Entwicklungszusammenarbeit
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Amor Ben Hamida Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Das Problem Christentum ...
Vor einigen Wochen wurde ich durch einen reformierten Pfarrer eingeladen, in einer Runde von Männern über fünfzig Jahren ein Referat zu halten. Natürlich war schnell die Minarett-Initiative als mögliches Thema gefunden. Der Pfarrer aber bat mich, mir Gedanken zum “Problem Christentum – aus Sicht der Moslems” zu machen… Die Idee war verführerisch. Was ist eigentlich das Problem der Moslems mit dem Christentum?
Da ist zunächst einmal ein inhaltlicher Streit: während die Christen Jesus als Gott oder Gottes Sohn ansehen, müssen ihn Moslems gemäss einer Sure im Koran als Sohn der Maria betrachten, einen Menschen, durch Gott gesandt und geehrt. Dann ist da die Sache mit den Sünden, die im Christentum durch Jesus für alle an ihn Glaubenden übernommen hat. Im Islam haftet jeder Mensch für jede auch noch so kleine Sünde persönlich gegenüber Gott; er wird aber auch in einer Art Bilanz für jede gute Tat, sei sie noch so unbedeutend, mit einer Gutschrift belohnt. Die aktuelle Problematik der Rolle der Frau ist in beiden Religionen (wie auch im Judentum) ähnlich gelagert. So heisst es im Christentum auch “die Frau sei dem Manne untertan”… Bedeutendere Unterschiede gibt es zwischen Christentum und Islam eigentlich keine mehr. Woher also der erbitterte Hass zwischen beiden Gemeinschaften?
Dazu müssen wir den zweiten, nicht inhaltlichen, sondern geschichtlichen Aspekt dieser wichtigen Glaubensrichtungen betrachten. Dort finden wir viel mehr Stoff für Hass, Misstrauen und Verachtung. Und es fing nicht erst mit den Kreuzzügen an! Schon als Mohammed den Koran empfing und ihn zu verbreiten versuchte, stiess er bei Juden und Christen auf Abneigung. Genau, wie es Jesus bei seiner jüdischen Gemeinde passierte. Auch die Juden wollten nach Moses keinen Propheten mehr und weigerten sich, Jesus anzuerkennen. So weigerten sich die damals in der arabischen Halbinsel lebenden Christen, Mohammed als Propheten anzusehen, obwohl Mohammed im Islam als Ergänzer, Vervollständiger und Nachfolger seiner Vorgängerpropheten bezeichnet und nicht als Ersatz und alleiniger Gesandter galt.
Auch das kann nicht als Hauptproblem der Moslems mit den Christen gelten, denn im Koran heisst es “läkum dinukum uä liä dini” – Ihr habt euren Glauben und ich habe meinen…
Was also trennt uns wirklich? Bei meinen Überlegungen kam ich nur auf einen Aspekt: die Kolonialzeiten und ihre Gräueltaten! Frankreich besetzte weite Teile Nordafrikas und des Nahen Ostens, Italien hatte Libyen überfallen, England hat Länder in Afrika, im Nahen Osten und in Asien besetzt und ausgeraubt. Die Kolonialzeiten dauerten teilweise über 200 Jahre und hinterliessen schlimme Erinnerungen, die vorerst verdrängt wurden: wir wissen heute, dass allein im Kongo Millionen Menschen ums Leben kamen, weil der belgische König und später der belgische Staat für die Kautschukgewinnung skrupellos vorging, so skrupellos, dass den Arbeitern Hände abgehackt wurden, ihre Familien massakriert wurden, wenn sie nicht die erforderliche Quote einbrachten. Vergewaltigungen, Versklavung, Ausbeutung, Erniedrigungen und Misshandlungen wurden von weissen Christen begangen, die in den Augen der Sklaven die Herrscher darstellten.
Heute noch heisst der fremde Europäer in Nordafrika “Gauri”. Dieser Ausdruck in der Einzahl kann erst in seiner Mehrzahl “Guerra” erkannt werden; leicht zu erkennen ist dann das italienische Wort für “Krieg”. Man verband plötzlich Gräueltaten, Krieg, Hunger, Verfolgung und Misshandlung mit dem Christentum.
Und wenn ein nordafrikanischer Herrscher nach Italien kommt und demonstrativ an seiner Brust das Bild eines Freiheitskämpfers trägt, der von der italienischen Kolonialmacht hingerichtet wurde, und wenn ein französischer Staatsbesuch in Algerien scheitert, weil die Problematik eines Massakers während der Kolonialzeit nicht verarbeitet wurde, dann deutet das klar darauf hin, dass die Moslems mit Europa ein Problem haben, aber nicht mit den Europäern als Christen, sondern als Kolonialherren!
Danach waren die Events von 9/11 keine islamisch-christliche Angelegenheit sondern eine arabisch-amerikanische Problematik.
Diese These verarbeite ich in meinem Büchlein “Kampf der Dörfer”…
Details dazu:
http://www.benhamida.ch
- 26 Nov 2009, 12:58 pm
