XING Community Freiburg
Posts 1-7 of 7
-
Dirk Klostermann Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.REAL verkauft Pilze aus Weißrussland.
Gesundheitsgefahr durch Strahlenbelastung?
Pilze gehören sicher zu den begehrten Zutaten guter Küche. Herbstzeit ist Pilzzeit. Der Verbraucher freut sich über ein entsprechendes Angebot des Lebensmittelhandels. Doch Pfifferlinge aus Weißrussland?. Sie erinnern sich: Tschernobyl.
Pfifferlinge aus Weißrussland haben eine 10 bis 15 mal höhere Strahlenbelastung, als einheimische Pilze. 25 Jahre nach Tschernobyl sind Waldpilze immer noch stark belastet, teilt der Ratgeber von BR-Online mit.
http://www.br-online.de/ratgeber/ernaehrung/pilze-sammeln-DI...
Auch das TÜV-Siegel auf der Verpackung kann daran nichts ändern. Eine Gefahr für Leib und Leben sehen Experten unterschiedlich. Für die einen ist die Strahlendosis ungefährlich, anderen warnen vor mehrmaligem Verzehr. Angesichts der berechtigten sensiblen Haltung zu dieser Problematik, finde ich es instinktlos von Lebensmittelhändlern, Pilze aus Weißrussland überhaupt in den Handel zu bringen. Insbesondere Real hatte es schwer, das Vertrauen von Verbrauchern nach einem Fleischskandal der Vergangenheit zurückzugewinnen. Nichts gelernt?
Wie auch immer. Leider habe ich den Hinweis auf das Ursprungsland Weißrussland zu spät gelesen. Nun wandert das Körbchen mit den Pfifferlingen in den Müll. – Oder ist es gar strahlenbelasteter Sondermüll?
- 27 Aug 2011, 12:05 pm
-
Christian Schulze-Frey Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: REAL verkauft Pilze aus Weißrussland.
... und eine Flugreise in den Urlaub erzeugt eine etwa 8 fach höhere Radioaktive Belastung als die Pilze aus dem Real...
Ich kann diese Panikmache langsam aber sicher nicht mehr hören.
In Menzenschwand liegt die natürliche Strahlenbelastung ca. 10 mal höher als der zulässige Wert - warum werden die Schwarzwälder aber alle Alt und sind Gesund?
Grüße aus dem Schwarzwald
- 27 Aug 2011, 12:52 pm
-
Dirk Klostermann Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: REAL verkauft Pilze aus Weißrussland.
Panikmache? - Wohl kaum.
Warum kaufen Menschn Bio-Produkte? Vielleicht hat die Industrie ein Stück Vertrauen verspielt.....
- 27 Aug 2011, 1:08 pm
-
Rolf Kaltenbach Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^2: REAL verkauft Pilze aus Weißrussland.
Panikmache = Killerphrase.
Ich bin dankbar und froh über die Menschen, welche Missstände aufdecken und publik machen.
Dadurch sind wir wenigstens informiert über die 8-fache Belastung beim Flug in den Urlaub oder die 10-fache Belastung in Menzenschwand, auch wenn diese Informationen wie auch in diesem Dialog, unterschiedlich genutzt werden.
Ich jedenfalls überlege mir sehr wohl, welchen Risiken ich mich und meiner Familie "freiwillig" aussetze.
Die Macht des Verbrauchers ist die Wahl zu entscheiden, was er kauft oder nicht. Und dafür ist jede Information, sei es im guten oder schlechten hilfreich.
Grüße aus Freiburg
Rolf Kaltenbach
- 28 Aug 2011, 10:56 am
-
Günther EmmeneggerThe company name is only visible to registered members.Re^3: REAL verkauft Pilze aus Weißrussland.
Wenn schon Information, dann richtig:
Pfifferlinge sind im Vergleich zu Maronen relativ harmlos, da das Myzel pro Pilz nur ca. 1 qm gross ist, bei Maronen 5 qm.
Dadurch sammeln Maronen wesentlich mehr Caesium ein, welches im Wachstum im Körper anstelle von Calcium in die Knochen eingelagert wird und das Knochenmark beim Zerfall bestrahlt.
Dies erzeugt ein signifikant erhöhtes Risiko für Leukämie.
Ob man als Êrwachsener dieses Risiko eingehen will, muss jeder selbst entscheiden, ich persönlich liebe Maronen (aus dem Schwarzwald :-)
Bzgl. der Frage: Warum kaufen Menschen Bio-Produkte?
