Dublin

Dublin

Posts 1-1 of 1
  • Henning Fluks
    Henning Fluks
    The company name is only visible to registered members.
    Gastfreundschaft, die ihres Gleichen sucht, die Zweite ;-))
    Dass Irland meine zweite "Heimat" geworden ist, liegt zu 50 % bestimmt an den Menschen, die ich auf dem heiligen Boden der grünen Insel während meiner diversen Aufenthalte dort kennen lernen durfte. Und eine Geschichte, in der die Iren einem irgendwie herzlicher und mehr "für" einander eingestellt vorkommen, kann gewiss jeder erzählen, der einmal dort war. Aber manche Erlebnisse gehen meiner Meinung darüber hinaus und machen diese Geschichten gerade in der dazu gehörigen Situation besonders.

    Meine Geschichte hat sich im Frühjahr 1997 begeben. Auch ich war für ein Jahr in der glücklichen Situation, an der Dublin City University zu studieren. Die Tatsache, dass man sich dort so genannten "Societies" anschließen konnte, hatte den Vorteil, dass diese Gruppen nahezu jedes Wochenende ein anderes Ziel angesteuert haben. Mal war es das einfache, allwöchentliche Pubquiz, mal der Nightout, die sportlichen Aktivitäten (Interversitys - man maß sich in unzähligen Wettkämpfen mit anderen Unis) oder aber Reisen zu den Sehenswürdigkeiten verteilt über die gesamte Insel.

    Ich hatte also schon eine Menge an Orten kennengelernt, die man bei einem Aufenthalt in Irland nicht vermissen sollte. Ich kann mich heute noch an das Vorweihnachtswochenende in Galway erinnern. Eine so fröhliche und besinnliche Stimmung sucht seines Gleichen. Wir haben bestimmt 3 Stunden lang irische Volkslieder im Kings Head mitgesungen. (OK, so gut es geht).

    Im Frühjahr hatte sich dann meine Freundin für eine Woche angekündigt und ich wollte Ihr eine besondere Gegend zeigen, welche ich bis dahin noch nicht besucht hatte. Es sollte in den Donegal gehen. Ziel war "Slieve League". Dort sollte es die höchsten Felsklippen Europas geben mit dem berühmten One Man's Pass. Dieser, zugegebener Maßen sehr schmale Weg führt einen zum in 598 Metern Höhe gelegenen Gipfel der Felswand und bietet einen unbeschreiblichen Blick über die Bucht und einen grandiosen Sonnenuntergang. Soviel zu meinen Plänen, meine Freundin milde zu stimmen ob der 12 Monate, die ich nicht bei Ihr sein konnte.

    Zusammen mit meiner Freundin, einem guten Freund von der Uni und seiner Freundin ging es in meinem kleinen Fiesta los auf große Fahrt. Nach zwei Zwischenstationen, dem definitiv schönsten Pitch and Put Course, ruhigen Abenden am Torfofen mit mehr als einem Guinness und vielen gesammelten Eindrücken ging es am dritten Tag auf die letzte Etappe. Leider hatten wir die Rechnung ohne meinen eher betagten kleinen Wagen gemacht. Im absoluten Nirgendwo (Das ist da, wo man sich in alle Himmelsrichtungen strecken kann und dennoch kein Haus erblicken kann) blieben wir mit einer Autopanne liegen. Das Kreuzgelenk meiner Lenkstange war gebrochen. An eine Weiterfahrt war nicht zu denken. Auf Grund der Karte, die wir mit hatten, war schnell klar, dass es gut 7 Meilen bis zum nächsten Ort waren. Schnell wurde entschlossen, auf das nächste Auto zu warten. Dies kam auch, wenn auch erst nach anderthalb Stunden. Wir erklärtem dem älteren Herren was geschehen war und er sagte, er würde im nächsten Dorf dafür sorgen, dass wir abgeholt würden.

