Franchise Business Club
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Hans-Peter Bauer Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Franchising versus „normalen“ Filialstrukturen
Guten Tag an die Runde der Dialogteilnehmer und natürlich auch an die Nur-Leser.
Ich bin für den einen oder anderen Klartext und stelle auch (mir) immer wieder die selbstkritische Frage, ob die Ansicht oder Darstellung (noch) zeitgemäß ist und ob sich nicht möglicherweise der Markt geändert hat. In diesem Zusammenhang möchte ich hier eine These mit Ihnen diskutieren und die lautet:
>>> Franchising schließt den Betrieb mehrerer Lokationen eigentlich aus. <<<
Warum ich diese These aufstelle? In einigen der letzten Threads war zu lesen, dass die (gescheiterten) Betreiber mehrere Lokationen unterhielten und ich wollte mit meiner These nicht in deren Threads hineinschreiben.
Betrachten wir zuerst ein „normales Filialsystem“ am Beispiel eines Bäckers: Der gründet irgendwann seine Bäckerei und wird für seine Qualität anerkannt und geschätzt. Da er selbst produziert ist seine Fertigungstiefe maximal, entsprechend groß ist seine Marge. I.d.R. erst nach Jahren wird eine weitere Verkaufsfiliale eröffnet, der dann im organischen Wachstum weitere folgen können. Oft genug stellt der Unternehmer nach einem weiteren Wachstum auf ca. 10 bis 20 Filialen - die ja alle in einer gewissen geographischen Nähe liegen - fest, dass er das Management dieser Struktur alleine nicht mehr schafft und ihm die Arbeitszeitgesetze, Betriebsräte und mancherlei Verordnungen den kommerziellen Erfolg rauben und das trotz der guten und vollen Marge und der (lokalen) Bekanntheit. Natürlich mag die Problemstellung auch daran liegen, dass ein guter Bäcker (=Handwerksmeister) nicht zwingend auch ein guter Manager ist. Also wird überlegt, wie das System anderweitig auf Erfolgskurs gebracht oder dort gehalten werden kann und wie man möglicherweise weiter expandiert um neue Herstellungstechniken auch optimal ausnutzen zu können.
In diesem Moment denkt der Bäcker-Unternehmer – auch mit externer Beratung – über ein Lizenzsystem nach, das eigentlich ein Franchisesystem ist. Damit werden die ehemaligen Verkaufsfilialen verselbständigt und der Grundstock für ein weiteres lokales Wachstum gelegt. Dass der Bäcker-Unternehmer dann auch einen Betreuer für seine Franchise-Lizenz-Filialen benötigt, ist selbstredend, den sieht er aber nicht mehr als den Manager, den er selbst nicht darstellen konnte. Das Geschäft funktioniert weiter auch Augenhöhe und für weitere Einsteiger ist der SetUp vergleichsweise gering und die Chance wegen der lokalen Bekanntheit groß. Das wäre eigentlich eine solide Basis für ein prosperierendes Franchisesystem.
Nun zum Franchisesystem: Das ist von Beginn an auf rasche und reproduzierbare Expansion ausgelegt, das bedeutet ein klares Kursbuch vom Lieferanten über die Ausstattung bis hin zum ideellen Erscheinungsbild und natürlich der Marke, wozu auch ein stufiges Marketing- und Betreuungskonzept gehört. Das alles kostet Geld und schlägt sich in Franchise- und Marketing-Fee nieder. Isoliert betrachtet stellt das erst einmal einen hohen Betrag dar, aber den hat der obige Filialist auch (unbemerkt) ausgegeben oder es als Lehrgeld tituliert und dass die eine oder andere Filiale nur spät oder mühsam anlief und von anderen quersubventioniert wurde, hat er auch noch in (unliebsamer) Erinnerung. Da im Franchising Fertigungstiefe und Margen zwischen Franchisegeber und -Nehmer verteilt sind, kann ein Franchisenehmer eigentlich jetzt nicht noch eigene Filialen nach dem Konzept betreiben, das der beispielhafte Bäcker-Unternehmer aus Sachzwängen heraus abgelegt hat.