In erster Linie, weil sie es sich leisten können!
Besonders wenn der Bio-Apfel aus Argentinien kommt!
Das ist ökologischer Egoismus reinsten Wassers.
LG Günther
- 05 Sep 2011, 2:03 pm
-
Manuel Fritsch Premium Member Group moderator AmbassadorThe company name is only visible to registered members.Re^4: REAL verkauft Pilze aus Weißrussland.
Und auch die Faktenlage bei Bio-Äpfeln aus China und Übersee ist nicht so eindeutig, wie man es auf den ersten Blick vermuten würde:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,487097,00.h...
- 05 Sep 2011, 2:41 pm
-
Meinrad Rombach Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Pilze aus Weißrussland.
Dirk Klostermann schrieb:
Sie erinnern sich: Tschernobyl. Leider sind die Hinterlassenschaften der friedlichen und der kriegerischen Nutzung der Kernenergie teilweise ebenso langlebig wie die nicht von Menschen verursachte Radioaktivität. Der Kenntnisstand und das Interesse an der Faktenlage ist es jedoch nicht, was nur allzu menschlich ist, denn wer mag schon ständig an eine unklare Bedrohung denken, an der sich scheinbar wenig ändern läßt.
Bei Jahrestagen und Katastrophen wird (vor allem in den Medien) eine Menge Halbwissen hochgespült und trifft auf längst verdrängt geglaubte Ängste, die sich dann um so heftiger entladen. Nur so ist zu erklären, dass in Deutschland Ende März 2011 die Geigerzähler ausverkauft waren, die einen Monat zuvor noch wie Blei in den Regalen lagen.
Um so wichtiger ist es aber, auch "zwischen den Jahren" immer wieder daran zu erinnern, welche Möglichkeiten jeder von uns hat, das persönliche Risiko durch radioaktive Belastung signifikant zu senken. Erlauben Sie mir daher als jemand, der auch beruflich schon intensiv mit Strahlenschutz befasst war, auf die bisherigen Beiträge etwas genauer einzugehen.
sind Waldpilze immer noch stark belastet, teilt der Ratgeber von BR-Online mit. Der zitierte Artikel
http://is.gd/pCL1tX enthält ein paar sprachliche Fehler ("... Röhrenpilze...können noch deutlich erhöhte Grenzwerte aufweisen") und auch etwas Desinformation (große Teile Weißrusslands sind stärker betroffen von der Reaktorhavarie als viele Gebiete der Ukraine und die meisten Gebiete Russlands - aus demselben Grund, der dazu geführt hat, dass Bayern von allen Bundesländern am meisten belastet wurde, wie der Artikel richtig darstellt). Ansonsten gibt der Text die Problemlage recht korrekt wieder.
Eine Gefahr für Leib und Leben sehen Experten unterschiedlich. Die Experten sind sich inzwischen ziemlich einig, dass die sog. Schwellendosis ein Mythos ist (der von Pro-Atom Interessengruppen aber gerne weitergepflegt wird): Es gibt keine unschädliche Strahlendosis! Mit sehr viel Pech reicht bereits ein einziger Zerfall aus, um einen biologischen Organismus nachhaltig zu schädigen! Lediglich die Wahrscheinlichkeit für eine erhebliche Schädigung steigt mit der Dosis, und die Dosis steigt mit jeder zusätzlichen Aufnahme von noch nicht zerfallenen Partikeln in den Körper. Wer einen Beleg dafür haben will, dem sende ich gerne Links, die nicht zu Anti-Atom Interessengruppen, sondern auf Seiten des Bundesumweltministeriums führen.
Für die einen ist die Strahlendosis ungefährlich, anderen warnen vor mehrmaligem Verzehr. Uneinig ist man sich lediglich darin, welchen Stellenwert ein geringes Risiko aus dem Verzehr von radioaktiv belasteter Nahrung im Kanon der sonstigen Verbraucherrisiken spielt, welche Ernährungsgewohnheiten man zugrunde legen soll und welche Empfehlungen demzufolge vordringlich auszusprechen sind. Die Ansage von Frau Hacker halte ich für ausgewogen (keine generelle Angst vor Waldpilzen, aber eher seltener Verzehr und Verzicht bei Kleinkindern) nicht nur wegen der Radioaktivität. Weißrussland hatte z.B. ein Problem mit dem unkontrollierten Abbau von Thallium, das sich wie viele Schwermetalle in Pilzen anreichert.
instinktlos von Lebensmittelhändlern, Pilze aus Weißrussland überhaupt in den Handel zu bringen. Hier kann ich Herrn Kaltenbach nur zustimmen, was die Verbrauchermacht angeht. Es hat allerdings einen Grund, warum Pilze aus Osteuropa besonders preisgünstig sind und darum in der Gastronomie bevorzugt auf den Tisch kommen. Nachfragen hilft auch hier.
