Theodor Fontane
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Dr. Berit DirscherlThe company name is only visible to registered members.Fontanes Menschenliebe - Fontanes Blick auf die Frau
Kein Aphorismus, aber ein Zitat aus einem Brief, das Fontanes Menschenliebe (oder sollte man sagen: seine Liebe zu einem bestimmten Frauentyp) in jedem Wort offenbart. Am 10. Oktober 1895 schreibt er an Colmar Grünhagen:
"Der natürliche Mensch will leben, will weder fromm noch keusch noch sittlich sein, lauter Kunstprodukte von einem gewissen, aber immer zweifelhaft bleibenden Wert, weil es an Echtheit und Menschlichkeit fehlt. Dies Natürliche hat es mir seit lange (sic) angetan, ich lege nur darauf Gewicht, fühle mich nur dadurch angezogen, und dies ist wohl der Grund, warum meine Frauengestalten alle einen Knax weghaben. Gerade dadurch sind sie mir lieb, ich
verliebe mich in sie, nicht um ihrer Tugenden, sondern um ihrer Menschlichkeiten, d. h. um ihrer Schwächen und Sünden willen."
Und wer mag sie nicht, die Céciles, die Effis, die Franzikas, die Lenes...? Hier offenbart Fontane einen sympathischen, ja zärtlichen Blick auf die Frau - ein Blick, der zugleich Kritik ist an dem „Gesellschaftsgötzen“, wie Fontane die starre Konvention seiner Zeit nannte. Einen Schritt weiter wird Arthur Schnitzler gehen, wenn er die Erotik der Frauen unverhohlen zum Thema seiner Texte macht.
- 11 Oct 2010, 10:25 pm
