Fischernetz
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Alexander Bertsch Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Familienurlaub an der Mandalselva, Norwegen
Tag 0
Nach langer Fahrt durch strömenden Regen kommen wir in unserem Häuschen am Mandal an. Als "Lachshütte" im Katalog geführt, entpuppt sich die Unterkunft jedoch als veritables Ferienhaus mit allem Komfort. Aber das Größte ist der Blick. Das Haus thront ca. 15 m über dem Fluss in einer Talkehre, so dass man den Strom auf der einen Seite weit aufwärts und auf der anderen Seite stromabwärts betrachten kann.
Seit drei Wochen hat es ohne Unterbrechung geregnet, berichtet unser Vermieter, und der Fluss steht so hoch, wie seit Jahren nicht mehr im Sommer.
Als wir abends auf der Terrasse sitzen und das unglaubliche Panorama genießen, blitzt es plötzlich auf der anderen Flussseite. Durchs Fernglas sehe ich einen Mann, der sich mit einem gerade gefangenen Lachs fotografieren lässt. Das geht ja gut los.
Tag 1
Noch mit dem Bild vom Vorabend im Kopf, besorge ich mir den erforderlichen allgemeinen Norwegen-Schein und eine erste Tageskarte. Die Karte gilt jeweils von 18.00 Uhr des einen Tages bis 18.00 Uhr des darauffolgenden und kostet rund 32 Euro. Angelprofis sind hier irgendwie alle und der nette Mann an der Tankstelle hat auch gleich einige Ratschläge parat. Bei den Wasserverhältnissen müsse ich tief in den Rinnen fischen, und zwar mit Wurm. Aber ich habe mir vorgenommen, ihn am übernächsten Tag beim "Fangstrapport" mit Blinker oder Fliege zu überraschen.
Tag 2
Um 17.45 Uhr stehe ich am Ufer. Meine ramponierte Achillessehne lässt keine Bergkraxeleien zu, so dass nur die flache Kiesbank auf der gegenüber liegenden Flussseite in Frage kommt. Mit klopfendem Herzen stakse ich kurz darauf in den Fluss. Uups, die Strömung ist erheblich stärker, als es von oben aussieht. Mein 25-g-Blinker surft in oberflächennahen Regionen durchs reißende Wasser und ich beginne zu verstehen, warum die Lachsblinker in den hiesigen Regalen gern mal 40 oder 50 Gramm wiegen. Ich werfe schräg stromauf, komme etwas tiefer und mache Bekanntschaft mit den Felsen und Baumresten am Flussgrund. Kein Wunder, dass unser Vermieter meinte, bei diesen Wassermengen wäre das Fliegenfischen fast hoffnungslos. Ich werfe meine Møre Silda in silber und kupfer Stunde um Stunde bis in den Sonnenuntergang und habe keinen Fischkontakt.
Tag 3
Eigentlich wollte ich es den Norwegern gleich tun und nur die Abendstunden fischen. Aber ich bin heiß und mache mich nachmittags noch einmal mit dem Auto (Luftlinie 100 Meter, aber Fahrzeit 15 Minuten + Waldspaziergang) auf zum anderen Ufer der Mandal. Meine neuen Tankstellenblinker haben um die 40 g und kommen in den nicht so stark strömenden Bereichen leidlich bis zum Flussgrund. Ich fische die ganze Strecke drei Mal konzentriert durch und bleibe Schneider. Aber in der Mitte der Zeit schießt ein stattlicher Lachs in voller Pracht aus dem Wasser und taucht elegant wieder ein. Sie sind also da.
Abends bringt unser Vermieter zwei Schachteln mit fetten Tauwürmern vorbei, die ich an einem kühlen Ort deponiere.
Tag 4
Ich stehe schon seit einer Stunde im Fluss, als gegen 19.00 Uhr ein netter Einheimischer mit der Zweihand-Fliegenrute auftaucht. Eigentlich gute Bedingungen, sagt er, der Wasserstand fällt langsam, aber es sei immer noch extrem viel Wasser im Fluss. Ich hole mir viele gute Tipps und wir fischen die Strecke mehrmals gemeinsam durch. Wir sehen mehrere Fische springen und er meint, dass es sehr frustrierend sei, wenn man so viele gute Fische sieht, aber nicht fangen kann. Er bekommt seine Fliege trotz schwerer Sinkschnur nicht auf Tiefe und auf meine Blinkerkollektion tut sich auch nix. Wenn man heute Fische fangen will, braucht man ein 30-g-Blei und einen Wurm, sagt er. Auf meinen skeptischen Blick hin merkt er an, dass er bei solchen Bedingungen durchaus mal mit Blech oder Wurm zu Werke geht...
Tag 5
Auch heute lässt mich meine Familie ziehen, um vormittags noch ein/ zwei Stündchen im Fluss zu stehen. Ich gebe mein Bestes, aber die Fische sind unwillig. Mittags gesellt sich eine norwegische Familie zu mir, die wissen will, warum ich denn nicht mit Wurm fische...
Mein Sohn hat es inzwischen geschafft, unseren Hausfelsen herunterzuklettern und ein Sitzplätzchen in den Felsen direkt über der tiefen Rinne zu erobern. Abends verspreche ich ihm, dass er in den nächsten Tagen mal von dort angeln darf, wenn er das Gepäck und mich heil dort hinunterbringt.
