CSR - Corporate Social Responsibility

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  • Stefanie Urbach
    Stefanie Urbach    Premium Member
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    Resümee zum Nachhaltigkeitskongress des DenkwerkZukunft (Meinhard Miegel) am 15. Januar '11 in Berlin
    Am Samstag, den 15. Januar 2011, fand die 2. internationale Konferenz der Stfitung kulturelle Erneuerung – Denkwerk Zukunft in Berlin statt. “Weichen stellen. Wege zu zukünftigen Lebensweisen” hieß das Thema, hier meine kurze Zusammenfassung:

    “Sind wir zur Fortsetzung des Wachstumskurses verdammt?”, stellte Stefanie Waltz, Gechäftsführerin der Stiftung zu Beginn die Gretchenfrage. Brauchen wir Wachstum, um genug Mittel gegen die Ressourcenvernichtung zu haben, oder treiben wir so „den Teufel mit dem Beeltzebub aus“?

    Juliet B. Schor: Wie wir sind – Ausprägung, Ursachen und Folgen der westlichen Konsumkultur

    Die erste Referentin, Juliet B. Schor, Professorin für Soziologie am amerikanischen Boston College, lieferte eine detaillierte Analyse des US-/westlichen „Consumerism“. Der Kreislauf von kaufen, wegschmeißen, kaufen, wegschmeißen drehe sich immer schneller, wir hätten ein „fast fashion system“. Alles würde immer billiger und auf mehr Konsum ausgelegt. Bei einem sinkenden Angebot an Arbeitsplätzen und folglich immer weniger Kaufkraft sei das aber ein Teufelskreis. Wenn wir immer mehr und immer billiger produzieren müssen, habe die Umwelt kaum eine Chance. Zu den größten Herausforderungen gehören daher für Schor: Wohlstand für alle schaffen und gleichzeitig die Jobkrise lösen.
    Schor kritisierte, dass wir alle Hoffnung auf Lösung unserer Umweltprobleme in die Technologie legen. Diese Bürde sei für den Fortschritt allein aber zu groß. Juliet B. Schors Lösung:

    “Weniger arbeiten!”

    Ihre Überlegung ist simpel: Weniger Arbeitsstunden bedeuten einen kleineren ökologischen „Fußabdruck“. Soweit, so klar, wenn weniger produziert wird, werden auch weniger Ressourcen verbraucht. Dann aber wird es verwirrend: Weniger Arbeit sorge gleichzeitig auch für mehr Arbeitsplätze, also können wir alle dafür sorgen, dass mehr Menschen Arbeit haben, wenn wir selbst auf etwas bezahlte Arbeitszeit verzichten. Okay, aber was ist damit, dass es a) bei steigender Produktivität dank technologischem Fortschritt sowieso immer weniger Arbeitsplätze gibt, und b) ein auf diese Weise verkleinerter Öko-Fußabdruck weniger Produktivität und damit weniger Arbeit voraussetzt? Denn es wäre doch eine Milchmädchenrechnung, wenn der durchschnittliche Öko-Fußabdruck nur deshalb kleiner würde, weil man die Umweltbelastungen durch eine größere Zahl von Verursachern teilt. Egal. Die durch weniger Arbeit frei gewordene Zeit könnten wir lt. Schor jedenfalls prima dazu nutzen, um mehr zu tauschen, zu teilen, wiederzuverwerten (rise of sharing). Oder um auf unseren Balkonen Gemüse anzubauen (urban food growing), Energie zu erzeugen (micro generation of energy) oder sonstwie Gutes zu tun. Ihr Fazit: Wir müssen uns ändern. Und zwar schnell und drastisch.

    Gerald Hüther: Könnten wir anders sein? Ist eine mentale Umprägung möglich?

