Online lernen

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  • Marian Heddesheimer
    Marian Heddesheimer    Group moderator
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    28 Feb 2005, 12:14 pm
    Wie freizügig darf E-Learning sein?
    Hallo,

    mich interessiert mal eine ganz grundlegende Frage: Wie freizügig (im Sinne von "wie stark muss ein Teilnehmer durch die Lektionen geführt werden") darf ein Online-Kurs in der Benutzung eigentlich sein?

    Der Hintergrund für die Frage ist folgender: Ich biete meine Kurse derzeit als reine Download-Version an. Der Inhalt kommt bei den Teilnehmern gut an, da die Kurse didaktisch gut aufgebaut sind. Ich möchte nun aber verstärkt WBT (Web Based Training) anbieten, so dass die Teilnehmer von der Software durch die Lektionen geführt werden. Kontrollfragen, die den Stoff der letzten Lektion abfragen, sollen dem Teilnehmer helfen, den Lernerfolg selbst zu kontrollieren.

    Bei einigen Tests habe ich jetzt festgestellt, dass die Teilnehmer diese Kontrollfragen gar nicht annehmen. Meistens wird einfach nur zwischen den Lektionen gerumgesprungen und dann die PDF-Datei (mit dem Text aller Lektionen zum Ausdrucken) heruntergeladen.

    Ich habe schon Plattformen gesehen, bei denen der Teilnehmer die zweite Lektion nicht aufrufen kann, wenn er nicht die Fragen zur ersten Lektion gelöst hatte. Ich selbst würde ein solches Vorgehen eher als gängelnde Bevormundung empfinden und habe daher bisher auf ein solches Verfahren verzichtet. Für den Lernerfolg wäre es jedoch sicher sinnvoll, die Lektionen in der vorgesehenen Reihenfolge zu erarbeiten.

    Wie ist die allgemeine Meinung bei Ihnen? Sie habe sicher auch Erfahrungen in dieser Richtung. Werden solche "geführten" Kurse von Ihren Teilnehmern gut angenommen oder eher abgelehnt?

    Herzlichen Gruß

    Marian Heddesheimer
  • User photo
    Frank Obels
    (not a XING member)
    Hallo Herr Heddesheimer,

    vielleicht erinnern Sie sich noch an mich und meine Linux-"Fernkurse".
    Wir haben zu Jahresbeginn einen neuen Kurs gestartet und die ersten 8000 Teilnehmer sind in Kürze "fertig".
    Nochmals zur Erinnerung: alle drei Tage erhalten die Teilnehmer per E-Mail einen Lehrbrief, Diskussion und Problemlösung erfolgen via Online-Forum, in der Lese-Ecke gibt es weiterführende Lektüre.
    Bis auf den regelmäßigen Erhalt der LearnLetter haben die Teilnehmer "alle Freiheiten" - unsere Kurse können jederzeit begonnen, unterbrochen oder ausgedehnt werden.

    mich interessiert mal eine ganz grundlegende Frage: Wie freizügig (im Sinne von "wie stark muss ein Teilnehmer durch die Lektionen geführt werden") darf ein Online-Kurs in der Benutzung eigentlich sein? Nach unserer Erfahrung braucht es keine direkte Führung (da werden mir sicherlich viele Leser widersprechen), solange Sie vom Schreibstil und der "Dramaturgie" her entsprechende Spannungsbögen zwischen den einzelnen Kapiteln setzen können.

    Meistens wird einfach nur zwischen den Lektionen gerumgesprungen und dann die PDF-Datei (mit dem Text aller Lektionen zum Ausdrucken) heruntergeladen. Und dann vielleicht auch nie wieder hineingeschaut. Das ist schade, denn so entgehen Ihnen ja viele aktive "Mund-zu-Mund-Empfehler".

    Wie ist die allgemeine Meinung bei Ihnen? Sie habe sicher auch Erfahrungen in dieser Richtung. Werden solche "geführten" Kurse von Ihren Teilnehmern gut angenommen oder eher abgelehnt? Nach meiner Beobachtung braucht es Freiheit, allerdings verknüpft mit "Spaß an der Freud". Wenn der Kurs für die Teilnehmer "mühsam" ist, dann helfen wahrscheinlich weder Freiheit noch Führung.

    Wir auf jeden Fall fahren mit der Freiheit gut!

