Entwicklungszusammenarbeit
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Joaquin Boehnert Group moderatorThe company name is only visible to registered members.EZ in Afrrika
Afrika braucht Unterstützung - aber nicht jene, die der Westen
derzeit leistet. Die herkömmliche Entwicklungshilfe habe den
Kontinent zum unselbständigen Almosenempfänger erzogen, meint
SPIEGEL-ONLINE-Autor Kurt Gerhardt: Viel besser als Geldgeschenke
wirkten Kredite.
Den vollständigen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,618368,00.html
- 13 Apr 2009, 8:05 pm
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Kristian Brakel Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: EZ in Afrrika
man fragt sich ja schon, warum nach 60 jahren ez und vielen veränderungen, die sie durchlaufen hat, die ez-kritik immer noch mit den gleichen argumenten daher kommt, wie vor 30 jahren.
china -immerhin das beispiel der hauruck industriealisierung auf kosten von natur und landbevölkerung - als beispiel guter entwicklung zu nehmen diskreditiert den artikel ohnehin.
die behauptung dann afrikanische länder sollten industrieprodukte exportieren erinnert fatal an entwicklungstheorien der 50er jahre.
der rückgriff auf kulkturalistische erklärungsmuster ala weber ist dann schon fast abstrus - in großen teilen ostasiens gibt es übrigens auch animistische religionen.
kritik an ez ist notwendig und berechtigt, denn es gibt immer noch zu viel schlechte ez und ja es gibt auch immer noch sehr viele in entwicklungsländern verankerte gründe, warum ez scheitert, aber ein bißchen intelligenter darfs schon sein.
- 18 Apr 2009, 1:05 pm
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Stephan Manning Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^4: EZ in Afrrika
Ich habe gerade den Spiegel-Artikel gelesen und muss auch sagen - ohne Afrika-Experte zu sein - dass der Aufruf nach Eigeninitiative ziemlich platt daher kommt und der Vergleich mit China - nach dem Motto "...was China kann, koennen andere auch..." - extrem hinkt und eher auf die mangelnde Fachkenntnis des Autors schliessen laesst.
Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass ein grosser Teil der projektorientierten Entwicklungshilfe in Afrika versandet und die Vergabepolitik dieses Versanden nicht oder unzureichend verhindert. Damit meine ich nicht unbedingt die Abschoepfungsstrukturen - die wird es immer geben. Eher denke ich, dass zumindest wirtschaftliche Aufbauhilfe sehr viel auch mit Timing und Momentum zu tun hat. So macht etwa eine lokale Clusterinitiative wenig Sinn, wenn es an Investitions- und Humankapitel mangelt, eine zu geringe Nachfrage besteht oder Investitionen bereits in andere Standorte fliessen. Andererseits sind langfristige Investitionen in den Aufbau von Ressourcen - IT-Infrastruktur, Humankapital usw. - vor allem dann sinnvoll, wenn sie anschlussfaehig sind, d.h. wenn diese Ressourcen auch genutzt werden und dabei helfen, weitere Ressourcen und Faehigkeiten aufzubauen... Leichter gesagt als getan natuerlich.
Der Aufruf nach mehr Bildungschancen ist immer richtig. Allerdings koennen auch Bildungsmassnahmen versanden bzw. zu einer Alibi-Veranstaltung werden. Vielversprechend finde ich dagegen Versuche, Bildungschancen im Ausland (USA, Europa) und die Entwicklung von Diaspora-Netzwerken zu foerdern. Ich nenne das mal den 'Obama-Effekt'. Natuerlich will ich damit nicht andeuten, dass ein Obama, nur weil er Wurzeln in Afrika hat, die Entwicklung dieser Region zu seiner highest priority macht. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass 'Auslandsafrikaner' in hohen Positionen zumindest mit einem Auge auch das Wohl Afrikas im Blick haben und - bei richtiger Vernetzung - dazu auch aktiv beitragen.
- 20 Apr 2009, 7:01 pm
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Joaquin Boehnert Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^5: EZ in Afrrika
Hier ein Zitat aus dem Spiegel Artikel:
"Nach einem halben Jahrhundert Entwicklungshilfe für Afrika ist die ganze Geberwelt immer noch überzogen mit einem Netz von Hilfeagenturen aller Art, staatlich und privat. Regierungen, Kommunen, kirchliche Hilfswerke, Unternehmerverbände, Gewerkschaften, eine unübersehbare Zahl von Wohltätigkeitsverbänden, Schulen und Patenschaftsvereinen - alle helfen Afrika, oder besser: wollen helfen. Und Afrika nimmt gern, auch wenn es die eigene Würde verletzt. Die ausgestreckte Hand ist geradezu zu einem Symbol des Kontinents geworden. Die Menschen hüben und drüben haben sich an diesen Zustand so sehr gewöhnt, dass diese Absurdität ihnen normal vorkommt."
Hier hat sich ein System aufgebaut bei dem es hüben wie drüben auch um das eigende Überleben und bei einigen Entwicklungshilfe Experten auch um das eigende Wohlergehen geht. Wie lässt es sich rechtfertigen, dass GTZ, KfW, etc... Experten zum Teil bis über 5000 Euros im Monat mit ihrer Arbeit / Service verdienen? Dies kann weder die verarmte ländliche Bevölkerung in Afrika, noch der deutsche Steuerzahler nachvollziehen!