Leider habe ich den Hinweis auf das Ursprungsland Weißrussland zu spät gelesen. Nun wandert das Körbchen mit den Pfifferlingen in den Müll. Keine Pilze aus Gebieten zu kaufen, in denen es seinerzeit mutmaßlich geregnet hat, ist eine einfache Taktik, um die persönliche Belastung etwas zu senken. Besonders effektiv sind solche Überlegungen aber nur bei Grundnahrungsmitteln, insbesondere bei denen für Kleinkinder. Insofern liegt für mich interessanteste Botschaft des Artikels darin, dass die EU nach Fukushima im Eilverfahren den Import-Grenzwert für Milch von 370 auf 1000 Bq/l erhöht haben soll.
Import-Grenzwerte sind jedoch ein Instrument der praktischen Vernunft eines Gesetzgebers, aber keine wissenschaftliche Unbedenklichkeitsbescheinigung. Sie sollten sich eher freuen darüber, dass die Deklaration "Herkunft Weissrussland" Ihnen so ein einfaches Kriterium für das Nichtkaufen an die Hand gibt.
Oder ist es gar strahlenbelasteter Sondermüll? Ziemlich sicher nicht ! In dem zitierten BR-Artikel wird das große Problem angesprochen, dass nicht verkehrsfähige, teilweise sogar extrem belastete Nahrungsmittel bei unbelasteter Nahrung (gerne aus besser beleumundeten Gegenden) untergemischt wird, um eine Verkehrsfähigkeit zu erreichen. Gegen diese Form der Körperverletzung kann nur im Herkunftsland selbst vorgegangen werden, was voraussetzt, dass dort ein Rechtssystem existiert und dass die Importeure Ihren Teil zur Kontrolle der Lieferanten beitragen
Die Vermischung von unterschiedlich belasteten Nahrungsmitteln hat allerdings auch für die amtlichen Kontrolleure hierzulande einen Vorteil: Sie erlaubt es, mit wenigen Stichproben gleich mehrere Chargen für unbedenklich zu erklären. Würde man eine Charge direkt vom Sammelbetrieb einkaufen und importieren, müsste eine flächendeckende Belastungskontrolle eingeführt werden, wie sie das Münchner Umweltinstitut in dem Artikel auch fordert.
Christian Schulze-Frey schrieb:
... und eine Flugreise in den Urlaub erzeugt eine etwa 8 fach höhere Radioaktive Belastung als die Pilze aus dem Real... Sie haben recht, dass auch die Vermeidung von Flugreisen hilft, die persönliche Belastung zu senken. Zur Relativierung taugt Ihr Vergleich indessen nicht. Die externe Dosis und die innere Organdosis werden gerne verwechselt. Flugreisen sind mit einer Strahlendosis verbunden, die durch kosmische Strahlung (vor allem schwere Teilchen) erzeugt wird, die nur während des Flugs wirken. Da es sich um sehr harte (sog. dicht ionisierende) Strahlung handelt, ist die Energie-Dosis sehr hoch, verteilt sich aber auch gleichmäßig über den ganzen Körper. Nach der Landung ist die kosmische Strahlungswirkung vorbei (bis auf den geringen Anteil, der überall am Boden ankommt).
Die Pilze liegen aber nicht nur für ein paar Stunden im Handgepäck, sondern werden vom Körper aufgenommen und die Strahlenquellen tw. auch für längere Zeit eingebaut. Die oftmals weiche Strahlung, die ihre Wirkung nur in der nächsten Umgebung abgibt, fokussiert sich auf Teile des Körpers, die besonders empfindlich sein können. Auskunft über das Risiko, an einer solchen Stelle zu erkranken, gibt allenfalls die Organdosis, die tw. um Größenordnungen höher liegt als die externe Dosis vor der Einnahme.