    Viel Erfolg weiterhin und beste Grüße

    Frank Obels
  • Lore Reß
    Lore Reß
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    Hallo,

    eine wichtige Frage, die (nach meiner Meinung) nie global beantwortet werden kann. Es gibt Zielgruppen, die in bestimmten Themen geführt werden wollen und andere, die in anderen Themenbreichen viel Freizügigkeit benötigen.

    Einige Kriterien:
    - Thema, Lernziel
    - Fähigkeit der Teilnehmer zum Selbstlernen und Selbstorganisation
    - Dauer des Kurses
    - Struktur des Kurses
    (Fallstudien oder Gruppenarbeiten, Interaktivitäten...)

    Lore Reß
  • Christian Schultze
    Christian Schultze
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    Hallo,

    da gebe ich Ihnen vollkommen Recht Frau Reß. Ein anderer Aspekt ist auch die Unterscheidung zwischen reinem Selbstlernzweck und der Wissensaufnahme aufgrund von Fortbildung oder ähnlichem.

    Im ersten Fall wird das Interesse direkt durch sich selber geweckt, wordurch ein Führen durch Lektionen nur einschränkend erforderlich ist und ausgesetzte Zwänge wie die beschriebene Testsituation möglichst vermieden werden sollte. Wenn allerdings das reine Selbstinteresse nicht Grundlage des elektronischen Lernens bildet, so sind doch Führen und "moderate" Zwangmaßnahmen (z.B. Testsituationen) unabdingbar.

    Im Rahmen der Entwicklung einer eLearning Plattform und dem Schreiben an meiner Diplomarbeit zur Evaluation einer ebensolchen für ein universitäres Umfeld habe auch ich mich verstärkt mit dieser
    Problematik auseinandergesetzt.

    Grundlegend muss man von 2 Ansatzweisen ausgehen, zum einen eine LERNPlattform, d.h. das wirkliche Vermitteln von Wissen und zum anderen PräsentationsPlattformen wie sie aktuell zuhauf zu finden sind.
    Entscheidet man sich für Variante 1, sollte zwangsläufig der Lernfortschritt sowohl dem Lernenden wie auch eventuell einem Lehrenden zur Verfügung stehen. Dies kann nur in Form von Testsituationen realisiert werden, jedoch sollte dieser am Ende eines Lernprozesse stattfinden. Von Vorteil ist es dabei jedoch, wenn die später auftretenden Fragen zu einzelnen Gebieten, nach Abschluss einer Thematik zur Selbstüberprüfung dargestellt werden, also zwischen Lektionen zur Verständigungskontrolle erscheinen.

    Viel Erfolg Herr Heddesheimer,

    Christian Schultze
  • Dr. Ronald Hartwig
    Dr. Ronald Hartwig    Premium Member
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    Hallo,

    Bei einigen Tests habe ich jetzt festgestellt, dass die Teilnehmer diese Kontrollfragen gar nicht annehmen. Meistens wird einfach nur zwischen den Lektionen gerumgesprungen und dann die PDF-Datei (mit dem Text aller Lektionen zum Ausdrucken) heruntergeladen.
    ja. Aber das ist doch kein Problem. Die Lerner sind sehr verschieden und haben individuelle Vorgehensweisen erlernt. Die PDF-/Papierlastigkeit ist zu erklären, wenn man sich einmal mit der Usability von Lernmaterialien beschäftigt. Wir hatten in der virtuellen Fachhochschule die gleiche Beobachtung. In umfangreichen Tests (insbesondere bei den Lernern zuhause vor Ort) haben wir dann festgestellt, dass in vielen Selbstlernsituationen schlicht kein Rechner oder keine Online-Verbindung bereit steht: Auf dem Weg zur Arbeit in der UBahn, in der Mittagspause, nachmittags, wenn die Familie telefonieren will, ...

    Und dann ist da noch die fehlende Annotierbarkeit von elektronischen Versionen. Anstreichen und Kommentare ankleben geht mit teuren Acrobat-Versionen so leidlich und bei HTML faktsich gar nicht. Doch gerade dieser aktive Umgang mit den Inhalten macht den Lernprozess für viele aus. Und wer einmal versucht, hat eine mathematische Formel an einen elektronischen Text als Anmerkung anzubringen, ahnt, warum immer noch sehr viel auf Papier passiert.