Ich selbst kenne zwei Franchise-Nehmer, die jeweils mehrere Destinationen betreiben. Es handelt sich dabei um fraglos anerkannte Franchise-Systeme und beide unterstreichen meine These. Schließlich betreibt einer sechs Destinationen, hat aber einen familiären Background, denn Frau, Sohn und Tochter betreuen die einzelnen Lokalitäten, sind beruflich entsprechend vorgebildet und stellen ein eng verzahntes Management dar. Der andere betreibt fünf Lokationen ganz alleine, erledigt eigentlich primär Feuerwehraufgaben und arbeitet sich völlig auf. Beide sind erstklassige Manager aber nur beim Familienbeispiel geht auch die Rechnung wirklich auf – sagenhaft gut sogar.
Wie sehen Sie das?
Grüße aus Bayern
Hans-Peter Bauer
- 25 Aug 2011, 1:00 pm
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Bernd Loh Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: Franchising versus „normalen“ Filialstrukturen
Spontan fällt mir hierzu Mutters Lieblingsspuch ein: "Ich kann mit einem Hinterteil (druckreif übersetzt) nicht auf zehn Hochzeiten gleichzeitig tanzen."
Und hier liegt möglicherweise auch das Problem, das gleichermaßen für Filialist und Franchisenehmer zutrifft. Beide können in ihrem Wachstum nur soweit gehen, wie es ihre persönlichen Grenzen erlauben.
Die persönlichen Grenzen liegen aber auch in der Bereitschaft, Managementaufgaben und Verantwortung abzugeben bzw. zu teilen ... und das ist ein nicht zu unterschätzendes Handicap. Unter Umständen stößt im Einzelfall das entsprechende Geschäftsmodell auch an finanzielle Grenzen, wenn diese Aufgabenteilung bezahlt werden muss. Bei den meisten Franchisesystemen ist die Erlös- und Kostenplanung doch eher so ausgelegt, das der „mitarbeitende“ Unternehmer vorausgesetzt wird. Die finanzielle Belastung durch „Mehrfachspitzen“ ist nicht vorgesehen.
Beste Grüße
Bernd Loh
- 25 Aug 2011, 3:10 pm
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Rafael Dziurka(not a XING member)Re^2: Franchising versus „normalen“ Filialstrukturen
Ich glaube, dass die wesentliche Einflussgröße der Gewinn der einzelnen Filiale ist. Rechtfertigt und finanziert er den Einsatz einer 2. Hierarchieeben, kann der Betreiber teile vom Tagesgeschäft delegieren und somit mehrere Filialen erfolgreich betreiben. Diese Ebene kann auch mit der eigenen Familie bestückt werden.
Ist der Gewinn einer einzelnen Filiale vielleicht so gering, dass eine zweite betrieben werden muss um das Einkommen des Betreibers zu sichern, kommt es zu dem von Ihnen beschrieben zweiten Fall.
Einen wesentlichen Unterschied zwischen Franchise- und Filialsystem kann ich nicht ausmachen.
- 25 Aug 2011, 3:33 pm
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Rafael Dziurka(not a XING member)Re^5: Franchising versus „normalen“ Filialstrukturen
Den menschlichen Faktor habe ich nicht vergessen. Ich glaube auch, dass es einer gewissen Selbstreflektion bedarf den "richtigen Zeitpunkt" zu finden. Allerdings sprechen wir grade über ein (fiktives) Beispiel in dem ein Unternehmer mehrere Filialen / Franchisestandorte aufgebaut hat. Ich habe also erst mal keinen Grund ihm unternehmerischen Fähigkeiten abzusprechen. Das er Veranwortung abgeben kann und will sehe ich auch als Grundvoraussetzung an.
