Entwicklungszusammenarbeit

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  • Kristian Brakel
    Kristian Brakel    Group moderator
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    Welche Rolle für die EZ?
    Eine Frage die mich schon länger umtreibt ist die, welche Rolle die EZ eigentlich wirklich bei der Überwindung von Armut spielen kann.

    Sieht man sich an welche winzigen Auswirkungen selbst ein erfolgreiches EZ Projekt auf ein afrikanisches Land z.b. nur haben kann verglichen mit den riesigen Auswirkungen von etwa WTO Entscheidungen, stelle ich mir die Frage, was soll die EZ dann überhaupt noch heutzutage leisten.

    Wie seht ihr das?
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    Fabio Zizzari
    (not a XING member)
    Re: Welche Rolle für die EZ?
    Ich denke , um es sehr kurz zu sagen, dass die EZ heutzutage eine Kombination aus "Etwas von der Welt sehen" für die Akteure vor Ort, "Dubiose Geschäfte von Entwicklungshilfe und gleichzeitiger Verpflichtung zur Abnahme von Technologien" für die Organisatoren in den Geberländern und einer riesigen Verarschung ist, da wenige noch wirklich mit einer gefestigten Ideologie hinter der Sache stehen und die Betroffenen sich heutzutage auch gut selber helfen könnten wenn wir uns an manchen Stellen weniger einmischen würden. (vielleicht bekommt man diese Einstellung wenn man selbst vor Ort war, ich hoffe aber nicht....)

    o-ton von einer Person die bei der UN arbeitet:
    "Aus Idealismus sind die wenigsten hier, die meisten rutschen eben rein, weil man international arbeiten will und es geniesst, staendig woanders zu sein, neue Leute kennenzulernen (zumindest am Anfang)..."


    an was soll man bei solchen Aussagen noch glauben?
    This post was modified on 22 Mar 2007 at 12:40 am.
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    Fabio Zizzari
    (not a XING member)
    Re^4: Welche Rolle für die EZ?
    Hallo Anna,

    Dass meine Aussage wohl etwas plakativ und sehr allgemein formuliert war, ist sicher richtig. Höchstwahrscheinlich gibt es auch Organisationen, die Kompetenz und Integrität vertreten können.
    Und genauso muss man sich auch die spezifischen Einzelbeispiele anschauen, um sich eine differenziertere Meinung bilden zu können. Hierbei kann ich nur zustimmen (ich werde versuchen diese Tipps beim nächsten mal mit einzubeziehen.)

    Mit gefestigter Ideologie, meine ich, dass es wahrscheinlich immer schwer bleiben wird, seine eigenen egoistischen Ziele mit allgemeinnützigen in ordentlichen Einklang zu bringen.
    Diese Überlegungen bereiten mir immer Unbehagen, da ich mich selbst nicht ausnehmen kann....
    Das Ausmaß dieses Egoismus, jedoch, mit dem ich es bis jetzt in meinem Leben zu tun hatte, lassen mich daran zweifeln, ob viele Menschen überhaupt in der Lage sind ihre Handlungen nach hohen, allgemeinnützigen Maximen zu richten, die sie nicht mal zu ende Gedacht haben.

    Meine persönliche Motivation für eine aktive Beteiligung an der Entwicklungshilfe rührt einerseits von sehr speziellen privaten Gründen, andererseits von der Überlegung, wohin sich denn die Menschheit bewegen sollte angesichts der immensen Fortschritte der Physik und der Medizin (Ich bin gerne bereit an anderer Stelle mein theoretisches Halbwissen über diese beiden Felder zur Diskussion zu stellen).
    Dabei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es viele Mechanismen gibt, die zwar das Zusammenleben der Menschen in einer Welt von schier unbegrenzten individuellen Möglichkeiten restriktiv regeln, (durch Gesetze z.B.) es jedoch in die gegensätzliche Richtung, wie die Schaffung von wohl überlegten, allgemeinen Ideologien, wenig Fortschritte gibt obwohl dies in meinen Augen ein sehr viel wichtigeres Thema wäre.

    Zu den letzten Sätzen deines Posts kann ich nur sagen, ich hoffe, dass ich noch viele von diesen Menschen kennen lernen werde, die es wirklich ernst meinen, mit dem was sie tun. Nur das eigenartige an dem meisten "Gerede" ist, dass auch immer ein Stückchen Wahrheit dran ist, leider.

    Viele Grüße

    Fabio


    Allessandra,

    Hmm, erstmal entschuldige ich mich natürlich für die Veröffentlichung von Meinungen ohne vorher eine Erlaubnis der betroffenen Person einzuholen, aber ich denke ohne dass sich die Person selbst zu dem Statement outet, hätte auch niemand bemerkt woher dieses Statement kommt...

