CSR Professional

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  • Stefan Fomm
    Stefan Fomm    Premium Member
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    Um die Verantwortung bei diesem Thema nicht zu abstrakt erscheinen zu lassen: Es sind - glaube ich - weniger die bösen Hersteller sondern in erster Linie WIR. Wir als Konsumenten, Geldanleger und "Kolonialherren".

    1. Wir als Konsumenten:
    Wenn wir durch den Discounter und Supermarkt gehen, fragen wir uns nicht hin und wieder, wie diese Preise zustande kommen? Eine Tafel Schokolade für 50 €ct, wie kann das gehen? Wenn man die 7% MwSt. abzieht, die Spanne des Einzelhändlers, Produktionskosten und Gewinn für den Hersteller, Spanne für den Großhändler (habe bestimmt noch eine Stufe vergessen, weil ich mich nicht auskenne bei Schokolade) ... Wenn man die Kette rückwärts rechnet: Was kann da noch an Ertrag bei den Bauern ankommen? Beispiele gibt es genug: Kaffee, tropische Früchte. Rechnet das doch mal bei Euren Einkäufen nach. Bei den Bodenschätzen aus Entwicklungsländern verhält es sich genau so.

    2. Wir als Geldanleger:
    Börsennotierte Konzerne wie Nestlé oder Kraft müssen, um die Shareholder zufrieden zu stellen (wieder wir! Entweder direkt oder über Fonds), einen möglichst hohen Gewinn je Aktie erzielen. wir geben uns schließlich mehr mit Omas Sparbuchzinsen zufrieden. Also müssen börsennotierte Unternehmen Gewinn erwirtschaften, und zwar viel!

    3. Wir als "Kolonialherren":
    Wir sollten wissen, dass wir in den industrialisierten Ländern die Nutznießer einer sehr komfortablen Kolonialpolitik sind. Wir haben, anders als in vorigen Jahrhunderten, den Vorteil, dass die rohstoffreichen Entwicklungsländer sich sogar freiwillig selbst ausbeuten. Dazu brauchen wir heute keine Kolonialarmeen mehr. Hinzu kommen unfaire Handelsbedingungen besonders der EU und der USA.

    Als Konsumenten, Geldanleger und Kolonialherren kaufen wir die Schokolade und vieles Andere trotzdem, obwohl wir (vielleicht) ein ungutes Gefühl haben (könnten).

    Was ich sagen möchte: Mich schocken diese Bilder auch sehr und ich bin fassungslos. Bei der Suche nach Schuldigen müssen wir allerdings in den Spiegel schauen, bevor wir andere beschuldigen - und SELBST nach Alternativen suchen. Würden diese Themen mehr Menschen auf der Seele liegen, würden fair produzierte Produkte nicht ein solch kümmerliches Dasein führen. Die Themen sind seit Jahren hinreichend bekannt (Beispiel Kaffee). Anders als vor 65 Jahren können wir heute nicht mehr sagen "Davon habe ich gar nichts gewußt." Jeder ist also in der Verantwortung, etwas gegen dieses schreiende Unrecht zu tun. Es geht im übrigen auch ungefährlicher als vor 65 Jahren.

    Zum Schluss gebe ich zu, dass ich bei besagten Herstellern Schokolade kaufe. Bei Kaffee kaufen wir bereits Alternativen, in der Hoffnung, dass bei diesen Produkten wirklich mehr Geld bei den Bauern ankommt. Also: Ab jetzt im Supermarkt Augen auf!

    Ich freue mich auf einen Dialog.

    Ihr Stefan Fomm
    This post was modified on 28 Sep 2010 at 04:52 pm.
  • Achim Drewes
    Achim Drewes    Premium Member
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    Dr. Ralf Resch schrieb:
    Dieses Beispiel verdeutlicht auch gut das Spektrum von Risiken und Chancen der Nachhaltigkeit: (...)
    - Chance: Unternehmen, die sich um ihre Supply Chain kümmern und diese entwickeln, haben bessere Chancen, die benötigten Rohstoffe und Produkte verlässlich bzgl. Menge, Preis, Qualität und Nachhaltigkeitskriterien zu bekommen. Natürlich bedeutet das Aufwand und einen langen Atem.
     
    Kakao wird nur in relativ wenigen Ländern der Erde angebaut und ist sehr empfindlich hinsichtlich Schädlingen (Pilzen). Was macht also ein Unternehmen der Schokoladenindustrie, das bisher Kakao nur am Spotmarkt kauft, wenn eines Tages gar kein ausreichendes Angebot in entsprechender Qualität vorhanden ist bzw. es aus dubiosen Quellen stammt ...

    Dies ist kein hypothetisches Szenario, sondern eine Realität im Kakaoanbau: Gerade Côte d' Ivoire leidet unter genau dieser Situation. Überalteter Pflanzenbestand, weil über Dekaden zu wenig in den Anbau investiert wurde, Pflanzenkrankheiten und häufig geringe Kenntnisse der Kleinbauern über "good agricultural practices" haben dazu geführt, dass die Erntemengen und Qualität über die letzten Jahre kontinuierlich zurückgegangen sind. Die Folge: Drastische Preissteigerungen für Kakao am Spotmarkt und durch die Ernteverluste Einkommenseinbußen für die Bauern. Letzteres ist dann übrigens auch ein Engpassfaktor bei der Bekämpfung von Kinderarbeit: Viele Kleinbauern können sich kaum leisten, die Kinder zu den eher spärlichen Schulen zu schicken und in der Familie auf ihre Arbeitskraft zu verzichten. Eine fragmentierte Lieferkette mit lokalen Aufkäufern und Zwischenhändlern führt zu Verlusten an Wertschöpfung für die Bauern selber und zu Intransparenz für die Schokoladenhersteller.

    Natürlich kann man gegen diese Situation etwas unternehmen - und das erfordert tatsächlich einen langen Atem und erhebliche Investitionen. Die Organisationen der Kakaobranche arbeiten daran, ebenso einzelne Unternehmen in ihrer eigenen Lieferkette. Nestlé zum Beispiel hat die Risiken für die eigene Rohstoffversorgung erkannt und 2009 den "Nestlé Cocoa Plan" aufgelegt, mit einem Investitionsvolumen von über 100 Mio CHF über einen Zeitraum von 10 Jahren. Ziel ist es, die Versorgung mit hochwertigem Kakao zu sichern und gleichzeitig die Lebenssituation der Bauern nachhaltig zu verbessern. Die Eckpunkte des Programmes: Bereitstellung von leistungsfähigen und krankheitsresistenen Pflanzen, Schulung der Bauern in "Field Schools", mit eigenen Agrarberatern und Partnern vor Ort, und Ausbau des Direkteinkaufs von den Bauern. Dies geht nicht auf einen Schlag, aber nach der Anlaufphase fließen jetzt die ersten Mengen von im besten Sinne nachhaltig erzeugten Kakao aus den Projekten in CDI in die Produktion ein.
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