Fischernetz
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Alexander Bertsch Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Erfreuliche Entwicklung: Meerforellen in der Weschnitz/ Hessen
Sehr geehrter Herr Bertsch, offensichtlich bin ich nicht in der Lage den Beitrag auf Xing Fischernetz einzustellen, falls Sie den Bericht aus meiner Heimat im Odenwald interessant finden, könnten Sie mir das abnehmen.
Mit freundlichen Grüßen und Petri Heil Frank Sürmann
Hallo beisammen,
sehr geehrte Damen und Herren,
schon seit etlichen Jahren erreichen uns beim Angelverein ASV Lorsch-Einhausen (Pachtstrecken: Weschnitz, Neue und Alte Weschnitz und Landgraben in den Gemarkungen von Einhausen und Lorsch) mit dem Rücklauf der Fanglisten im Januar regelmäßig Berichte über Fänge von Salmoniden größer 60 cm in der Weschnitz, die als Meerforellenfänge interpretiert werden müssen, ca. 1-2 im Jahr. Es gibt bestimmt eine Dunkelziffer. Im Herbst 2011 hat endlich einmal einer der Fänger seinen Fang dokumentiert und die Fotos auch zur Verfügung gestellt... Die Einzelheiten zum Fang laut persönlicher Mitteilung des Fängers vom 29.1.2012:
"Meerforelle, 72 cm Totallänge
Fänger: Axel Falkenauer, Viernheim (Jahreskarteninhaber 2011 für die Weschnitz-Strecken des ASV Lorsch-Einhausen)
Datum: 3.10.2011, früh morgens
Fangort: Weschnitz ca. 10 m unterhalb des Zusammenflusses der beiden Weschnitzarme in Lorsch (km 21,26).
Fanggerät: Fliegenrute, Forellengerät mit Schwimmschnur, Vorfachspitze 0,16 mm. Wegen des schwachen Geräts (Zielfisch war Döbel) konnte der Fisch erst ca. 120 m unterhalb des Fangorts nach längerem Drill gelandet werden.
Äußere Bedingungen: Sehr niedriges Wasser (Trockenperiode
Der Fisch wurde schonend abgehakt und nach ganz kurzem Aufenthalt für das Foto im nassen Gras sofort wieder zurückgesetzt ..."
Diese Meldung passt in das Bild, das sich uns seit ca. 2000 in der Weschnitz bietet: Es sind Großsalmoniden zerstreut vorhanden. Wer in der entsprechenden Saison fleissig mit entsprechendem Gerät fischt, hat auch Chancen, sie zu fangen. Wer zwischen Oktober und Januar im vom Rhein her frei durchgängigen Bereich der Neuen Weschnitz unterhalb Weinheim (dort liegen die ersten zugänglichen, noch suboptimalen größeren Kiesflächen) fleissig spazieren geht, hat auch die Chance, frische, große Laichgruben dort zu sehen (ich habe Fotos von einer aus 2006). Aus den Untersuchungen am AKW Biblis an der Weschnitzmündung wissen wir, dass dort neben häufigen Meerforellen regelmäßig auch einzelne Lachse im Kühlwassereinlauf vorkommen.
Ergo: Die Wandersalmoniden sind seit über 10 Jahren wieder da. Jetzt müssen wir sie nur noch wieder hinauf bringen an die alten Laichplätze am Mittelgebirgsanstieg und in der Äschenregion von Birkenau bis Rimbach. Und dort mindestens die durch die 3 untersten, mittlerweile obsoleten hessischen Wehre überstauten Laichsubstrate durch weitgehenden Rückbau der Wehre zurückgewinnen. Dazwischen haben die Baden-Württemberger ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit zu tun und ihren Part der WRRL-Vorgaben auch für die Wandersalmoniden zu erfüllen, und nicht nur für ihren politisch wie ökonomisch bequemen Zielfisch "Äsche", den es in der Weschnitz nie gegeben hat. Zumindest haben wir zur Äsche, im Gegensatz zum historischen Lachs, noch nicht mal lokalhistorische Angaben.
