CSR - Corporate Social Responsibility

CSR - Corporate Social Responsibility

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  • C.-Andreas Dalluege
    C.-Andreas Dalluege    Premium Member   Group moderator   Xpert Ambassador
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    CSR - eine Frage der Kultur?
    Liebe Forenmitglieder,

    meine Diskussionsanregung geht etwas über die deutschen Kulturgrenzen hinaus.

    Als Lead Assessor für den Europäischen Exzellenz Preis der EFQM bin ich regelmäßig quer durch Europa unterwegs um die besten Organisationen zu begutachten. Seit einiger Zeit wird EFQM auch weit außerhalb der EU angewandt und hier fällt es dann noch mehr auf, das CSR eine Frage der Kulturs ist!
    Damit meine ich nicht die Tatsache, ob CSR überhaupt stattfindet oder nicht, sondern vielmehr WAS man darunter versteht.

    Gerade wenn ich in eher orthodox oder islamisch geprägten Ländern untewegs bin, sind manche Sachen, die für uns selbstverständlich sind eine große CSR Aktion und umgekehrt wird über andere Dinge kaum Aufheben gemacht, die für uns extra Leistungen darstellen.

    Was ist dann wirklich bewußt CSR und was nur normaler, lokaler Standard?
    Wie können wir hier einen gemeinsamen Nenner für die Bewertung finden?

    Ich würde mich freuen, wenn ich hier einige Anregungen sammeln könnte, die ich dann bei der nächsten Sitzung der EFQM zur Einarbeitung in die Bewertungskritererien zur sozialen Verantwortung weiterreichen werde.

    MfG
    Andreas Dalluege
  • Dieter Schöffmann
    Dieter Schöffmann    Premium Member   Group moderator
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    Re: CSR - eine Frage der Kultur?
    Lieber Herr Dalluege,

    Sie stellen zwei sehr spannende Fragen nach CSR-Standards und internationalen Bewertungsregeln, die nach meiner Einschätzung zurzeit niemand abschließend beantworten kann. Hier ein paar Hinweise, Einschätzungen ... meinerseits:

    1. Es fängt schon bei der Begrifflichkeit an: CSR: Hier ist m.E. eine Unterscheidung zwischen gesetzlich und gesellschaftlich zugeschriebener (und mittels Sanktionen bis hin zu öffentlicher Skandalierung eingeforderter) gesellschaftlicher Verantwortung einerseits und der freiwillig übernommenen (Übererfüllung von Umwelt- und Sozialstandars z.B. aber auch für gesellschaftliche Herausforderungen wie Bildung und Integration, die nicht unmittelbar das Kerngeschäft berühren) zu unterscheiden. Dies betrifft dann auch die je nach Land, Kultur und gesetzlichen Regelungen unterschiedliche Verortung zwischen "Pflicht" und "Kür". So ist unser duales Ausbildungssystem in den USA und anderen Ländern so nicht bekannt. Da ist dann in den USA großartiges freiwilliges Engagement was in Deutschland seit Jahrzehnten mehr oder weniger zum Pflichtbereich zählt.
    Corporate Citizenship (CC), von manchen synonym mit CSR verwendet - aus meiner Sicht aber zu verstehen als Element und Ausdruck der Corprate Identity, des Selbstverständnisses als (Unternehmens)Bürger am Standort bis hin in der globalen Welt. Aktives (unternehmens)bürgerschaftliches Engagement gestaltet dann das "Kürverständnis" der gesellschaftlichen Verantwortung praktisch aus. Auch hier spielen die kulturellen Unterschiede rein: In den USA hat dann das praktische Unternehmensengagement mit Mitarbeiterbeteiligung (Corporate Volunteering) eine andere Ausprägung und Dimension vor dem Hintergrund eines z.T. nur zweiwöchigen bezahlten Urlaubs und anderer fehlender Sozialstandards gegenüber der deutschen Situation z.B. Vor diesem Hintergrund erscheint so manchem in Deutschland das Engagement der Unternehmen in den USA weiter entwickelt als hier.

    2. Es gibt einige Bestrebungen und Ansätze der Standardisierung in der Messung und Bewertung gesellschaftlichen Unternehmensengagements - auch im globalen Vergleich:
    - GRI - Global Reporting Initiative - globalreporting.org: Berichtsstandard mit Indikatorenkatalog im weiten Feld der CSR auch mit Elementen zum freiwilligen gesellschaftlichen Engagement
    - LBG - London Benchmarking Group - lbg-international.com: Systematik, Bewertungsstandard und Benchmarkinggruppe rund um das freiwillige gesellschaftliche Unternehmensengagement (Corporate Citizenship, Community Investment). Wird allmählich von UK aus in anderen Ländern implentiert. Analysten, Ratings u.a. greifen diesen Ansatz auf. Wir sind zurzeit dabei, LBG auch nach Deutschland zu übertragen. Hierbei stoßen wir immer wieder auf die von Ihnen aufgeworfenen Fragen kulturellen Unterschiede etwa zwischen dem angelsächsischen und kontinentaleuropäischen Rechstsystem u.a.
    - Wir begleiten zurzeit als Dienstleister ein Projekt zur Entwicklung von Mess- und Bewertungsstandards für Corporate Citizenship-Engagement in Deutschland. Hieran sind u.a. einige der DAX30-Unternehmen beteiligt. In diesem Projekt wird aktuell u.a. an den von Ihnen aufgeworfenen Fragen gearbeitet. Über (Zwischen)Ergebnisse kann ich mich gerne mit Ihnen im persönlichen E-Mail-Verkehr oder telefonisch austauschen.
    Generell fände ich den Austausch zwischen Ihren EFQM-Bestrebungen (rund um den Aspekt gesellschaftliche Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit) und den spezifischen Aktivitäten zur Messung und Steuerung eines wirkungsorientierten gesellschaftlichen Unternehmensengagements interessant.

    Beste Grüße
    Dieter Schöffmann
    ds@visavis-agentur.de