    Und hier beginnt jetzt auch endlich die Geschichte, die ich eigentlcih erzählen wollte;-)) Ca. 45 Minuten später erkannten wir am Horizont einen Wagen mit Autoanhänger. Der Fahrer war der Besitzer der Tankstelle im nächsten Dorf. Nachdem er sich den Wagen kurz angeschaut hatte war klar, dass wir keinen Meter mehr fahren konnten. Nachdem wir den Wagen auf dem Anhänger festgemacht hatten, ging die Fahrt auf dem Anhänger weiter. Auf der Fahrt erkundigte sich der Tankstellenbesitzer noch ob ich im AAA (irischer ADAC) sei. Nach ca. 20 Minuten kamen wir an. Das Örtchen bestand aus 10 Häuser, davon eine Tankstelle, 3 Pubs, ein Einkaufsladen und ein paar Wohnhäuser. Auf der Tankstelle begrüßten uns die 7 Kinder des Tankwarts, alle aufgereiht der Größe nach. Die wichtigsten Fragen waren mehr oder weniger: "Wo kommt Ihr her" und "Erzählt uns, wie es dort ist". Der Tankwart verschwand zum telefonieren und wir erklärten seinen Kindern, wie es denn so in Deutschland sei.

    Nach fünf Minuten kam der Tankwart zurück und erklärte, dass alles geklärt sei. Er hatte kein Ersatzteil für einen Linkslenker, daher hatte er bei der nächsten Ford Werkstatt angerufen. Die hatten das Ersatztei bereits bestellt und würden den Wagen kurzfristig abholen, um ihn in die Werkstatt zu bringen. Desweiteren hatte er im Pub angerufen und uns angekündigt. "Es kommen gleich 4 Leute aus Deutschland, die ein wenig Pech mit Ihrem Auto hatten und hungrig aussehen;-)) Und unsere Schlafmöglichkeit würde auch gerade organisiert. Im Pub angekommen war schnell klar, dass man uns schon erwartete. Wir hatten den besten Platz mit Blick auf den Fernseher. Warum sollte uns schnell klar werden. An dem Abend spielte Dortmund in der Champions League gegen Manchester. Als wir mit dem essen fertig waren und die ersten Gespräche an der Theke geführt hatten kamen die Jungs vom Tankwart wieder und setzten sich, stolz in Ihren ManU Trikots in die erste Reihe. Irgendwie tat es mir leid, dass Dortmund damals gewonnen hat. Als der Pub schließen wollte und uns jeder bestätigt hatte, wie stolz er oder sie sei, einen Deutschen gesprochen zu haben (Jeder Ire kannte damals Herrn Helmut Kohl und was er für die Europäische Union und damit für Irland getan hat) kam der Tankwart zurück und teilte uns mit, dass unsere Übernachtung jetzt gesichert sei. Er fuhr mit uns durch die irische Nacht zu seiner Schwester, wo zwei Zimmer (eins für die Jungs und eins für die Mädchen ;-)) ) bereit waren, uns aufzunehmen. Wir konnten es kaum glauben, auch weil wir nach einer geruhsamen Nacht und reichlichem irischen Breakfast am nächsten Morgen bei Menschen, die wir noch nie vorher gesehen hatten, nichts zahlen sollten. Die Landlady verabschiedete uns mit den Worten "You had bad luck with your car enough and you will find better ways to spend your money".

    Konsterniert warteten wir vor der Tür auf den Tankwart, der wenige Minuten später ankam und mir mitteilte, dass der Wagen wieder da sei und alles funktionieren würde. Da standen wir nun mit einem wieder funktionsfähigem Fahrzeug dessen Reparatur in der fremden Werkstatt der ADAC bezahlt hat. Nur der Tankwart, der uns aus dieser misslichen Lage gebracht hatte, tat dieses einfach nur aus Gastfreundschaft. Das Einzige, was ich tun konnte, war mein Auto bei Ihm voll zu tanken. Vergessen werde ich diese Geschichte nie!