    Ein Highlight der Konferenz war der Vortrag des Neurobiologen Gerald Hüther, der mittels Erkenntnissen aus der modernen Hirnforschung erklärte, dass und wie es uns möglich ist, uns zu ändern. Sehr unterhaltsam und eindrücklich machte er den Anwesenden klar, dass die Kraft des logischen Arguments und der Daten nicht ausreiche, eine Veränderung zu bewirken.


    Hirnforscher: Hirn UND Herz sind gefragt

    Das Ganze müsse zwingend an unsere Emotionen gekoppelt werden. Ohne die Aktivierung des Belohnungszentrums in unserem Hirn geht offenbar gar nichts. Fazit: Will man als Öko-Missionar bei Unternehmen gegen den Reiz von Gewinn- oder Bonus-Ausschüttungen anstinken, muss man für die Ausschüttung von neuroplastischen Botenstoffen sorgen. Begeisterungs-Doping nannte Hüther das, oder auch „Gehirndünger“. Das sei der effektivste Nährboden für jeden Umbauprozess.

    Das nach der Pause folgende „buddhistische Panel“ lasse ich hier außen vor – Interessierte können sich auf der Website des Veranstalters DenkwerkZukunft im Videomitschnitt ansehen und -hören, was Dasho Karma Ura, Diego Hangartner, Sulak Sivaraksa und Michael von Brück für „ressourcenveträgliche Denk- und Lebensweisen“ erachten.

    Peter Sloterdijk: Wege zu zukunftsfähigen Denk- und Lebensweisen

    Der dritte Teil der Veranstaltung wurde durch den wortgewandten Philosophen Peter Sloterdijk eröffnet. Er differenzierte mehrere Dimensionen des Wachstums, von denen der Kapitalismus nur eine sei, dafür aber diejenige, mit der wir heute am meisten zu kämpfen hätten. Die erste Dimension, die der demografischen Substanz, habe sich in Europa quasi von selbst geregelt. Die zweite sei die „kognitiv epistemische“ Entwicklung. Diese „Wachstumswelle des Wissens“, könne man aber mit etwas mehr Besinnung in den Griff bekommen. Der Kapitalismus mit seinem Diktum des Wachstums sei da ein anderes Kaliber. Sloterdijk bevorzugt den Begriff „Kreditismus“. Der Motor des Kapitalismus sei nämlich nicht das Gegenspiel von Kapital und Arbeit, sondern der „Zinszwang“, also die Sorge, seinen Kredit zurückzahlen zu können. Und die Aufnahme neuer Kredite, um die alten auszugleichen.

    “Der Kapitalismus ist ein Pyramidenspiel”

    Es sei ein Pyramidenspiel (bekannt auch als Schneeballsystem), das in Europa nur deshalb noch nicht zusammenkracht, weil mit China, Indien etc. neue Player ins Spiel kamen, die eine externe Ausdehnung ermöglicht hätten. Die anderen beiden Gelingens-Voraussetzungen, Produktinnovationen und Prozessoptimierungen, seien in unseren westlichen saturierten Märkten kein Garant für das kapitalistische Paradies. Die Botschaft der Krise? Weg mit der Ökonomie der Aneignung, hin zur Ökonomie der Großzügigkeit. Geben ist seliger als Nehmen. Sloterdijks moralisches Wort in Gottes Ohr!