Die Bewertung der sehr unterschiedlichen radiobiologischen Vorgänge mit derselben (Äquivalentdosis-)Einheit (Sievert) sollte eigentlich der Vereinfachung dienen, führt jedoch zu immer wieder zu solchen Missverständnissen (die meist eher Pro-Atom Interessengruppen in die Hände spielen)
Ich kann diese Panikmache langsam aber sicher nicht mehr hören. Das ist wie schon gesagt nur allzu menschlich. Sollte die Beschäftigung mit der Faktenlage bei Ihnen in eine Panikattacke münden, so wäre es in der Tat gesünder, die Fakten zu verdrängen, weil das Bewusstsein ständiger Zerfallsprozesse im eigenen Körper mental mehr schaden kann als der Verzicht auf gelegentliche Pilzmahlzeiten bringt.
In Menzenschwand liegt die natürliche Strahlenbelastung ca. 10 mal höher als der zulässige Wert Wo haben Sie das denn gelesen ? Wenn es so wäre, dann müsste man die Gegend ja sofort abriegeln und evakuieren. Es stimmt, dass Menzenschwand durch den schon lange eingestellten Uran-Bergbau an einzelnen Stellen zusätzlich belastet ist. Aus dem Abraum hat man u. a. auch einen Parkplatz gebaut, der sich ebenso zur Funktionsprüfung von Geigerzählern eignet wie andere Stellen, an denen diese Altlast noch herumliegt.
Die Belastung des Südschwarzwalds durch natürliche Strahlenbelastung (Bergbau zähle ich hier als von Menschen verursacht) durch das radioaktive Edelgas Radon ist insgesamt höher als anderswo, was gerade in den Kellern alter Bauernhäuser, die einen gestampften Lehmboden und wenig Lüftung haben, zu einer erheblichen zusätzlichen Belastung führen kann. Die Radon-Belastung gilt unter Fachleuten als "bisher unterschätzt".
Wie jeder hochgelegene Ort kriegt auch Menzenschwand mehr kosmische Strahlung ab als die Rheinebene, wo die Luft aber in anderer Beziehung nicht so gesund sein dürfte wie auf 1000m. Das alles spielt sich aber weit unter Grenzwerten ab, die ein sofortiges Eingreifen erforderlich machen würden.
Gesetzlich "nicht mehr zulässig" ist es lediglich, den kur-mäßigen Aufenthalt in Bergbaustollen, die sog. "Radonbäder" als Heilmittel gegen gewisse Lungenkrankheiten anzubieten. Die Idee, dass radioaktive Strahlung auch eine Heilwirkung haben könnte, wurde inzwischen wie auch die "Schwellendosis" zum Mythos erklärt.
Warum werden die Schwarzwälder aber alle Alt und sind Gesund? Bitte tragen Sie nicht zum Irrglauben bei, dass Schwarzwälder deshalb alt und gesund werden, weil die Strahlung dort höher läge als anderswo. Die höchste Ortsdosisleistung misst das Bundesamt für Strahlenschutz im Schwarzwald derzeit hier
http://odlinfo.bfs.de/cvdata/083370490.php . Mit 180nSv/Std ist das gerade mal 50% mehr als an dem Ort, wo wir demnächst den Papst empfangen
http://odlinfo.bfs.de/cvdata/083110002.php .
Herr Schulze-Frey, ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen Gesundheit bis ins hohe Alter. Die Höhenluft und das Quellwasser des Schwarzwalds wird sicher seinen Teil dazu beitragen. Um wieviel sich die Lebenserwartung der Schwarzwälder steigern ließe, wenn der Schwarzwald nicht zum großen Teil aus Granit bestünde, das läßt sich schwer abschätzen. Für eine Dosis-Wirkungsanalyse im Raum Menzenschwand reichen die zu erwartende Anzahl zusätzlicher Lungenkrebstodesfälle nicht aus, um zu sauber nachzuweisen, dass alteingesessene Menzenschwander geringfügig weniger alt und gesund werden als die anderen Schwarzwälder in ansonsten vergleichbar gesunder Höhenlage.
Von weiterer Panikmache, wie sie bei Herrn Kaltenbach angekommen ist
Dadurch sind wir wenigstens informiert über ... die 10-fache Belastung in Menzenschwand, bitte ich - auch im Sinne des Schwarzwald-Tourismus Abstand zu nehmen.
