Entwicklungszusammenarbeit

Entwicklungszusammenarbeit

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  • Rita Fechner
    Rita Fechner
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    Bitte um Tipps - weltwärts nach dem Studium?
    Hallo zusammen,

    ich bräuchte unbedingt Tipps oder Empfehlungen von ein paar "Fachkundigen" die in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind/waren oder sich mit der Branche auskennen.

    Ich schreibe gerade meine Diplomarbeit (habe Wirtschaftswissenschaften studiert) und möchte danach im Bereich der Entwicklungsarbeit tätig werden. Leider hat sich diese Idee bei mir erst vor kurzem entwickelt, so dass ich während meines Studiums keinen entwicklungspolitischen Auslandsaufethalt oder Praktika machen konnte.

    Ich möchte das nun nach dem Studium nachholen, da die Enstiegschancen z.B. über ein Traineeprogramm ja doch sehr gering sind, wenn man keine Auslandserfahrung mitbringt.

    Ich hatte mir überlegt, für ca. 3-4 Monate über einem kleinen örtliche NGO in Nepal einen Freiwilligendienst zu absolvieren (in einem Bereich, wo mir auch inhaltlich mein Studium zu gute käme). Parallel hatte ich mich aber auch beim Programm "weltwärts" beworben, was hier ja sicher allen ein Begriff sein dürfte. Das spezielle Projekt hätte auch einen fachlichen Bezug zu meinem Studium und ist auch für Akademiker angelegt, d.h. ich könnte sicherlich auch meine Wirtschaftskenntnisse, Verhandlungserfahrungen etc. dort einbringen, so ist es auch vom Projekt gewünscht. Das ganze würde 9 Monate dauern. Nun zu meiner Frage:

    Ist es sinnvoll, den Freiwlligendienst anzutreten im Hinblick darauf, danach gute Jobchancen in der Entwicklungszusammenarbeit zu haben? Sind 9 Monate zu lang, wenn ich es erst nach dem Studium mache? Würden 3,4 Monate auch genügen? Wie positiv oder negativ wird es gewertet, dass es sich dabei um das Programm weltwärts handelt?

    Ich würde mich wirklich sehr freuen, möglichst viele Antworten zu bekommen von Leuten, die sich mit dieser Thematik auskennen und wissen, wie vorteilhaft oder auch nicht sich ein solcher (langer) Frewilligendienst für meine berufliche Karriere auszeichnen würde.

    Vielen vielen Dank schon ein mal
    Rita
  • Kristian Brakel
    Kristian Brakel    Group moderator
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    Re: Bitte um Tipps - weltwärts nach dem Studium?
    also mit meiner noch geringen berufserfahrung halte ich mich nicht für einen experten, aber tenedenziell würde ich sagen: es kommt halt drauf an, was du anstrebst und was du so kriegst.

    grundsätzlich spricht für einen längeren freiwilligendienst:
    +ez an der basis kennenlernen - mE super wichtig, bevor man irgendwo in in europäischen zentralen große programme entwirft.
    +wirklich längeres kennenlernen eines entwicklungslandes, austesten, ob du dir vorstellen kannst auch später länger unter anderen verhältnissen als in dland zu leben.

    dagegen spricht:
    -weltwärts ist mE ein absolutes einsteigerding, eher geeignet für leute direkt nach der schule oder am anfang des studiums.
    -ein freiwilligendienst ist etwas ganz anderes als späteres arbeiten in der ez oder auch ein ez praktikum.
    -weltwärts bietet iR keine direkten anschlussmöglichkeiten für einen job.

    von daher würde ich sagen sind grade mit wirtschaftswissenschaften doch ggf. die chancen auch bei etwas "höherwertigen" einsteigerprogrammen gegeben. ich weiß nicht, wie lange du noch studierst, aber wie wäre asa? ein gtz praktikum bietet i.r. bessere jobmöglichkeiten später. oder hast du mal beim ded nachwuchsförderprogramm geguckt?
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  • Rita Fechner
    Rita Fechner
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    Re^3: Bitte um Tipps - weltwärts nach dem Studium?
    Vielen Dank für eure Antworten!

    Ein Praktikum möchte ich auf jeden Fall auch machen und bewerbe mich auch schon fleißig. Der Gedanke war, Praktikum im Inland + Freiwilligenarbeit im Ausland um damit dann Chancen für einen Berufeinstieg in der Branche zu haben.

    Dass es mit weltwärts keine direkten Jobanschlussmöglichkeiten gibt, ist mir natürlich klar. Es geht mir eben darum, Erfahrungen in einem Entwicklungsland zu machen, da dies so gut wie immer verlangt wird.

    Deswegen kommen auch Einsteiger/Trainee Programme für mich momentan nicht in Frage, da dort eben immer schon Praktika und Auslandsaufenthalte vorausgesetzt werden, deswegen muss ich diese Erfahrungen sammeln, bevor ich mich auf eine Traineestelle oder ein Postgraduiertenstudium überhaupt bewerben kann.

