Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen

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  • Gunter Schreyer
    Gunter Schreyer    Premium Member
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    Gunter Schreyer
    Gunter Schreyer (59)
    „In vielen Familien ist die Vorbildwirkung verloren gegangen. Jeder Jugendliche aber soll eine Chance bekommen.“

    Chemnitzer setzt sich für Lehrstellsuche von Jugendlichen ein
    - engagiert sich ehrenamtlich mit der kostenlosen Webseite http://www.lehrstellenmarkt.de.md -
    und http://www.lehrstellenservice.info

    Die traurige Nachricht ist, dass Gunter Schreyer schon seit über 11 Jahren von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II lebt. Er ist zwar „arbeitslos“ im amtlichen Sinne des Wortes, ohne Arbeit ist er allerdings nicht. Im Jahr 1999 las er in einer Zeitschrift die fettgedruckte Überschrift „1000 freie Lehrstellen im Osten“. Diese konnten nur per Faxaufruf und mittels einer kostenpflichtigen 0190-er Nummer in Erfahrung gebracht werden. „Das kann es ja nun wirklich nicht sein“, kommentiert Gunter Schreyer dieses Angebot. Entrüstet darüber, naiven Schulabsolventen das wenige Geld aus der Tasche zu ziehen, entschloss sich der damals 50-Jährige Lehrstellenangebote aus Tageszeitungen zu erfassen und annoncierenden Jugendlichen zuzuschicken. Anstatt tatenlos zu Hause zu sitzen wie zahlreiche ältere Menschen in Ostdeutschland, ergriff der aufrichtige Chemnitzer Initiative und baute in Eigenregie – die Chancen des Internets erkennend – eine elektronische Lehrstellenbörse auf. Unterstützung von den zuständigen Institutionen blieb ihm bis heute verwehrt. Unter http://www.lehrstellenmarkt.de.md/ veröffentlicht er freie Ausbildungsplätze von Firmen, deren Standort Gunter Schreyer nach Postleitzahlen geordnet hat. Zwischen August und November 2008 verzeichnete seine Webseite über 10.000 Zugriffe.
    Seine umfangreiche Kenntnis von ausbildungswilligen Betrieben hat er auch in einem Buch niedergelegt. Daneben ist Gunter Schreyer mit seinem Infostand auf zahlreichen Ausbildungsmessen, Stadtteilfesten und Jubiläumsfeiern vertreten, um auf seinen kostenfreien Infopool aufmerksam zu machen. „Zu diesen Veranstaltungen hätte ich mehr Jugendliche erwartet. Viele leben sorglos in den Tag hinein und begreifen erst spät, dass eine gute Ausbildung der Schlüssel für ein selbst bestimmtes Leben ist“, kommentiert der nimmermüde 59-Jährige das Feedback auf sein Unterstützungsangebot.
    Nach der Wende betrieb Gunter Schreyer einen Getränkeeinzelhandel, den er aufgrund mehrerer Einbrüche und der Pflegebedürftigkeit seiner Mutter aufgeben musste. Seitdem gilt er für die Arbeitsagentur als nicht mehr vermittelbar – „aus Altersgründen“ wie ihm das Sozialamt Chemnitz 2003 mitteilte. „Zu tun habe ich genug, nur wird meine Arbeit nicht genügend anerkannt“, fügt er verärgert hinzu. „Die ARGE reagierte ablehnend, als mein alter Computer seinen Geist aufgegeben hatte und ich mir einen neuen anschaffen musste. Man antwortete mir, ich solle mich lieber um eigene Arbeit kümmern statt um die Lehrstellen für andere.“ Doch der agile 59-Jährige ließ das nicht auf sich beruhen und konnte dank seiner umfangreichen Netzwerke, genügend Spender gewinnen, so dass er einen neuen Computer zusammenbauen ließ.
    Gunter Schreyers normaler Arbeitstag beginnt gegen 6 Uhr. Dann bearbeitet er die eingehende Post und recherchiert anschließend im Internet. „Zum Glück haben wir einen Hund, sonst würde er überhaupt nicht vor die Türe kommen“, scherzt seine Lebensgefährtin über den ehemaligen Facharbeiter für Qualitätskontrolle, der bis spät abends vorm Computer sitzt.
    Gunter Schreyer gibt den Widerstand gegen die Frustration und die herablassende Behandlung durch die Ämter nicht auf. Seine Initiative ist ihm zur Lebensaufgabe geworden. Die anerkennenden Einträge in das Gästebuch seiner Webseite bezeugen ein hohes Interesse für seine kostenlos angebotene Dienstleistung: „Ich danke Ihnen für ihren persönlichen Einsatz im Sinne der jungen Menschen und möchte Ihnen Mut machen, dieses Engagement auch in Zukunft fortzuführen“, schreibt beispielsweise der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks Hanns-Eberhard Schleyer. Für sein Wirken erhielt Gunter Schreyer 2006 ein Schreiben des Bundesministers für Arbeit und Soziales Franz Müntefering, doch finanzielle Unterstützung blieb ihm bislang versagt. Alle Kosten muss er von der monatlichen Hartz IV-Regelleistung in Höhe von 316 Euro begleichen. „ Es gibt einiges, was nicht richtig läuft. Der Staat sollte lieber engagierte Bürger fördern, statt ein milliardenschweres Rettungspaket für die Banken aufzulegen“, bemerkt der 59-Jährige. Er ist überzeugt, dass das Gemeinwesen in der Pflicht steht, gerade Jugendlichen eine Perspektive aufzuzeigen. „Die Vorbildwirkung in den Familien ist verloren gegangen. Das kann man nicht auf sich beruhen lassen. Keiner Stadt und keinem Staat nützt es, wenn die Jugendlichen auf der Straße hängen“, fügt er hinzu. Auch wenn die Arbeitsagenturen verkünden, dass jeder Jugendliche eine Lehrstelle gefunden hat, ist sich Gunter Schreyer sicher, dass am nächsten Tag ein Absolvent bei ihm anklingeln wird.


    Ehrenamt in Chemnitz:
    Gelegen am Fuße des Erzgebirges versteht sich die ehrwürdige Industriemetropole Chemnitz heute als Stadt der Moderne. Auch wenn Chemnitz im Zuge der Wiedervereinigung mit hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung zu kämpfen hat, zeigen viele Menschen ihr Engagement und Beharrungswillen auf ehrenamtlichem Gebiet. Sei es in der Förderung von behinderten Menschen, im Sport, in der Musik und Kunst oder auch in der Landschafts- und Umweltpflege – Chemnitzer packen an, wo es Not tut. Der Stadt beschert dies eine produktive Spannung zwischen industrieller Vergangenheit und noch zu erkundender Zukunft.


    Verein zur beruflichen Förderung von Frauen in Sachsen e.V.:
    Von Zeit zu Zeit arbeitet Gunter Schreyer mit dem Quartiersmanagement seines Stadtteils, Kappel/Helbersdorf, zusammen, das sich in der Trägerschaft des Vereins zur beruflichen Förderung von Frauen in Sachsen e.V. befindet. Der Verein versteht sich als Anlaufstelle für Menschen, die sich engagieren wollen und unterstützt Bürger bei ihrer Suche nach Beschäftigung oder Ausbildungsplätzen. Daneben greift er auch Existenzgründern unter die Arme, indem er ihre Projekt- und Geschäftsideen auf deren wirtschaftliche Tragfähigkeit hin prüft.

    Dieses Porträt wurde erstellt von http://www.verbundnetz-der-waerme.de