Entwicklungszusammenarbeit
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Ullrich Drechsel(not a XING member)Gibt es auf die Hungerkatastrophe(n) in Afrika auch noch andere Antworten außer Spenden?
Den folgenden Beitrag habe ich heute in der Giessener Zeitung eingestellt. Er ist natürlich an die normale Leserschaft gerichtet, nicht an die Entwicklungszusammenarbeitsprofis ... Es interessiert mich sehr, was Sie dazu denken:
Unter der Überschrift „Vier Cent für fünf Früchte“ erschien am 16.8.11 in ZEIT ONLINE ein Hintergrundbericht über einen Bauern in Äthiopien, dessen reiche Mango-Ernte größtenteils verdirbt – obwohl in seinem eigenen Land oder im Nachbarland Somalia gleichzeitig unzählige Menschen verhungern.
http://www.zeit.de/2011/33/Aethiopien-Lebensmittel
Nun ist das aber nichts Besonderes in Afrika. Quer über diesen Kontinent verteilt sterben täglich unzählige Menschen, vor allem auch Kinder, an Unterernährung, Malaria, blutigem Durchfall. Weshalb kümmert sich die westliche Öffentlichkeit nun plötzlich um die Hungerkatastrophe in Somalia? Nur weil vielleicht eine zahlenmäßige Schallmauer durchbrochen wurde? Sind ein paar Millionen hungernde Menschen, die sich auf der Flucht befinden, wichtiger als ein paar Hunderttausend, die sich im Südsudan vor dem Terror der (nord-)sudanesischen Armee in Abyei retten mussten? Wieso machen diese Menschen keine Schlagzeilen? Wird das öffentliche Gewissen länderspezifisch aufgeteilt? Oder ist nur die Geschäftstüchtigkeit
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erwacht? Denn am Hunger und an steuer- und spendenfinanzierter Hungerhilfe lässt es sich prima verdienen. Nebenher schlägt man sich ein wenig an die Brust, aber bitte nicht zu heftig, und gibt der von den Industrienationen verursachten Klimaerwärmung die Schuld am Elend in Afrika.
Der Bauer in Äthiopien hat keine Möglichkeit, die reiche Ernte zu verwerten. Es fehlen infrastrukturelle Voraussetzungen, die süßen Früchte zu verarbeiten, zu lagern und zu transportieren. Getrocknet bieten Mangos eine wertvolle und wohlschmeckende Nahrungsergänzung. Das könnte etlichen Menschen zum Überleben helfen, aber es gibt keine Gerätschaften und keine Transportmöglichkeiten.
Bei uns im Südsudan können manche hungernden Volksgruppen oder Flüchtlinge nicht erreicht werden, weil in der Regenzeit bestimmte Verkehrswege monatelang blockiert sind. Selbst dort, wo es gerade keine kriegerischen Auseinandersetzungen gibt und keine Flüchtlingsstöme unterwegs sind, leiden und sterben Menschen daran, dass sie nicht gelernt haben, wie sie mit ihren oft reichlich vorhandenen Ressourcen umgehen sollen. Manche haben das im Fünfzigjährigen sudanesischen Krieg schlicht verlernt, denn auf der Flucht durch den afrikanischen Busch ist Ackerbau und Viehzucht unmöglich. Vielen ist es in Flüchtlingslagern abgewöhnt worden, wie man sich selbst versorgt – sie bekamen jahrelang alles geschenkt. Und ein Großteil der Bevölkerung ist nicht gebildet genug, um zu wissen, wie man Erträge optimiert, wie man Vorratshaltung betreibt oder Überschüsse vermarktet.
Wenn man die Kommentare zu dem erwähnten ZEIT-Artikel liest, staunt man über die folgenlose Besserwisserei deutscher „Experten“. Gut, dass der äthiopische Bauer kein Deutsch lesen und verstehen kann. Denn wirkliche Barmherzigkeit gegenüber den Hungerleidern dieser Welt kann doch nicht auf Dauer darin bestehen, dass der Wohlstandsbürger sich mit Spenden freikauft und schlaue Reden führt.
Die Bibel kennt dieses Problem schon seit 2000 Jahren, denn beispielsweise im Jakobusbrief ist zu lesen: „Zu wissen, was es Gutes zu tun gäbe, und es doch nicht zu tun - das ist Sünde.“
Neuerdings hört man wieder verstärkt die Forderung, die Bundesregierung solle doch die Entwicklunghilfe aufstocken, um damit die Armut in der Welt besser zu bekämpfen. Wer, bitteschön, soll denn dieses Geld so ausgeben, dass es wirklich beim notleidenden Volk ankommt? Über die Sinnlosigkeit, Geld in die Entwicklungsländer zu schaufeln, ohne die dazugehörigen Experten dorthin zu senden, sind schon einige gute und kritische Bücher geschrieben worden. Niemand von den Schlaumeiern scheint sie gelesen zu haben, geschweige denn zu beherzigen. Die Europäische Union hat kurz vor der Staatsgründung der Republik Südsudan 200 Millionen Euro versprochen, die für Gesundheits- und Bildungswesen ausgegeben werden sollen. Wir hier vor Ort stellen inzwischen Spekulationen darüber an, wie und durch wen diese Finanzhilfe denn verwaltet werden könnte.
Zwei Dinge sollten zur Ermutigung hier aber noch gesagt werden: Es gibt schon viele Projekte, in denen Finanzhilfe und Vermittlung von Wissen eng verzahnt sind – und mit denen deshalb durchaus erfolgreich Armut und Hunger bekämpft werden. Aber es sind viel zu wenige. Meistens nicht, weil Geld fehlt, sondern weil Experten fehlen. In unserer eigenen Entsendeorganisation sind ...zig Stellen unbesetzt, weil nur wenige deutsche Fachkräfte bereit sind, einmal für ein paar Jahre in die Entwicklungshilfe zu gehen.
Die andere Ermutigung ist ebenfalls ein Dauerbrenner: Schauen Sie genau hin, wem Sie Ihre Spende anvertrauen. Es geht nicht darum, ob Sie sich nach der Überweisung gut fühlen, sondern ob Ihr Geld die Armen und Hungrigen dieser Welt dabei unterstützt, durch Einsatz ihrer eigenen Kräfte aus ihrem Elend herauszukommen. Denn sonst finanzieren Sie nur Geschäftemacherei, und unter Umständen helfen Sie mit, das Elend nur noch zu verstärken.
- 17 Aug 2011, 4:49 pm