Dieses ganze System wird dann durch endlose Projekt / Programm Berichte und teuren Publikationen mit Glanz Seiten untermauert, die wiederum auch kaum der afrikanischen Bevölkerung was nutzen, sonder meistens der der eigenden Selbstdarstellung und Rechtfertigung dienen.
Joachim Boehnert
- 23 Apr 2009, 04:56 am
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Stephan Manning Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^6: EZ in Afrrika
Die Kritik an EZ als Selbstzweck kann ich zunaechst gut nachvollziehen. Im Grunde ist die Grenze zwischen EZ und privatwirtschaftlicher Beratung fliessend. Und aehnlich wie Berater sind auch EZ-Experten an Auftraegen, Einkommen und Karriere interessiert. Wie Beratung ist EZ eben auch ein Business....
Damit landet man aber (zu) schnell bei einem Totschlagargument: Weil EZ zu teuer ist und oft nichts nuetzt, gehoert es abgeschafft. Ich wuerde ja anders fragen: Worin ist (deutsche) EZ in Afrika beispielsweise besonders gut? Welche Beispiele gibt es fuer gelungene und nachhaltige Projekte und was waren Erfolgsfaktoren? Wie laesst sich diese Kompetenz auf neue Kontexte uebertragen? Welche Projekte haben wenig gebracht und sollten daher vermieden werden?
In jedem Fall wuerde ich vor Selbstzerfleischungstendenzen warnen. Gemessen am privaten Beratungs- und Zertifizierungsgeschaeft ist staatlich gefoerdete EZ ein Klacks. Regierungen und Wirtschaftsfoerderer in Entwicklungslaendern geben Millionen fuer Beratungsauftraege aus, deren Gehalt oft zweifelhaft ist. Daher zieht fuer mich auch das Steuerargument nicht. Wenn man ueberlegt, wieviel Geld allein der deutsche Staat fuer Beratung so ausgibt....
Ausserdem: Jeder weiss doch, dass es bei Beratung nicht nur um Vermittlung von Expertise und Hilfe zur Problemloesung geht, sondern auch um die Legitimation politischer Programme und den Machterhalt bestimmter Einflussgruppen... Selbst das scheinbar sinnloseste Projekt wird aus bestimmten Gruenden nachgefragt und durchgefuehrt. Der Organisationsforscher Alfred Kieser hat zum Thema Beratung sehr erhellende und erfrischende Aufsaetze veroeffentlicht. Kann ich nur empfehlen...
Kurzum wuerde ich fuer etwas mehr Realitaetssinn plaedieren. Wenn etliche EZ-Projekte fehlschlagen, aber einige zu signifikanten Ergebnissen fuehren, ist das bereits ein Erfolg und der sollte gefeiert werden - aber natuerlich nicht zu ausgiebig ;)
(Sorry, wenn dieser Kommentar nicht sonderlich Afrika-spezifisch war.)
This post was modified on 25 Apr 2009 at 03:39 am.- 25 Apr 2009, 03:37 am
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Kristian Brakel Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^8: EZ in Afrrika
was die gehaltsdiskussion angeht:
verglichen mit gehältern in der freien wirtschaft für führungskräfte sind die meisten ezler sicher nicht überbezahlt.
das argument der ez organisationen, dass man topleute aus kompetetive branchen wie ingenieure auch mit irgendwas aus der privatwirtschaft locken muss ist auch teilweise verständlich.
der große vorteil ist halt die steuerfreiheit vieler bezüge und die im vergleich oft geringeren lebenshaltungskosten im gastland. obwohl dies - wie von tobias oben angesprochen- nicht immer die regel ist, die teuerste stadt der welt ist z.b. inzwischen luanda. bestimmte mehrkosten kommen oft auf ezler, grade mit familien zu, die man in dland nicht hat wie kosten für privatschulen, oft vom arbeitgeber vorgeschriebene sicherheitsauflagen etc.
das sich in manchen el das preisniveau so drastisch erhöht hat ist natürlich ein wechselspiel mit den höheren expatgehältern.
auch diplomaten verdienen meist in diesen ländern ähnlich bzw. z.t. sogar besser. eine ähnliche diskussion zu zu hohen gehältern des auswärtigen dienstes habe ich aber bisher noch nie gehört. ich denke, der grund warum die diskussion in der ez immer wieder aufkommt ist, weil der anspruch der branche in gewisserweise ein moralischer ist. die grundiskussion ob man fürs "gutes tun" überhaupt geld nehmen darf, finde ich unsinnig. die frage der aussenwirkung auf die zielgruppe hingegen wichtiger. man muss als ezler sicher nicht unter genauso schwierigen bedingungen wie seine zielgruppe leben, aber die gefahr den kontakt zu deren realität zu verlieren ist auf jeden fall gegeben.
gleichzeitig finde ich, dass es in der ez als beruf relativ viele nachteile gibt, die man halt mit geld ausgleicht:
-höhere gefahren im job
-gesundheitliche risken (sowohl mental als auch körperlich)
-oft schwierige lebensbedingungen
-meist befriste verträge und dadurch oft planungsunsicherheit
-schwierigkeiten für familien
ich mache meinen job sicher in nciht in erster linie für das gute gehalt, aber für z.b. 500 € wäre ich nicht bereit in krisen- und konfliktländer zu gehen.
mE ist das größere problem in der ez die extreme diskrepanz der gehälter z.b. zwischen ehlern und gtzlern.
da könnte man sich irgendwo in der mitte treffen, dann würden beide seiten noch genug verdienen.
- 25 Apr 2009, 2:36 pm
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