Die These von Herrn B. ist:
Franchising schließt den Betrieb mehrerer Lokationen eigentlich aus.
Und meine Antwort ist: Nein, wenn die finanziellen Mittel da sind um die benötigte Struktur aufzubauen.
- 26 Aug 2011, 09:13 am
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Hans-Peter Bauer Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Franchising versus „normalen“ Filialstrukturen
Bernd Loh schrieb:
Spontan fällt mir hierzu Mutters Lieblingsspuch ein: "Ich kann mit einem Hinterteil (druckreif übersetzt) nicht auf zehn Hochzeiten gleichzeitig tanzen."
Und hier liegt möglicherweise auch das Problem, das gleichermaßen für Filialist und Franchisenehmer zutrifft. Beide können in ihrem Wachstum nur soweit gehen, wie es ihre persönlichen Grenzen erlauben.
Hallo Herr Loh,
meine absolute Zustimmung! Ein Unternehmer, der die Erde in Wallung versetzen kann, eröffnet den ersten Betrieb als FN. Nach kurzer Zeit (ca. 1 Jahr) zeichnet sich ein guter Erfolg ab. Seine Crew sieht ihn als Motor und er ist auch der Promotor. Jetzt eröffnet er einen Filialbetrieb und seine Leistung im noch jungen Erstbetrieb wird um mindestens 50% reduziert – was man sehr schnell merkt und im neuen Filialbetrieb kommen auch nur 50% an. Wer dann in dieser Situation mit Filiale drei oder vier liebäugelt, der muss schon ein Managementgenie sein oder sich mit solchen umgeben, was aber wenig wahrscheinlich ist, denn die Hierarchie in einem Franchise-Betrieb muss flach sein.
Jetzt kommt der Faktor Marge ins Spiel und Rafael Dziurka schrieb:
Ich glaube, dass die wesentliche Einflussgröße der Gewinn der einzelnen Filiale ist. Rechtfertigt und finanziert er den Einsatz einer 2. Hierarchieeben, kann der Betreiber teile vom Tagesgeschäft delegieren und somit mehrere Filialen erfolgreich betreiben.
Und nach meinem Dafürhalten ist die Marge einer konventionellen Bäckerei eben wesentlich höher als die Marge in einem Franchise-Backshop. Daher geht diese Rechnung nicht auf und führt unter Einbezug nachfolgender Theorie
Ist der Gewinn einer einzelnen Filiale vielleicht so gering, dass eine zweite betrieben werden muss um das Einkommen des Betreibers zu sichern, kommt es zu dem von Ihnen beschrieben zweiten Fall. direkt ins Desaster. Da genügt dann der Ausfall eines Mitarbeiters – mit daraus resultierenden Lohnkostensteigerungen – oder eine kleine Unwägbarkeit und die kommerzielle Schieflage ist herbeigeführt.
Und Herr Menzel bringt das auf den Punkt:
haben Sie schon einmal an den "menschlichen Faktor" gedacht?
Nicht jeder Betreiber wie Sie ihn nennen ist wirklich Unternehmer und kann oder will delegieren.
Ich habe so meine Zweifel, dass die Vielzahl der Franchisenehmer mit allen Wassern gewaschene Manager sind, ich sehe eher den tapferen Krieger, wobei letzterer auch vom FG favorisiert wird, denn der dürfte i.d.R. pflegeleichter sein.
Was meinen Sie?
Grüße aus dem hochsommerlichen München und heute gilt:
http://www.youtube.com/watch?v=ntWfa8RpFW8
Hans-Peter Bauer
- 26 Aug 2011, 2:01 pm
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Bernd Loh Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^3: Franchising versus „normalen“ Filialstrukturen
Hallo Herr Bauer,
Sie bringen es auf den Punkt und dabei ist es vollkommen unerheblich, ob es sich um expandierende Filialisten oder Franchisenehmer handelt.
