meist so fein, dass man den Geschmack von roten und grünen Chilischoten unterscheiden kann, und eine große Palette Kräuter und sonstiger Pflanzenbestandteile verwendet wird. Die mit Seegras zubereiteten Gerichte erinnern mich zwar immer wieder an meine Zeit im Mikrobiologie-Labor, wo wir die Nährböden für Bakterien und Pilze mit Agar-Agar zubereitet haben, aber das tut dem Aroma der Gerichte nur bedingt Abbruch.
Mit den Getränken, die hier zusätzlich zu den international üblichen angeboten werden, freunde ich mich dagegen weniger an. Der reine Tee ist zwar aromatisch herrlich, und wenn er mit Quellwasser zubereitet und es ohne Zucker bis in die Tasse schafft, hält der Tee auch was das Aroma verspricht, jedoch ist das nicht immer der Fall. Geschätzt ist die Anbaufläche, die man für die Zuckermenge eines Glases fertigen Tees oder auch Fruchtsaft braucht, größer als der Tisch, auf dem das Glas später steht. Da ist es kein Wunder, dass China die weltweit drittgrößte Zuckerproduktion aufweist.
Was die Essgewohnheiten der Chinesen anbelangt, so unterscheiden sich diese auch sehr von den unseren. Es sei gleich mal vorausgeschickt, dass nicht alles, was die Chinesen beim Essen tun, mit unseren Tischgebräuchlichkeiten vereinbaren ließe, aber diese Tatsache hat auch umgekehrt Gültigkeit. So berührt in der chinesischen Tischkultur kein Finger das Essen, auch nicht, wenn nicht essbare Bestandteile den Mund wieder verlassen. Was dazu führt, dass eine Hand mit zwei Stäbchen bewaffnet ist, und die andere Hand entweder mit einem Löffel der charakteristischen Form, oder aber sie befindet sich unterm Tisch. Wer als Europäer den Umgang mit Stäbchen nicht gewohnt ist, braucht sich auch nicht zu genieren: Wenn ab und zu etwas neben den Teller fällt, sieht das meist noch schöner aus, als der durchschnittliche Essplatz eines Chinesen. Auch ist es absolut im Bereich der Norm, den Mund etwas näher zum Reisschälchen zu führen, und zur Not die Distanz, über die die Stäbchen das Essen befördern müssen auf 1-2 cm zu reduzieren. (Das dazugehörige Bild erspare ich Ihnen später auf Facebook :-)). Auch besagte nicht essbare Bestandteile der Gerichte verlassen ohne Berührung von Hand oder Stäbchen wieder den Mund, und auch die Serviette ist dafür nicht vorgesehen.
Dafür sind auch Gepflogenheiten, die wir während des Essens zeigen, in der chinesischen Tischkultur streng verboten. Da wäre zum Beispiel das Aufessen - das wird als Beleidigung aufgefasst, und hier habe ich es in der Tat noch nicht beobachtet, dass ein Teller wirklich leergegessen wird. Weiters verpönt ist Fingerfood - wenn schon, dann wird das hier mit Plastikhandschuhen gegessen, niemals mit den bloßen Händen! Und wenn einem Europäer von den Chilis mal die Nase zu laufen beginnt - bitte ja kein Taschentuch benutzen, das tut man gar nicht...
Bleibt unterm Strich: Essen hier ist ein Erlebnis mit allen Sinnen, dem man sich in manchen Punkten erst öffnen muss, kulinarisch aber in jedem Fall belohnt wird!
PS: Fotos auf Facebook kommen im Anschluss wieder aus Österreich. Mahlzeit!
- 11 Dec 2010, 3:38 pm