    Ich habe schon Plattformen gesehen, bei denen der Teilnehmer die zweite Lektion nicht aufrufen kann, wenn er nicht die Fragen zur ersten Lektion gelöst hatte. Ich selbst würde ein solches Vorgehen eher als gängelnde Bevormundung empfinden und habe daher bisher auf ein solches Verfahren verzichtet. Für den Lernerfolg wäre es jedoch sicher sinnvoll, die Lektionen in der vorgesehenen Reihenfolge zu erarbeiten.
    Ja, aber es reicht (zumindest bei halbwegs mündigen Lernern), wenn man ihnen das sagt. Technische Sperren haben nämlich noch ein paar höchst unangenehme Nebeneffekte:

    Sie müssten eine beständige Datenbank auf dem Lernerrechner oder zentral installieren, die über die gesamte Lebensdauer des Dokumentes (das sind im Zweifelsfall mehr als nur ein paar Wochen sondern bei nützlichen Dokumenten auch gerne Jahre) die gelösten Aufgaben speichert. Sonst zwingen sie die Lerner nämlich beim Nachschlagen in kapitel 3 erstmal 2 Tests zu machen.

    HTH
    Ronald Hartwig
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  • Dr. Helge Fischer
    Dr. Helge Fischer
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    Hallo Herr Heddesheimer


    mich interessiert mal eine ganz grundlegende Frage: Wie freizügig (im Sinne von "wie stark muss ein Teilnehmer durch die Lektionen geführt werden") darf ein Online-Kurs in der Benutzung eigentlich sein?
    Die Frage kann man eigentlich so nicht beantworten. Wichtige Rahmenbedingungen, um das Mass an Fuehrung festzulegen sind die Eigenschaften der Zielgruppe. Vor allem bisherige Lernerfahrungen (mit eLearning bzw. interaktiven Softwareschulungen) und die Form der Motivation (intrinsisch: aus Interesse oder extrinsisch: weil es von Ihnen verlangt wird). Allgemein gilt: Je intrinsischer (also Interessengeleitet) die Motivation ist, desto weniger Fuehrung benoetigen Lerner. Gerade Lerner mit entsprechenden Erfahrungen, was Ihrem konkreten Fall entsprechen duerfte, benoetigen wenig Fuehrung.

    Wenn Lerner mit einem Produkt zurecht kommen, ohne das Sie gefuehrt werden, so sollte man dies auch dabei belassen. Ein unzweckmaessig starke Fuehrung wuerde tatsaechlich als Bevormundung verstanden werden und fuehrt nicht unbedingt zu einem hoeheren Lernerfolg. Es ist eher das Gegenteil der Fall.

    beste Gruesse
    Helge Fischer



     
    Der Hintergrund für die Frage ist folgender: Ich biete meine Kurse derzeit als reine Download-Version an. Der Inhalt kommt bei den Teilnehmern gut an, da die Kurse didaktisch gut aufgebaut sind. Ich möchte nun aber verstärkt WBT (Web Based Training) anbieten, so dass die Teilnehmer von der Software durch die Lektionen geführt werden. Kontrollfragen, die den Stoff der letzten Lektion abfragen, sollen dem Teilnehmer helfen, den Lernerfolg selbst zu kontrollieren.
     
    Bei einigen Tests habe ich jetzt festgestellt, dass die Teilnehmer diese Kontrollfragen gar nicht annehmen. Meistens wird einfach nur zwischen den Lektionen gerumgesprungen und dann die PDF-Datei (mit dem Text aller Lektionen zum Ausdrucken) heruntergeladen.
     
    Ich habe schon Plattformen gesehen, bei denen der Teilnehmer die zweite Lektion nicht aufrufen kann, wenn er nicht die Fragen zur ersten Lektion gelöst hatte. Ich selbst würde ein solches Vorgehen eher als gängelnde Bevormundung empfinden und habe daher bisher auf ein solches Verfahren verzichtet. Für den Lernerfolg wäre es jedoch sicher sinnvoll, die Lektionen in der vorgesehenen Reihenfolge zu erarbeiten.
     
    Wie ist die allgemeine Meinung bei Ihnen? Sie habe sicher auch Erfahrungen in dieser Richtung. Werden solche "geführten" Kurse von Ihren Teilnehmern gut angenommen oder eher abgelehnt?
     
    Herzlichen Gruß
     
    Marian Heddesheimer
  • Martin Geisenhainer
    Martin Geisenhainer    Premium Member
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    Guten Morgen,

    die Diskussion ist zwar schon etwas älter aber trotzdem immer aktuell. Ich bin generell der Meinung, dass Teilnehmer vom Trainer durch die Schulung geführt werden müssen. Das ist mal grundsätzlich die Aufgabe eines Andragogen und ergibt sich schon ethymologisch aus seiner Berufsbezeichnung. Die Frage dabei ist natürlich, auf welche Weise dies geschieht. Aber der Teilnehmer kann sicherlich in den seltensten Fällen selber entscheiden, in welcher Reihenfolge er die Schulung durcharbeiten soll, insbesondere sollte er die Reihenfolge bei aufeinander aufbauenden Lerneinheiten nicht frei bestimmen können.

