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  • Re^9: Controller als Berater – das systemische Problem 04.11.2009, 18:29

    Hallo Herr Wahls,

    ich fürchte Sie verrenen sich in eine fxe Idee:
    oder die traditionelle Controlling-Sichtweise hat sich verrannt...

    Oder haben Viele, die etwas schon lange so machen, auch automatisch Recht? Nur ein kleiner Denkanstoß: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:finanzkrise-wirtsch...

    Seltsamerweise verrenne ich mich in guter Gesellschaft.

    >... Aber es ist ein Fehler, die Waffe gegen Komplexität
    in klassich-rationaler Modellbildung zu sehen. Da sind sich die Komplexitätsexperten, die mir bekannt sind, einig.
     
    Die bestmögliche mit bekannte Entscheidungsbasis ist die Kombination aus (kollektiver) Intuition und klassisch-rationaler Datenanalyse. Erstere überwiegt, weil sie schlicht leistungsfähiger ist.
     
    Ähnlich wie Sie schätze ich unternehmerisches Gespür sehr hoch ein und kein Sachverständiger wird behaupten, allein mit Controlling-Informationen - sei das System auch noch so raffiniert - ein Unternehmen erfolgreich führen zu können.

    Es geht gar nicht um das unternehmerische Gespür des Einzelnen. Es geht um Mittel zur Komplexitätsbewältigung, die immer breitere Anerkennung erfahren. Und um eine Controlling-Denkweise, die Schwierigkeiten hat, über den Tellerrand zu schauen.

    Zu Ihrer Vorstellung der kollektiven Intuition, die Sie leider nicht näher ausgeführt haben, zwei Anmerkungen:
    Wäre zu ausführlich. Aber hier gerne ein Hinweis: http://www.youtube.com/watch?v=m3QqDOeSahU&feature=relat...

    1. Denken Sie doch mal an das letzte hierarchieübergreifende (inkl. GF) Unternehmensmeeting, in dem wichtige Entscheidungen vorbereitet wurden und dem Sie beiwohnten.Haben Sie in der kritischen Reflexion des Entscheidungsfindungsprozesses noch Spuren kollektiver Elemente gefunden?
    Deswegen bin ich kein Controllingberater, sondern auf Unternehmensführung spezialisiert. Wenn man davon ausgeht, dass so etwas so stattfinden muss, haben Sie vielleicht Recht. Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, auf dramatisch veränderte Anforderungen mit Änderungen im Detail antworten zu können.

    2. Intuition hat eine bedeutende Schwachstelle. Sie basieren auf unausgesprochenen und meist sehr einfachen Modellen, die intersubjektiv nicht überprüfbar sind. Genau deshalb bedarf es der Korrektur/Ergänzung durch Controlling.
    Letzteres habe ich nie bestritten, Ersteres ist falsch. Intuition basiert auf Modellen, die um ein Vielfaches komplexer sind und mit sehr, sehr viel mehr Daten unterfüttert, als die in Controlling und Unternehmensführung verwendeten. Diese sind im Vergleich mehr als einfach. Diese Nicht-Überprübarkeit (meist nicht einmal für sich selbst) ist direktes Resultat dieser Stärke - und damit größe Schwäche.

    Aber erstens: Deswegen nicht individuell, sondern kollektiv. Und auch nicht (ich hoffe, ich wiederhole es jetzt zum letzten Mal) alleine stehend. Ergänzt durch klassische Systeme. Aber in dieser Reihenfolge. Zweitens: Sind die klassischen Systeme fehlerfrei? Tatsächlich sind sie meilenweit davon entfernt.

    Die Reduktion des gesamten Gedankenmodells, das Basis für die Intuition ist, auf den Modellausschnitt, der sich in vermeintlich klaren Strukturen unterbringen lässt, ist so etwas wie die Einigung auf den aller-allerkleinsten Nenner. Dabei wäre die Bündelung von Potenzialen gefragt!

    Viele Grüße
    Götz Oertel
  • Re^4: Controller als Berater – das systemische Problem 04.11.2009, 22:01

    Guten Abend miteinander,

    zunächst vielen Dank, Herr Dr. Wahls, für die Erweiterung bzw. die Vertiefung meines Blickwinkels. Mich sprang dieser Artikel vor zwei Tagen förmlich an, weil es mir schien, dass er ein wesentliches Problem beschreibt, welches mir seit einiger Zeit regelmäßig in meinem beruflichen Alltag begegnet. Den kurzen Kommentar konnte ich mir da praktisch nicht verkeifen. - Und wenn ich die Diskussion lese, die er letztlich angestoßen hat, dann muss ich sagen, dass ich durchaus froh bin geschrieben zu haben.
    Schlussendlich gebe ich Ihnen recht. In dem Moment, in dem ihr 6-Punkte-Plan greift müsste es zumindest in der Theorie auch mit der Kommunikation passen. Im Grunde beschreiben Sie eine optimale Integration des Controllings in einem interdisziplinären (Projekt-)Team, sehe ich das richtig?
    Aus der Praxis kann ich leider berichten, dass das Controlling im Fall vieler Projekte teilweise nicht einmal oberflächlich informiert wird (möglicherweise geschieht dies unbewusst?), sondern erst hinzugezogen wird wenn das Bauchgefühl von Euphorie in erste Unsicherheit umschlägt - oder das Kind möglicherweise schon ganz in den Brunnen gefallen ist. Und gerade das ist eigentlich sehr schade. Denn auch dem Controller fällt die Arbeit leichter wenn er von Anfang an dabei bis anstatt erst in dem Moment hinzuzustoßen in dem etwas nicht so läuft wie gedacht. Mancherorts ist der Weg zu dem von Ihnen beschriebenen Optimum daher sicher noch weit.

    Schlussendlich noch eine kurze Anmerkung zum Thema "Ertrag": Ich kenne Organisation wie z.B. Greenpeace nicht von innen, könnte mir aber durchaus vorstellen, dass es nicht unbedingt das Ziel solcher Organisationen ist, ihren Ertrag zu maximieren. Von daher war ich bisher der Ansicht, dass es durchaus auch Organisationen gibt, bei denen der Ertrag insgesamt nur eine untergeordnete Rolle spielt.

    Gruß
    F. Körner
    Bu yazı 04.11.2009 günü saat 22:31'de değiştirildi.
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