Die Weschnitz (Einzugsgebiet: 436 qkm) ist neben der Wisper (EZG: 209 qkm, nach langem Besatz spontan ablaichende Lachse) der einzige Fluss in Hessen, der vom Rhein her direkt zugänglich und zur Zeit auf 33 km + 12 km Alte Weschnitz auch frei durchgängig ist und einen nennenswerten Mittelgebirgsanteil mit einer als Laichgebiet geeigneten Äschenregion aufweist (das hat der Schwarzbach/Ried nicht, und Modau und Winkelbach sind eh zu klein). Im Gegensatz zur erst einmal aufwendig besetzten Wisper kommen hier die Wandersalmoniden (und die Flussfische, nicht zu vergessen!) aber spontan wieder - da sollte es sich doch lohnen, etwas Gehirnschmalz, Ideen und Geld zu investieren. Die schlechten Strukturen im Unterlauf stecken da noch als Hemmnis in den Köpfen, aber es ist bereits einiges erreicht worden: Eine grundlegende und gelungene Sanierung der gütewirtschaftlichen Situation, 2 echte Renaturierungen bei Lorsch, Flügelbuhnen mit Binnenprofilgestaltung in Einhausen, Strukturaufwertungen (Störsteine, Totholz) auf langen Strecken in Lorsch und Einhausen. Eine ganze Reihe weitere Maßnahmen stehen kurz bevor, die weitere Trittsteine im Bereich von Biblis und Einhausen setzen werden. Die Alte Weschnitz ist durch den Bau einer Fischrampe am Hauptabsperrwerk Lorsch seit Ende 2011 mit über 12 km Länge und weiteren Kiesflächen im Bereich Weinheim wieder zugänglich geworden.
Und das Beste: An der Weschnitz haben wir die hessenweit einmalige Möglichkeit, ein eingedeichtes, begradigtes Gewässer ohne die extrem teure und schwierige Rückverlegung von Deichen auf gut 4 km Länge zu entgrenzen und wieder eine (begrenzte) Auendynamik herzustellen. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht ist dies möglich innerhalb des sehr großen Hochwasserrückhaltebeckens Lorsch (zum größten Teil auch NSG und FFH-Gebiet "Weschnitzinsel von Lorsch", fast vollständig Grünland). Dort könnte durch entsprechende Bauwerke der komplette Mittel- und Niedrigwasserabfluss der Neuen Weschnitz in ein mäandrierendes Bett gelegt werden, das als Altbett teilweise noch im Gelände sichtbar ist und zumindest im Bereich zwischen Niedrig- und Mittelwasser Auendynamik auf größeren Flächen schaffen kann. Bei guter Planung können auch die Geschiebedepots des alten Flusslaufes wieder angeschnitten werden. Der entgrenzte Abschnitt wird im Bereich des Zusammenflusses von Alter und Neuer Weschnitz wieder durch ein Bauwerk in die bedeichte Strecke zurückgeführt. Der Hochwasserabfluss bliebe weiterhin im alten Bett zwischen den Deichen und die einzelnen Becken des HRB weiterhin steuerbar; der Hochwasserschutz somit uneingeschränkt erhalten. Die Belange der Landwirtschaft könnten durch ein sog. Zweckverfahren der Flurbereinigung gewahrt und wahrscheinlich sogar verbessert werden.
Der "Druck" der Wandersalmoniden in der Weschnitz wird in der Zukunft zunehmen - helfen Sie/helft bitte alle mit, dass hier auch ohne künstliche Hilfe durch Besatz einstmals verschwundene Fischarten wieder eine Chance erhalten!
This post was modified on 01 Feb 2012 at 02:55 pm.- 01 Feb 2012, 2:54 pm
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