Tag 6
Der dritte Abend im Fluss und die Lachse springen überall. Dort, wo ich nicht hinwerfe, aber auch dort, wo ich gerade das Wasser abgesucht habe. Mein Fliegenfischerfreund kommt und sagt, dass zur Zeit in unserer Zone 2 überall sehr wenig gefangen würde. Mein Arm schmerzt vom vielen Werfen und mein Bein beschwert sich über die anstrengende Waterei in der Strömung. Aber wer hat gesagt, dass Lachsangeln einfach ist? Der Norweger sagt, dass er manchmal wochenlang keinen Fisch fängt, aber dann käme der Tag, da fängt man innerhalb von einer Stunde drei. Na hoffentlich bin ich dann noch hier...
Tag 7
Lukas hat die Angelrute den Felsklotz heruntergebracht und ist nun zum zweiten Mal mit der Angeltasche unterwegs. Ich sehe mir den Abgrund an und frage mich, ob ein Lachs multiple Knochenbrüche wert ist. Ich ziehe meine älteste Jeans an und rutsche auf dem Gesäß von der einen Moosritze zur nächsten Jungbirke. Tief unter mir gurgelt der Fluss. Hoffentlich sieht mich keiner.
Heute kennen wir keine Verwandten mehr und kommen dem Rat der Eingeborenen nach: 30-g-Blei am Seitenarm und zwei Meter dahinter ein stattlicher Tauwurm vom Vermieter. Außerdem ist ein roter Wollfaden Pflicht - den haben mir die netten Norweger von Tag 5 mitgegeben. Wir hocken auf einem kleinen Felsvorsprung und unter uns rauscht das Wasser am steil abfallenden Ufer entlang. Lukas schwingt die Rute und lässt das Paket in ein paar Metern Entfernung in den Strom plumpsen. Die Strömung nimmt das Gerät im Halbkreis mit. Seine Würfe werden weiter und das Blei hoppelt über den Flussgrund - so soll es wohl sein. Nach einem Stündchen will mein Sohn sich die Beine vertreten und ich angele ein bisschen weiter. Hat jemand gesagt, dass Lachse-mit-Wurm fangen einfach ist? Unser vorletzter Wurm bleibt in der Strömung stehen und ich sehe mich schon neues Vorfach anpfriemeln. Da bockt es plötzlich erheblich am anderen Ende der Schnur und ich falle fast ins Wasser vor Schreck. "Lukaas - Fiiisch! Komm' schnell, das ist Deiner!" Er klettert über die Felsen zurück, während ich als Einbeiniger auf einem Felsvorsprung über dem reißenden Fluss versuche, das Gleichgewicht zu halten. Und draußen springt der Lachs. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.
Lukas hat geistesgegenwärtig seine Schuhe ausgezogen und steht auf einem Unterwasserfelsen knapp vor mir. Da schießt der Lachs in voller Schönheit aus dem Fluss und wir beide denken: oh Gott, den kriegen wir nie! Nach mehreren kraftvollen Fluchten haben wir den Fisch erstmals an der Oberfläche und prompt geht es wieder auf Tauchfahrt. Die Rinne vor uns muss noch tiefer sein, als vermutet, der Lachs bohrt sich sechs/ acht Meter ins dunkle Nass. Nach fünf endlosen Minuten führe ich den Fisch auf Lukas zu und der gerade erklärte Schwanzwurzelgriff funktioniert auf Anhieb. Der Lachs schüttelt Lukas kräftig durch, aber er lässt nicht los und so sitzen wir eine Minute später zu dritt auf unserem Felsen.
Schilderungen des Rückwegs erspare ich mir, aber das Adrenalin treibt auch Versehrte irgendwie den Hang hinauf. Lukas trägt stolz den Lachs (70 cm, 4 kg) und ich bin froh, lebend oben angekommen zu sein.
Vor einer Stunde gab es in Butter geschwenkten Lachs mit neuen Kartoffeln auf der Terrasse über dem Fluss. Ein toller Papa-Sohn-Tag!
- 01 Aug 2011, 8:21 pm
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Karsten Zygowski Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Familienurlaub an der Mandalselva, Norwegen
Ein sagenhaft guter Text! Danke dafür.
Liebe Grüße auf diesem Weg an Deine Familie.
Karsten
- 01 Aug 2011, 10:44 pm
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Holger Koeppe Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^3: Familienurlaub an der Mandalselva, Norwegen
Dickes Petri!!
Schöner Fisch und tolle Story, kommt gut heim und bis auf bald....
Petri
- 01 Aug 2011, 10:52 pm
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Torsten Schulze Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^6: Familienurlaub an der Mandalselva, Norwegen
Hallo,
tolle Storry, man ist fast Live dabei. Wünsche noch viel Erfolg in den restlichen Tagen.
Gruß Torsten
- 02 Aug 2011, 09:03 am
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Martin StaußThe company name is only visible to registered members.Re^7: Familienurlaub an der Mandalselva, Norwegen
Riesen-Petri!!!!
Das silberne "Gold" haben schon viele versucht und sind gescheitert, Ihr nicht!
- 02 Aug 2011, 09:15 am
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Martin StaußThe company name is only visible to registered members.Re^9: Familienurlaub an der Mandalselva, Norwegen
Ich glaube, er ist in Norwegen....an der Mandalselva ;-)))))))))
- 02 Aug 2011, 4:44 pm