Entspricht das Gesamtpaket nicht den Eigenschaften einer eierlegenden Wollmichsau (persönliche, fachliche und organisatorische Eignung des Unternehmers, ordentliche Kapitalausstattung und stimmiges Geschäftsmodell), wird's schwierig.
Beste Grüße
Bernd Loh
- 26 Aug 2011, 2:58 pm
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Rafael Dziurka(not a XING member)Re^3: Franchising versus „normalen“ Filialstrukturen
meine absolute Zustimmung! Ein Unternehmer, der die Erde in Wallung versetzen kann, eröffnet den ersten Betrieb als FN. Nach kurzer Zeit (ca. 1 Jahr) zeichnet sich ein guter Erfolg ab. Seine Crew sieht ihn als Motor und er ist auch der Promotor. Jetzt eröffnet er einen Filialbetrieb und seine Leistung im noch jungen Erstbetrieb wird um mindestens 50% reduziert – was man sehr schnell merkt und im neuen Filialbetrieb kommen auch nur 50% an. Wer dann in dieser Situation mit Filiale drei oder vier liebäugelt, der muss schon ein Managementgenie sein oder sich mit solchen umgeben, was aber wenig wahrscheinlich ist, denn die Hierarchie in einem Franchise-Betrieb muss flach sein.
Jetzt kommt der Faktor Marge ins Spiel und Rafael Dziurka schrieb:
Ich glaube, dass die wesentliche Einflussgröße der Gewinn der einzelnen Filiale ist. Rechtfertigt und finanziert er den Einsatz einer 2. Hierarchieeben, kann der Betreiber teile vom Tagesgeschäft delegieren und somit mehrere Filialen erfolgreich betreiben.
Und nach meinem Dafürhalten ist die Marge einer konventionellen Bäckerei eben wesentlich höher als die Marge in einem Franchise-Backshop. Daher geht diese Rechnung nicht auf und führt unter Einbezug nachfolgender Theorie
Ist der Gewinn einer einzelnen Filiale vielleicht so gering, dass eine zweite betrieben werden muss um das Einkommen des Betreibers zu sichern, kommt es zu dem von Ihnen beschrieben zweiten Fall.
direkt ins Desaster. Da genügt dann der Ausfall eines Mitarbeiters – mit daraus resultierenden Lohnkostensteigerungen – oder eine kleine Unwägbarkeit und die kommerzielle Schieflage ist herbeigeführt.
Ich glaube, dass dies leider trotzdem für einige FN ein Motiv für weiter Lizenzen ist. Grade beim aktuell gescholtenem Brötchenbelger sind einige FN mit mehreren Standorten unter den Abtrünnigen. Warum betreibt jemand der unzufrieden ist (oder sogar in die Insolvenz geht) mehrere Standorte?
Und Herr Menzel bringt das auf den Punkt:
haben Sie schon einmal an den "menschlichen Faktor" gedacht?
Nicht jeder Betreiber wie Sie ihn nennen ist wirklich Unternehmer und kann oder will delegieren.
Die persönlichen Schwierigkeiten die sie sehen, stellen sich bei jeder "Beförderung".
Mit der neuen Position ändern sich die Anforderungen. Ob der FN in unserem Beispiel dann noch der richtige Mann ist, kann man nur hoffen. Denn Sie haben Recht mit:
Ich habe so meine Zweifel, dass die Vielzahl der Franchisenehmer mit allen Wassern gewaschene Manager sind, ich sehe eher den tapferen Krieger, wobei letzterer auch vom FG favorisiert wird, denn der dürfte i.d.R. pflegeleichter sein.
Jene kommen aber dann hoffentlich auch nicht auf die Idee noch weitere Standorte zu eröffnen....
Welche Rahmenbedingung müssen denn Ihrer Meinung nach, neben der Persönlichkeitsstruktur und Fähigkeiten des FN, noch gegeben sein DAMIT ein FN mehrere Standorte betreiben kann?
- 26 Aug 2011, 4:41 pm
