Confare - Meetingpoint
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Gudrun Ghezzo Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Straßenverkehr und Einkaufen: Neue Dimensionen aus dem Reich der Mitte
So harmonisch wie hier sieht man selten alle Kontraste aufeinanderprallen.
Während die erste Auflage des Statistiktrainings erfolgreich beendet wurde und nahtlos die zweite Gruppe begonnen hat, sich protestlos in dieses Thema einzufügen, wagte auch ich mich in der Zwischenzeit auf meinen eigenen Trainingsparcours.
Nachdem ich passiv nun schon Teil des Straßenverkehrs bin (zugegebenermaßen mit dem Taxi, was auch nur unwesentlich mehr kostet als in Wien das U-Bahn fahren), habe ich bereits erfahren, dass die Menge an Verkehrsteilnehmern in dieser Stadt enorm groß ist: Fußgänger, E-Bike und Radfahrer, Autobusse, Autos und Taxis (letzere gehören rein schon vom Straßenverhalten her in eine eigene Kategorie) teilen sich die vorhandenen Plätze auf der Straße, um ihren jeweiligen Neigungen nachzukommen: telefonieren, abbiegen, ein- und aussteigen lassen, umdrehen und gegen die Einbahn fahren, sich treffen und ein bisschen tratschen, usw. Damit das alles auch ohne große Verletzungen, Panikattacken und Unfällen funktioniert, dürften hier wohl eigene Straßenverkehrsregeln gelten: Fahren ohne Licht (besonders in der Dämmerung) erhöht die Sicherheit, weil man dafür die Lichthupe besser sehen kann. Jedes Fahrzeug braucht in dieser Stadt in der Tat einen evolutionären Vorteil, durch den es sich vom ganz normalen Gebrauch der Hupe abheben kann. Dieser gehört nämlich so sehr zum gewohnten Klangbild wie das Motorgeräusch selbst. Busse schaffen sich im Übrigen den besagten Vorteil durch den Ton einer Türglocke gefolgt von einem Lautsprecher mit der Ansage "Achtung Autobus biegt links ab". Eine weitere wichtige Regel zum Überleben im Straßenverkehr ist aber auch Vertrauen, und hier insbesondere Selbstvertrauen: Hat man an der Kreuzung einmal eine Richtung eingeschlagen und setzt den ersten Fuß ins Gewühl (um auf einen freien Zebrastreifen zu warten, muss wahrscheinlich ein Feiertag kommen), gibt‘s kein Zurück mehr: am besten man lässt sich nicht aus der Fassung bringen, nur weil ein Porsche Cayenne auch am Zebrastreifen die Straße überquert (wo soll er das auch sonst tun, wo er doch schon den breiten Gehsteig als Fahrspur benutzt hat, um der Kolonne auszuweichen) und hält Kurs auf sein Ziel. So lange alles in diesem alltäglichen Fluss ist, scheint das niemanden zu berühren, und jedes wühlkistenähnliche Spektakel an der Kreuzung, wo sich alle Verkehrsteilnehmer aller Richtungen irgendwie begegnen, löst sich auch schnell wieder in Wohlgefallen auf.
Niemand stößt sich daran, niemand regt sich darüber auf, wenn einem der Vorrang genommen wird, Vorrang ist für alle da, es scheint genug davon zu geben.
Und auf einmal gibt es auch so etwas wie eine Fußgängerzone: Ein Night Market, auf dem die gesamte verbotene Ware verkauft wird, hier lebt das Klischee der gefälschten I-Phones, Gucchi Taschen und Breitling Uhren, in das sich nahtlos Polizeibeamte, Straßenküchen und streunende Hunde fügen. (Dass letztere wirklich ihre letzte Ehre in einer der Garküchen finden, habe ich nicht beobachtet.) Hier bekommt man alles zu kaufen, was man niemals braucht und auch Dinge, die man an so einem Markt nach mitteleuropäischem Ermessen eher nicht kauft (wie zum Beispiel bereits angefangene Kaugummipackerl). Das Handeln ist hier bekanntlich ein Volkssport und auch gleich mein großer Schwachpunkt. Und nun erst recht habe ich es mir gleich mal vorgenommen, und in einem Teehaus auch gleich einen Tee zum angeschriebenen Preis gekauft. Weil die Verkäuferin so nett war. Am nächsten Stand wollte eine andere Händlerin für meinen Geschmack ein bisschen zu viel für ein Stück Jade, worauf ich schon weiterziehen wollte. Der Spaß beginnt dort erst aber, als mir die Dame beteuert hatte, ich soll doch nur ein bisschen mit ihr handeln, sie wird von dem Preis schon noch heruntergehen. Das war eine sehr nette Geste, etwa so, wie sich Kinder zum miteinander Spielen auffordern. Als ich dann nach weniger als 2 Minuten das Stück für ein Drittel des ersten Angebots hatte, war mir auch klar, dass ich noch immer ein "bisschen" zu viel bezahlt hatte. Das wiederum tat unserer beiderseitigen Freude keinen Abbruch, und ich meine, dass das eben auch eine wesentliche Dimension ist.
So ist diese Trainingsreise auch für mich voll des Lernens und rundum eine Bereicherung.
Herzliche Grüße aus Hangzhou,
Gudrun Fischer-Colbrie
PS: In Kürze finden Sie auch auf unserer Facebook Seite Fotos zu diesem Artikel - dies muss aus Österreich gemacht werden, da ich die Facebook Seite (ebenso wie Twitter) hier in China nicht öffen kann - ein Merkmal der staatlichen Zensur
- 09 Dec 2010, 12:16 pm
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Alexander Ghezzo Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: Straßenverkehr und Einkaufen: Neue Dimensionen aus dem Reich der Mitte
Fotos dazu in unserer Confare Facebook Gruppe
http://xing.com/r/gfUwa
- 09 Dec 2010, 4:57 pm
