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Frank Braun Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Kaffee-Konzern am Pranger
Über Markus Bähr aus unserer Gruppe hat mich folgender Artikel erreicht:
von TOBIAS SCHWAB
Früher hatte ich mit meiner Familie ein gutes Auskommen", erzählt die ugandische Kaffeefarmerin Deziranta N. (51). Als Kleinbäuerin habe sie auf eigenem Grund zwei Mal jährlich 1200 Kilo Kaffee geerntet, dazu noch Bananen und süße Kartoffeln. Genug, um ihre drei Söhne und den Vater zu ernähren. Doch dann kamen die Soldaten. "Sie zündeten mein Haus an, stahlen mein Eigentum, schlachteten meine Hühner und schlugen auf uns ein", sagt sie.
Am Pranger steht die Hamburger "Neumann Kaffee Gruppe". Ugandische Kaffeefarmer wie Deziranta N. und die Menschenrechtsorganisation Fian haben beim Bundeswirtschaftsministerium Beschwerde wegen der Vertreibung von rund 2000 Kleinbauern eingereicht. Die etwa 400 Familien mussten vor acht Jahren einer Großplantage des deutschen Kaffee-Konzerns Platz machen. Das ugandische Militär, so die Beschwerde, habe die Menschen mit brutaler Gewalt von ihrem Grund und Boden vertrieben. Bis heute seien die Betroffenen für den Verlust von Hab und Gut nicht entschädigt worden.
"Die Mehrheit der Menschen kann sich seit der Vertreibung nicht mehr ausreichend ernähren", sagt Gertrud Falk von Fian Deutschland. "Neumann hat die Vertreibung toleriert und damit eindeutig gegen die OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen verstoßen." Die OECD-Leitsätze verlangen von global agierenden Unternehmen verantwortliches Handeln im Gastland - vor allem aber die Achtung der Menschenrechte.
Für den ugandischen Präsidenten Yoveri Museveni war die erste Großplantage des Landes ein Prestigeobjekt, für das er im Spätsommer 2001 höchstpersönlich mit Kaffee-Konzernchef Michael R. Neumann den Grundstein legte. Statt zahlreicher Kleinbauern kultiviert im Distrikt Mubende jetzt Kaweri, ein Tochterunternehmen Neumanns, Robusta-Bohnen.
Die frühere Kaffeefarmerin Deziranta N. arbeitet heute bei Kaweri als Pflückerin. Von dem Lohn kann sie ihre Familie mehr schlecht als recht ernähren. Wie alle anderen Betroffenen verlangt Deziranta seit Jahren eine Entschädigung für Vertreibung und Zerstörung. Der Prozess, den fünf Kleinbauern stellvertretend für alle Vertriebenen führen, wird nach Einschätzung von Fian seit Jahren systematisch verschleppt. Neumann selbst verweigert Gespräche mit den Opfern. Erst im Dezember 2008 unternahm Peter Kayiira, Sprecher der Farmer, einen neuen Anlauf. Auf Einladung von Fian traf er Vertreter der Bundestagsausschüsse für Menschenrechte und Entwicklungszusammenarbeit. "Nur Neumann habt nicht mal auf die Bitte nach einem Gespräch geantwortet", sagt Falk.
Dabei sieht der ugandische Anwalt der Vertriebenen, Joseph Balikuddembe, eindeutig eine Mitverantwortung von Neumann. "Arbeiter der Neumann-Plantage haben das Zerstörungswerk der Armee zu Ende gebracht", sagt Balikuddembe. "Erst haben Soldaten die Menschen mit Knüppeln weggejagt und die Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Dann haben Neumann-Leute die Bananen-Plantagen, Kaffee-Bäume und Kasava-Pflanzen der Kleinbauern zerstört." Zu diesem Zeitpunkt sei Neumann de jure noch gar nicht Besitzer des Landes gewesen.
Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Thilo Hoppe (Grüne), zeigte sich erfreut, dass nun auch das Wirtschaftsministerium den Fall aufgreifen soll. Er sieht Neumann in der Pflicht. Selbst wenn der Kaffee-Konzern korrekte Verträge vorweisen könne, trage das Unternehmen eine Mitverantwortung für die Folgen des Plantagen-Projektes.
Nimmt die Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze im Wirtschaftsministerium die Beschwerde der Kleinbauern an, startet ein offizielles Vermittlungsverfahren, dem sich Neumann schwer entziehen können wird. Die bisherige Haltung steht jedenfalls im Widerspruch zum Leitbild, das sich Neumann auf die Fahnen geschrieben hat. Der Konzern, der mit 47 Firmen in 28 Ländern vertreten ist, sieht sich der natürlichen und sozialen Umwelt gegenüber besonders verantwortlich - heißt es im Unternehmensleitbild. Neumann engagiere sich weit über das Geschäftliche hinaus, um die Lebensverhältnisse der Farmer zu verbessern.
Wenn sich der Global Player der Verantwortung stellt, müsste nach Einschätzung von Menschenrechtsexperten mindestens ein außergerichtlicher Vergleich möglich sein. Von Neumann war trotz wiederholter Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten.
Info:
Neumann Gruppe
Die Neumann Kaffee Gruppe (NKG) ist ein echter Global Player. Das Unternehmen geht auf Hanns R. Neumann zurück, der 1934 in Hamburg als Kaffee-Händler begann. Heute ist die NKG einer der führenden Rohkaffee-Konzerne der Welt - mit 47 Firmen in 28 Ländern. Dachgesellschafter der NKG ist die Neumann Gruppe GmbH, die sich im Privatbesitz der Familie Neumann befindet.
Die Kaweri Coffee Plantation mit Sitz im ugandischen Kampala ist Teil der Neumann-Tochter NKG Tropical Farm Management GmbH im schweizerischen Zug.
Die Bohne Guter Kaffee ist meist die Frucht zweier Bohnen der Arabica und der Robusta, die Neumann im ugandischen Kaweri anbaut. Die Arabica-Bohne ist aromatischer und hat einen Anteil von etwa 60 Prozent am Welthandel. Robusta ist widerstandsfähiger.
Die Kunden ob Tchibo, Melitta oder Nestlé - an Neumann-Bohnen kommt kaum ein Röster vorbei.
Zitat:
"Die Mehrheit kann sich seit der Vertreibung nicht mehr ernähren" Gertrud Falk, Fian Deutschland "Neumann-Leute haben die Kaffee-Bäume der Kleinbauern zerstört" Joseph Balikuddembe, Anwalt
Ressort: HH Hamburg
Quelle: Hamburger Morgenpost
http://archiv.mopo.de/archiv/2009/20090621/hamburg/politik/k...
Ein trauriger Fall, der belegt, dass es noch ein weiter Weg ist, ehe auch die Großen der Branche fairen Handel in ihr Denken mit einbeziehen.
Herzlich
Frank
- 22 Jul 2009, 10:56 pm