    Als mindestens ebenso wichtig, wie die Frage der Führung durch das Programm scheint mir die des Know how Transfers. Es gibt ja immer eine Zeit NACH der Schulung. In der der Teilnehmer das Gelernte (seien es Fertigkeiten oder Verhaltensweisen) anwenden muss. Da ist er ja dann meistens allein. Und soll alles Erworbene im richtigen Kontext präsent haben und auch noch anwenden können.

    Auch hier gibt es ja bereits für verschiedene Anwendungsbereiche (z.B. Software-Schulung) Möglichkeiten (JIT oder auch Workplace-embedded Learning), mittels derer der Teilnehmer auch im Anschluss an eine Schulung kontextsensitiv nochmals entsprechende Inhalte abrufen kann. Aber auch das funktioniert ja nicht in allen Bereichen. Vertriebsschulungen beispielsweise, oder Softskills.

    Wie handhaben andere die Zeit nach der Schulung? Gibt es Unterstützung? Konzepte?

    Sonnige Grüsse aus sich langsam verziehenden Nebel,
    Martin Geisenhainer.
  • Renate Jirmann
    Renate Jirmann
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    Hallo Herr Geisenhainer,
    wir kombinieren Präsenzschulungen mit eienr Lernplattform. Konkret: ich bin gestern von einem Seminar zum Thema "Teamarbeit" zurückgekommen. Am Ende des Seminars planen die TN ihre Praxisaufgaben, die sie umsetzen wollen. Die TN treffen sich nun mit mir weiterhin im virtuellen Lernraum und berichten, wie ihre Vorhaben geklappt haben. Da jeder die Praxisaufgaben der anderen kennt (die zum Teil schon im Semianr geübt wurden, z.B. im Rollenspiel jemanden zu sagen, dass er unangenehm riecht), sind nun alle gespannt, wie dies nun in der Realität klappt. Mit einer Gruppe, die sich kennt, ist eine Nachbetreuung des Transfers relativ einfach.
    Es ist allerdings ein Trugschluss von Ihnen anzunehmen, dass Semianre gemacht werden, um die Inhalte bzw. Erkenntnisse dann auch in der Praxis anzuwenden. Ich kenne eine ganze Reihe von TN, die nur einen Teilnahmeschein wollen (z.B. um sich für eine höherwertige Stelle zu qualifizieren). Erst nach dem Seminar erkennen viele die Mühen, die die Umsetzung macht (gerade bei softskills) und verlieren schnell die Energie und die Lust.
    Viele Grüße
    Renate j.
  • Andreas Hörfurter
    Andreas Hörfurter
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    Hallo Herr Geisenhainer,

    Martin Geisenhainer schrieb:
    Als mindestens ebenso wichtig, wie die Frage der Führung durch das Programm scheint mir die des Know how Transfers. Es gibt ja immer eine Zeit NACH der Schulung. In der der Teilnehmer das Gelernte (seien es Fertigkeiten oder Verhaltensweisen) anwenden muss. Da ist er ja dann meistens allein. Und soll alles Erworbene im richtigen Kontext präsent haben und auch noch anwenden können.
    Wie handhaben andere die Zeit nach der Schulung? Gibt es Unterstützung? Konzepte?

    Wir haben den Transferprozess mit dem Online-Angebot TransferMaster
    http://www.transfermaster.de/ abgebildet. Auch hier werden Praxisziele definiert und terminiert, die dann durch den TransferMaster (im Push-Prinzip) erinnert werden. Nach vollbrachter Umsetzung erhält der Teilnehmer die Möglichkeit, die Umsetzungssituation strukturiert zu reflektieren und erhält ein erstes automatisches Feedback auf seine Reflexion mit spezifischen Tipps. Die Ergebnisse der Reflexion werden zusätzlich einem Coach zur Verfügung gestellt, der nun noch mal individuell auf den Teilnehmer eingehen kann. Die Daten werden noch einmal übergreifend (und anonymisiert) für das Bildungscontrolling aufbereitet. Somit wird der Transferprozess von der Zielsetzung bis zum Controlling komplett abgebildet.

    Herzliche Grüße,
    Andreas Hörfurter