D2D elektronische integrierte Patientenversorgung D2D
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Wolfgang D. LorenzThe company name is only visible to registered members.Patientensteuerung in Ärztenetze AOK
Steuerung von Patienten
Das Gatekeeper-Prinzip (Gatekeeper wird auf deutsch mit Türsteher übersetzt) ist ein international anerkanntes Instrument zur Steuerung von Patienten. Der Gatekeeper steuert und koordiniert insbesondere die spezialärztliche und stationäre Versorgung des Patienten, damit das Behandlungsziel schneller erreicht wird. Nicht zuletzt deshalb ist das Gatekeeping eines der Kernelemente in der AOK-Strategie zu Arztnetzen.
Da Steuerung und Koordination keinen Selbstzweck darstellen, sollen zunächst die Ziele beschrieben werden, die durch stärkere Steuerung und Koordination erreicht werden sollen. Im Wesentlichen sind hier zwei Zieldimensionen zu nennen: eine medizinische und eine wirtschaftliche.
Gezielte Unterstützung
Die medizinische Zieldimension liegt grundsätzlich in der Heilung oder Linderung der Beschwerden. Aufgabe des Gatekeeper-Arztes ist es, den in der Regel nicht umfassend kundigen Patienten gezielt bei den weiteren Schritten seiner Behandlung zu unterstützen. Damit soll die Behandlung des Patienten so gesteuert werden, dass dieser schnellstmöglich die Behandlung bekommt, die zur medizinischen Zielerreichung führt.
Durch jedes ärztliche Handeln und jede Leistungsinanspruchnahme des Patienten werden Kosten verursacht. Die Mittel zur Finanzierung dieser Kosten sind jedoch nicht unbegrenzt. Es ist daher auch die wirtschaftliche Zieldimension zu beachten. Diese beinhaltet, dass der Patient nicht nur so gesteuert werden soll, dass die medizinischen Ziele erreicht werden, sondern darüber hinaus diese Ziele auch noch möglichst wirtschaftlich erreicht werden.
Gatekeeping soll also zu einer besseren medizinischen und wirtschaftlichen Zielerreichung beitragen. Dafür muss der behandelnde Arzt als Gatekeeper verschiedene Qualifikationen vorweisen:
• Fachliche Kompetenz: Der Arzt muss über ein breites und generelles medizinisches Wissen verfügen. Vertiefte Kenntnisse in der Pharmakotherapie, in der Homöopathie und über das Leistungsspektrum sowie die Leistungsfähigkeit der fachärztlichen und stationären Leistungsanbieter sollten ebenso vorliegen wie ökonomisches Basiswissen.
• Soziale Kompetenz: Der Arzt sollte das Einfühlungsvermögen besitzen, den Patienten mit seinem Leiden Ernst zu nehmen. Ebenfalls wichtig: Offenheit und Transparenz im Handeln, kommunikative Eigenschaften sowie Konsistenz und Systematik.
Einschreibung der Versicherten
Die Einschreibung der Versicherten ist eine wesentliche Voraussetzung für eine effizientere Steuerung der Behandlung. Nur wenn der einzelne Netzversicherte bekannt ist, ist ein gezieltes Management seiner Versorgung sowie eine versichertenbezogene Budgetverantwortung möglich.
Für Einschreibung spricht weiter, dass der Versicherte sich dadurch bewusst für ein Netz und dessen besondere Leistungen und Anreize entscheidet. Die Teilnahme muss freiwillig und kündbar sein. Die Teilnahme wird im Rahmen eines Einschreibeverfahrens erklärt. Dies erfolgt normalerweise beim Hausarzt. Mit der Unterschrift zur Teilnahme erkennt der Versicherte bestimmte Regeln im Arztnetz an.
Der Versicherte verpflichtet sich unter anderem, in Krankheitsfällen (außer im Notfall) immer zuerst den von ihn gewählten Arzt aufzusuchen und dessen Empfehlung bei erforderlichen Überweisungen zu berücksichtigen.
Die Regeln muss der Versicherte befolgen, ansonsten verliert er seinen Anspruch auf die besonderen Leistungen des Netzes. In diesem Falle erhält der Versicherte dann wieder die normalen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Ihm entsteht also kein Nachteil aufgrund der vorherigen Teilnahme am Netz.
Anreize für Versicherte
Arztnetze stellen derzeit keine etablierte Versorgungsform dar. Es ist daher nötig, Anreizsysteme für die Versicherten zu schaffen.
Die Anreize für eine Teilnahme von Versicherten können zielgruppenorientiert gerichtet sein, aber auch einen repräsentativen Querschnitt von Versicherten ansprechen. In Frage kommen dabei drei Arten von Anreizen:
1.) Besondere medizinische Qualität
• Patientenbegleitbrief
• Second opinion (Zweitmeinung)
• Fallmanagement
• Qualitätscontrolling
2.) Zusätzliche besondere Leistungen
• Check-up für Gesundheit
• Anlaufpraxis
• zusätzliche Sprechstunden
3.) Boni und Rabatt für Netzversicherte
• Ermäßigung bzw. Wegfall der Praxisgebühr für den gewählten Hausarzt
• reduzierter Beitragssatz
• Treuebonus
Prinzipiell sollten die verschiedenen Anreizmöglichkeiten im Interesse der Patienten kombinierbar sein. Das erhöht die Attraktivität dieser Versorgungsform und sorgt für eine höhere Akzeptanz. Bei der Auswahl sollte jedoch auf die praktische Machbarkeit geachtet werden: Nicht jeder Anreiz kann ohne weiteres in ein Arztnetz integriert werden. Zum anderen sollte der Umsetzungsaufwand ins Verhältnis zu dem erwarteten Nutzen gesetzt werden.
- 10 Mar 2005, 1:36 pm