Günther Emmenegger:
Wenn schon Information, dann richtig: Diesem Wunsch folge ich auch weiterhin
Pfifferlinge sind im Vergleich zu Maronen relativ harmlos, da das Myzel pro Pilz nur ca. 1 qm gross ist, bei Maronen 5 qm.
Dadurch sammeln Maronen wesentlich mehr Caesium ein, Sie haben recht, dass Pfifferlinge im Vergleich nicht so belastet sind Es kommt im Übrigen auch darauf an, in welcher Tiefe das Myzel sich ausbreitet.
Da radioaktive Ablagerung recht langsam in den Boden eindringt
(man rechnet hier in mm/Jahr) stieg z.B. die Belastung bayrischer Wildschweine nach einiger Zeit wieder überraschend an, da die Tiere bevorzugt Pilze aus dem Boden ausgraben. Die langsame Migration des Tschernobyl-Fallouts im Tiefenprofil des Waldbodens könnte künftig noch für Überraschungen sorgen, wenn das Wurzelwerk von Pflanzen erreicht wird, die Teil der Nahrungskette sind. Einstweilen ist der regelmäßige Genuß von heimischen Wildschweinen denen aus Bayern vorzuziehen. In den Kalkulationen amtlicher Strahlenschützer tauchen bayrische Wildschweine vor allem deshalb nicht als alarmierend auf, weil Obelix-artige Ernährungsgewohnheiten hierzulande ausgeschlossen werden.
Caesium, welches im Wachstum im Körper anstelle von Calcium in die Knochen eingelagert Hier verwechseln Sie Cäsium, das chemisch dem Kalium ähnelt und sich in der Muskulatur verteilt, mit dem Calcium-ähnlichen Strontium. Beiden gemeinsam ist eine Zerfallswahrscheinlichkeit , die es wahrscheinlich macht, dass wir einen Löwenanteil der Strahlung noch zu Lebzeiten erleben (Halbwertszeit von 28-30 Jahren).
wird und das Knochenmark beim Zerfall bestrahlt.
Dies erzeugt ein signifikant erhöhtes Risiko für Leukämie. Strontium90 ist wie Radon eines der radiologisch besonders problematischen Elemente,weil der "Knochensucher", der sich über Gras vor allem in der Kuhmilch anreichert, seine Zerfallsenergie in nächster Nähe, d.h. besonders auf das Knochenmark konzentriert abgibt (ein sog. weicher Betastrahler) . Das Folgeprodukt (ein "Gonadensucher") mobilisiert sich chemisch nach dem Sr90-Zerfall aus den Knochen und läßt innerhalb weniger Stunden einen zweiten Zerfall folgen. Der erste begünstigt Leukämie, der zweite Gendefekte bei der Nachkommenschaft. Das größte praktische Problem mit dem prominenten Atommüll-Bestandteil Sr90 ist nicht nur in Tschernobyl, sondern auch wieder in Fukushima zutage getreten: Im Gegensatz zum Cäsium137 kann man den weichen Betastrahler nur sehr aufwändig messen. Laboruntersuchungen liefern erst mit 2 Wochen Verzug ein Ergebnis und sind kostspielig. So weiß heute niemand so richtig, wo eigentlich die Knochensucher-Anteile aus Tschernobyl geblieben sind.
Böse Zungen behaupten, dass das Heraufsetzen der EU-Grenzwerte für Milch nicht primär als Importförderung japanischer Milchprodukte zu sehen sei, sondern eine Folge dessen, dass man aufgrund der hierzulande neu bewerteten "Sicherheitslage" mal wieder verstärkt in Strontium90-Analysen investiert hat.
Zum Abschluss dieses länglichen Traktats möchte ich noch einen kulinarischen Tipp loswerden:
Die risikoärmste Zubereitungsform für radioaktiv belastete Röhrlinge ist das Blanchieren mit anschließender Entfernung der Huthaut. Gießen Sie das Wasser weg und überlassen Sie die Haut Ihrer lokalen Landesuntersuchungsanstalt, die dort fast die gesamte Menge an Radionukliden und Schwermetallen wieder finden wird. Das gehäutete Pilzgericht dürfen Sie dann ohne Reue (ab und zu) genießen. Guten Appetit!
Meinrad Rombach
This post was modified on 07 Sep 2011 at 02:50 pm.- 07 Sep 2011, 2:31 pm