    Sicherlich muss ich erst meine eigenen Erfahrungen sammeln, bevor ich meine Meinung noch besser vertreten kann, aber ich denke, deshalb ist ja dieses Forum da. Um Meinungen auszutauschen.
    Bei meiner Facharbeit über den Genozid in Ruanda musste ich feststellen, dass einschlägige Organisationen wie die UN nicht immer das Halten können, was sie sich selbst auf die Fahnen schreiben, deshalb und wegen des sehr starken Einflusses von politischen Interessen, die hinter vielen Entwicklungskooperationen stecken, bin ich mehr als skeptisch und will mir deshalb auch so schnell wie möglich einen Einblick verschaffen.

    Ich hoffe dadurch kann ich deine moderatere Sichtweise, die sicher auch aus deiner gesammelten Erfahrung entspringt gut nachvollziehen und hoffe, dass ich die selben positiven Erlebnisse machen darf.

    Ich hoffe, dass du meine Intension verstehst und nicht sauer bist.


    Liebe Grüße

    Fabio
  • Kristian Brakel
    Kristian Brakel    Group moderator
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    Re^5: Welche Rolle für die EZ?
    hmm ich wollte gern noch in eine etwas andere richtung:

    ich würde nicht bezweifeln, das es genug ezler gibt, die engagiert und gut ihre projekte/programme fahren und klar es gibt genug super ez projekte die gut funktionieren.

    die frage die ich habe ist eher, in wieweit diese wirklich einen großen entwicklungsbeitrag leisten können:
    davon ausgehend, das armutsminderung ja nun schon noch immer das hauptziel aller ez ist muss man einfach konstatieren, das wirtschaftliche rahmenbedingungen eine enorme bedeutung zukommen.
    wie hoch kann also der beitrag eines berufsbildungsprojekts z.b. für maschinenschlosser in nicaragua sein, wenn gleichzeitig die who oder die eu eine marktöffnung diktieren, die dazu führt, das die betriebe, die die schlosser beschäftigen könnten aufgrund von mangelnder wettbewerbsfähigkeit auf dem weltmarkt alle zu machen müssen?????
  • Kristian Brakel
    Kristian Brakel    Group moderator
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    Re^4: Welche Rolle für die EZ?
    @alesandra: magst du mal erzählen, was du genau für undp machst und ob das interessant ist?
  • Carsten Schumann
    Carsten Schumann
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    Re^6: Welche Rolle für die EZ?
    Hey Kristian...

    ich wollte mal etwas auf deine Frage eingehen.

    Grundsätzlich geht es dir ja um den Zusammenhang zwischen EZ und den sog. "wirtschaftlichen Rahmenbedinungen". Du hast die Frage aufgeworfen, ob oder bzw. inwieweit die EU / WHO mit ihren Handlungen die EZ-Bemühungen konterkariert?! Und was dann der Sinn der EZ ist?


    Sind das nicht zwei Sachen, die man nicht so einfach miteinander vergleichen kann?


    Sicherlich hängen diese beiden Sachen (wie in deinem Beispiel) schon zusammen, doch setzen sie an völlig unterschiedlichen Ebenen an?!

    Die EZ hat das Hauptziel: Armutsminderung; doch wie es ja auch schon mehrfach erwähnt wurde, gibt es völlig unterschiedliche Wege und Intentionen, dieses Ziel zu erreichen.

    "Capacity Development" passt meiner Meinung nach am Besten zum Thema "EZ".

    Gibt man Menschen die Möglichkeit sich selber zu entwickeln, schafft man Unabhängigkeit. Auch wenn diese Art der Unabhängigkeit nicht mit "autark" zu verwechseln ist und sicherlich auch die schon angesprochenen Rahmenbedingung "gelten", wird doch ein Maschinenschlosser aus Nicaragua nicht zum Global Player! :-) und ist somit auch nicht primär an die Handlungen der WHO / EU gebunden!

    Oder bedeutet EZ: Öffnung für den Weltmarkt???

    Beste Grüße
    Carsten
  • Kristian Brakel
    Kristian Brakel    Group moderator
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    Re^7: Welche Rolle für die EZ?
    die frage die ich mir stelle wäre viel mehr, wie erfolgreich kann selbst der weitergebildete schlosser langfristig sein, wenn die makrobedingungen so sind, dass seine produkte z.b. auf dem heimischen markt nicht mit billigeren importprodukten konkurieren kann?

    bzw. selbst wenn es für den einzelnen schlosser keine rolle spielt, so wird sich doch die gesamtsituation seines landes vermutlich nicht ändern. d.h. der schlosser kommt vielleicht aus der armut heraus, aber millionen seiner landsleute bleiben arm.
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