    In der letzten Diskussionsrunde gesellten sich der Politik-Professor Herfried Münkler, der Sozialpsychologe Harald Welzer und als Moderator der Religionswissenschaftler Michael von Brück zu Sloterdijk. Leider zögerte Welzer, den Moderator ganz zu ersetzen. Von Brücks Moderationsstil verharrte zu oft in der Betrachtung von Allgemeinbildung humanistischer Provenienz. Und so war der zukunftsgewandte Anteil der Erkenntnisse aus der Runde marginal im Vergleich zu dem, was es über Platon, Bach, den Aufstand der Plebeyer und die politische Organologie zu lernen gab. Die weisen, älteren Herren spreizten sich geistreich, allen voran Herfried Münkler, konnten sich dem eigentlichen Thema aber bis zum Ende der Diskussion nicht nähern. Vermutlich weil sie mit ihrer Zustandsbetrachtung ab 494 v.Chr. einfach zu weit ausgeholt hatten. Ein kurzer, thematischer Ausflug in die aktuelle Bildungsmisere verlief im Sand. Aber wer auf einem Podium langweilig doziert, ist vielleicht auch nicht der beste Ratgeber in Sachen moderner Wissensvermittlung. Immerhin verhinderte Harald Welzer mit einer beherzten Unterbrechung, dass schließlich auch noch die Eignung des neuen Mediums Internet für die Kommunikation der guten Sache abgewogen wurde. Welzer lenkte den Augenmerk auf das System und insistierte, die Politik müsse Handlungsbereitschaft erzeugen.

    “Preaching to the Converted”

    Welzer forderte die Prediger auf dem Podium auf, dem längst konvertierten Publikum doch mal Schützenhilfe beim Ausmachen der Nachhaltigkeits-Gegner zu leisten. Die seien nämlich in der Überzahl und ziemlich stark. Jetzt wird es spannend, konnte ich gerade noch denken, da ergriff Herfried Münkler das Wort („Wenn wir über Feinde reden…“) und verpasste der Diskussion mit einer irritierend zusammenhangslosen, antifeministischen Bemerkung über die volkswirtschaftliche Bedeutung von Hausfrauenarbeit den Todesstoß.

    Schlusswort von Meinhard Miegel

    Versöhnlicher beendete der Vorstandsvorsitzende der Stiftung DenkwerkZukunft Meinhard Miegel den Kongress. Er würdigte das „Wunder von Kopenhagen“: Die UN-Klimakonferenz von 2009 habe zu einem gemeinschaftlichen Problembewusstsein geführt. Und er fasste die Vorträgen und Diskussionen in einer guten und einer schlechten Nachricht zusammen. Die schlechte: der kapitalistische und egoistische Wachstumswahn hat uns ganz schön geprägt. Die gute: „Wir können auch anders!“

    Mein Fazit:
    Schön, dass wir darüber geredet haben. Und jetzt? In meinen Augen war es eher eine Wohlfühl-Veranstaltung als aufklärerischer Zukunftskongress. Auf die Einstiegs-Frage von Stefanie Waltz, ob wir Wachstum brauchen, wurde beispielsweise gar nicht erst differenziert eingegangen. Kapitalismuskritik als Common Sense: Unsere Ressourcen sind endlich und permanentes Wachstum pfui bäh. Wäre doch mal interessant gewesen, ob es nicht auch kluge Argumente von Wachstumsverfechtern gibt. Und sind unsere Ressourcen wirklich endlich? Wie sollte sich das Bildungssystem verändern – und was wäre die spätere Aufgabe unserer schlaueren und besseren Kinder? Aber die Podien waren zu homogen, Vertreter anderer Meinungen oder der Wirtschaft waren erst gar nicht eingeladen. Durchaus kluge Gedankengänge wurden nicht diskutiert bzw. führten nicht zu konkreten Ideen oder Ansätzen. Bei mir blieb allein das Mantra des „Wir müssen uns ändern“ hängen. Weiß ich doch. Will ich doch auch. Gekommen bin ich aber, um für mein tägliches Ringen mit dem „Wie denn, bitteschön?“ inspiriert zu werden. Den dritten Kongress wünsche ich mir gegenwartsorientierter. Dazu besser durchmischte Diskussionsrunden, unbedingt auch Vordenker aus der Wirtschaft und gerne ein paar jüngere Geistesgrößen (mit aus der Praxis gespeisten Theorien).


    Stefanie Urbach
    Die beste aller Welten

    Blogpost vom 18.1.: http://www.diebesteallerwelten.de/Blog/Blog.html
    This post was modified on 19 Jan 2011 at 11:33 am.