    Bei ASA hatte ich mich beworben aber leider eine Absage bekommen.

    Ich frage mich eben, ob es sinnvoll ist, ganze 9 Monate wegzugehen, da es ja nur darum geht, dass ich mal "einen Eindruck" von Entwicklungsarbeit vor Ort bekomme und eben in meinem Lebenslauf vorweisen kann, ich habe schon was gemacht in dem Bereich. Oder ob 3 Monate da nicht ausreichend wären. Und die zweite Frage ist eben nach der Vorteilhaftigkeit von weltwärts, weil es sich ja eben in der Tat eher um ein Programm handelt, dass sich überwiegend an Schulabgänger richtet.

    Also, ein Praktikum muss auf jeden Fall auch sein, so viel ist klar, aber eine Erfahrung in einem Entwicklungsland vorweisen zu können ist ja im Prinzip fast Pflicht, um realistische Chancen zu haben, oder?

    Viele Grüße
    Rita
  • Kristian Brakel
    Kristian Brakel    Group moderator
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    Re^4: Bitte um Tipps - weltwärts nach dem Studium?
    also was pflicht ist und was nicht das variiert sehr stark. es gibt sowas wie offizielle anforderungen, die man fast überall findet und die oft sehr hoch sind (2-3 praktika, auslandserfahrung, ehrenamt, studiumsschwerpunkt, akademische vorbildung, min. 2 un sprachen etc.). in der realität kommen allerdings auch reihenweise leute zu einem (oft auch hochrangigen) job, wo mir oft nicht klar ist, was die jetzt qualifiziert (sowas wie gtz büroleiter ohne auslanderfahrung etc.) bzw. andere sehr gut qualifizierte leute suchen jahrelang umsonst.

    der unterschied zwischen 3 und 9 monate praktikum ist v.a. die zeit von 6 monaten :). es ist halt schon was ganz anderes, ob man 3 monate in einem land lebt oder 9 und stellt auch ganz andere anforderungen an dich was sowohl die kompetenzen im land als auch die beim nachhausekommen angeht.

    hast du mal ded nfp probiert? da werden öfter auch mal leute genommen, die noch nicht soviel auslandserfahrung haben oder auch welche mit erfahrung in der eher westlichen welt.
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  • Rita Fechner
    Rita Fechner
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    Re^5: Bitte um Tipps - weltwärts nach dem Studium?
    Danke für eure fleißigen Antworten!

    Ich denke ihr habt recht, für weltwärts bin ich mit einem Abschluss wahrscheinlich wirklich "überqualifiziert", selbst wenn das Projekt eher anspruchsvoll wäre.

    Das NFP wäre sicher eine gute Option. Meint ihr denn, dass es auch sinnvoll ist für jemanden, der auf Sicht eher in Deutschland und weniger in einem Entwicklungsland vor Ort arbeiten möchte? Denn das NFP ist ja eigentlich schon die klassische Entwicklungshelfer-Ausbildung, aber das möchte ich ja gar nicht unbedingt machen auf Sicht.
  • Kristian Brakel
    Kristian Brakel    Group moderator
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    Re^6: Bitte um Tipps - weltwärts nach dem Studium?
    von der vorstellung solltest du dich meines erachtens erstmal ganz verabschieden.
    der wunsch in dland arbeiten zu wollen ist in den meisten fällen nicht mit dem wunsch lebenslang in der ez zu sein vereinbar. es gibt solche fälle zwar hin- und wieder, aber i.r. ist eigentlich nicht an eine führungsposition in dland zu denken ohne mal zumindest 3-4 jahre ausland gemacht zu haben. dazu kommt, dass stellen im inland extrem rar sind, während es eigentlich immer recht viel im ausland gibt.
    und: ich bin der meinung, dass es eigentlich auch nicht im sinne guter ez sein kann, wenn in den ganzen zentralen leute sitzen, die nie selbst im feld waren. da kommt dann meist nur wirklichkeitsferner schwachsinn raus.
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  • Anke Hoffmann
    Anke Hoffmann
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    Re^8: Bitte um Tipps - weltwärts nach dem Studium?
    Hallo Rita,

    ich habe "weltwärts" auch nach dem Studium gemacht und würde nicht sagen, dass ich überqualifiziert war. Es gibt ja ganz unterschiedliche Programme und als ich nach Ecuador gegangen bin (2008), hatten sich viele Entsendeorganisationen noch dazu entschieden, eher etwas erfahrenere Leute zu nehmen.
    Es ist unterschiedlich, ich würde es keinesfalls so abwerten, wie das im Forum bisher geschah. Es wird viel an "weltwärts" kritisiert, zum Teil auch zu Recht, aber dass es sich nur um ein Einsteigerding handelt, hängt immer davon ab, was man macht und was man daraus machen kann. Ich habe Ehemalige getroffen, die Projekte aufgezogen haben, die weiter fort bestehen und in Deutschland jetzt eine eigene Organisation gegründet haben.

    Viel Glück bei deiner Entscheidung!
    Anke